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Nachdem "Godzilla" aus dem Jahre 1954 in Asien gute Zuschauerzahlen verzeichnete, wollten die Amerikaner die Riesenechse ebenfalls über ihre Leinwände wüten lassen. Allerdings nicht in seiner ursprünglichen Version und so drehte man eine verwestlichte Fassung. Hierzu wurde der japanische Film (wie bei uns auch) um einiges an Handlung erleichtert (natürlich finden die Atombombenabwürfe durch die Amis hier keine Erwähnung) und zu Identifikationszwecken wurde eine völlig neue Rahmengeschichte rund um einen amerikanischen Nachrichtenkorrespondenten erfunden, der nach Japan reist, um von den dortigen Monströsitäten zu berichten.
Die Rolle des Amerikaners übernahm Raymond Burr, der einfach in den Originalfilm hineingeschnitten wurde. Da man 1956 noch keine Tricktechnik hatte, die solch nachträglich erzeugte Zusammentreffen wie zum Beispiel von Forrest Gump mit John F. Kennedy ermöglichten, sieht man Herrn Burr meist zusammen mit seinem asiatischen Dolmetscher in Mitten von ein paar japanischen Statisten, wo er Pfeife schmauchend nachfragt, was die anderen da gerade sagen. Wenn es zur Interaktion zwischen ihm und den Figuren Emiko, Dr. Yamane oder Serizawa im selben Bild kommt, sieht man den japanischen Originalschauspielern ähnlich sehende Personen und zwar von hinten oder im Falle vom Augenklappe tragenden Serizawa von der Seite getarnt hinter Laborapparaturen. Das Ganze entbehrt nicht einer gewissen Komik.
Als es dann zu den Angriffen Godzillas kommt, nimmt Burr die Rolle des live berichtenden Reporters an, der die Geschehnisse kommentiert, sich etwas Schweiß vom Gesicht wischt und sogar selbst durch eine herunterstürzende Decke verletzt wird und im Finale darf er dann mit dem Arm in der Schlinge tatenlos auf dem Schiff das Wassergeschehen betrachten und einen Schlusskommentar abgeben.
Die Stärke der japanischen Fassung kann die amerikanische meiner Meinung nach nicht erreichen, da die Geschichte durch die Kürzungen vor allem im zwischenmenschlichen Bereich (Dreiecksbeziehung zwischen Emiko, Serizawa und Ogata und deren Gewissenskonflikte) sehr an Tiefe verliert. Auch die Auftritte Godzillas können durch das ständige dazwischen plappern von Raymond Burr nicht die Bedrohung entwickeln, wie man sie in der Ur-Fassung verspürt. Immerhin wurde die grandiose Musik von Akira Ifukube in den entsprechenden Szenen beibehalten und nicht durch amerikanisierte Klänge ausgetauscht.

Insgesamt ist die amerikanische Version eine unnötige Abwandlung vom 54er Godzilla, die zwar einigermaßen passabel umgesetzt wurde, aber dem Original außer der westlichen Identifikationsfigur nichts Neues hinzufügt, sondern im Gegenteil einiges wegnimmt. Lieber zum "echten" Godzilla greifen.

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