Kampfsport-Ass Richard Norton („China O'Brien”, “Rage and Honor”) musste sich trotz seiner Fähigkeiten und seines natürlichen Charismas in seiner qualitativ arg schwankenden Karriere immer wieder für schwächere Filme hergeben.
„Under the Gun“ gehört aufgrund der offensichtlich begrenzten Production Values und des knapp bemessenen Talents des unerfahrenen Regisseurs auch eher zu seinen weniger gelungenen Auftritten, die ganz sicher nicht länger im Gedächtnis haften bleiben. Seine Präsenz ist eigentlich auch das Einzige, das „Under the Gun“ vor dem Rutsch ins Nirvana des B-Action-Films bewahrt. Umso trauriger, dass Norton den Film auch noch produzierte.
Sein Off-Kommentar des noch stimmigen Intros weist ihn anhand von Zeitungsausschnitten als den ehemaligen Eishockey-Star Frank Torrence aus, der einem befreundeten Teamkollegen Harry (Peter Lindsey), übrigens ein reichlich unterbelichtetes Exemplar, bei dessen Drogen-Skandal beistand und dafür seine Karriere wegwarf. Nun leitet er einen heruntergekommen Nachtclub, ist dieses Lebens allerdings überdrüssig und will aus dem Geschäft aussteigen. Zum Abschied soll noch einmal der große Reibach auf dem Plan stehen. Nicht nur, dass er einen Mafiaboss um dessen Drogengeld prellen will, mittels frisierter Geschäftsbücher soll auch noch der zukünftige Clubbesitzer übers Ohr gehauen werden. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. So einfach wie er sich das vorgestellt hat, kann er dann doch nicht verduften.
Die leider sehr einfallslose Story beschäftigt sich grundsätzlich nur mit den ständigen Versuchen in dieser einzigen Nacht Frank seine beiden lukrativen Coups zu vermasseln, in dem sie ihm maximale Probleme bereitet. Frei nach Murphys Gesetzen geht auch schief, was schief gehen kann und so tummelt sich von Triaden über Mafiosos bis hin zu einem korrupten Bullen und einem widerspenstigen Zuhälter bald allerhand Gesocks in seinem Club herum, das er just in diesem Moment dort gar nicht brauchen kann, während sein ungeduldiger Käufer unbedingt noch einen letzten Blick in die Bücher werfen will. Wie ungünstig... Die meisten Probleme können immerhin mit den Fäusten beseitigt werden.
Leider verfügt Regisseur und Autor Matthew George („Four Jacks“, „Let's Get Skase“) als Doppeldebütant nicht ansatzweise über das Know-how Richard Norton in seinen regelmäßigen Martial-Arts-Szenen entsprechend zu inszenieren oder versteckt es zumindest geschickt. Obwohl sich Norton sichtlich Mühe gibt und einige Moves auch richtig gut aussehen, mangelt es doch deutlich an einem erfahrenen Action-Regisseur, der das Potential des begnadeten Fighters auch ausreizt. Die Kloppereien sind zwar solide umgesetzt, aber in dem Genre gibt es weitaus besser choreographierte Filme.
Immerhin kann der gute Norton dabei noch mit seinem Humor (Stichwort: Papierkorb) und etwas Selbstironie punkten, wenn er irgendwann zu resignieren beginnt, weil wirklich alles den Bach runtergeht.
Teilweise unglaubwürdige Storywendungen und die billige Optik des eher spärlich ausgestatteten Schuppens stören den Filmspaß allerdings genauso wie die rätselhaften Anliegen einiger Persönlichkeiten in dieser Nacht. Das Drehbuch hält nämlich ein paar Ideen zu viel parat als so einem simplen Genrefilm gut tun und verliert folgerichtig bald mehrere Fäden aus den Augen. Die Reduzierung der Parteien und weniger Nebencharaktere, die ohnehin keine wichtige Funktion innehaben, wäre sicherlich von Vorteil gewesen. Einige Persönlichkeiten tauchen nach ihrer Einführung im Film gar nicht mehr auf, während man als Zuschauer die Intention der anderen nie durchblickt.
So nervt Franks Kumpel Harry (Peter Lindsey) eher während Kathy Long („The Stranger“), die offensichtlich über mehr Schauspieltalent als Kollegin Cynthia Rothrock verfügt, aber nie eine richtige Filmkarriere zum Laufen brachte, sich leider in einer zu kleinen Rolle aufreibt und schließlich dem Plot geopfert wird.
Die Situation im Club spitzt sich für Norton also immer weiter zu, denn es läuft bis zu der Stornierung seiner für ihn lebenswichtigen Flugtickets nach Mexiko am nächsten Morgen wirklich alles schief. Zahlreiche zwielichtige Figuren tauchen aus den verschiedensten Gründen auf, wollen aber immer Geld und bekommen die Kauleisten massiert, plötzlich befinden sich Drogen in seinem Büro und sein ungeduldiger Käufer will auch schon wieder abhauen, bekommt jedoch eine Nutte auf den Hals gehetzt, damit er wieder Ruhe gibt. Norton hat alle Mühe die Übersicht zu behalten, um die diese Nacht irgendwie heil zu überstehen und als Gewinner daraus hervorzugehen.
Auf der Zielgeraden häufen sich dann auch endlich die Schläger und folgerichtig auch die Action außerhalb und innerhalb des Clubs. Martial Arts und ein blutiger Shootout zum Schluss markieren ohne Glanztaten die Schwerpunkte und führen zu einem zufriedenstellenden Abschluss. Als Genrefan hat man sicherlich schon deutlich Besseres gesehen, aber wo der lahme Plot einem schon jedes Interesse raubt, ist man für dieses Intermezzos schon dankbar.
Obwohl der spärlich ausgestattete Club und die schäbige Optik kaum Atmosphäre zulassen und der Action dank des knappen Budgets auch jede Ästhetik abgeht, verbleibt „Under the Gun“ noch geradeso im Mittelmaß. Zu verdanken hat er dies seinem coolen Hauptdarsteller. Richard Norton kann mit seinem Charisma und seinem Sinn für Humor noch einige Szenen retten.
Ansonsten läuft hier allerdings zu viel aus dem Ruder, denn die Geschichte zerfasert zusehends und wird immer unglaubwürdiger. Der schwache Plot addiert für seinen Hauptdarsteller nur die Probleme und trumpft mit abgedroschenen Klischees auf. Dabei lässt „Unter the Gun“ leider jeden Drive vermissen und plätschert vor sich hin, nur um Norton dann wieder mit dem nächsten Problem zu konfrontieren, bis die Lage endlich eskaliert und alle Parteien zu den Waffen greifen bis Ruhe ist.
Fazit:
Letztlich erweist sich „Under the Gun“ lediglich als ein Film für Norton-Fans, denn ohne ihn würde der B-Actioner den Bach runtergehen. Obwohl Regisseur Matthew George bar jeder Spur von Talent nicht dazu in der Lage zu sein scheint die Action ansprechend zu inszenieren und das Budget augenscheinlich etwas zu niedrig ausfiel, überzeugen die Martial-Arts-Einlagen und weitestgehend auch der Humor. Der schlampige und uninteressante Plot wie auch die Tatsache, dass Kathy Long nur verheizt wird, trüben den Filmspaß aber nur allzu deutlich.