Au weia, jetzt versucht der Tierhorror mit einem mutierten Tasmanischen Teufel zu punkten.
Das klappt soweit aber ganz gut, - vorausgesetzt, man befindet sich in feuchtfröhlicher Runde mit Gleichgesinnten, die krudem Splattertrash nicht abgeneigt sind.
Die Story lässt sich knapp zusammenfassen: Zwei Typen entführen eine Mutation aus einem Labor und setzen es in der Nähe eines Friedhofs aus, wo ein paar Studenten gerade an einem Film doktern. Die Welt ist hier recht klein: Der Filmer ist der Sohn des Laborchefs, der sich mit seiner Assistentin aufgemacht hat, das Vieh zu suchen, während Söhnchen und Freunde in Gefahr sind.
Zurückhaltend und harmlos beginnt der Streifen und man ist schon gewillt, ihn in das Sonntagnachmittagsprogramm zu verlegen.
Vom Monster sieht man anfangs nur ein Auge durch die Öffnung seiner Holzkiste, später ganz zaghaft mal eine Krallenhand.
Die beiden ersten Opfer, seine Entführer/Befreier, werden in ihren eigenen Kleinbus gezogen, ein wenig Blut spritzt, mal ein Freeze Frame mit Schrei und Schnitt.
Zunächst ist die Enttäuschung groß.
Und bevor es tatsächlich zur Sache geht, wird die Klischeesuppe, die notwendige Zutat des Tierhorrors, auch Slashers, eingestreut: Die potentiellen Opfer werden vorgestellt.
Filmer Hunter, der von allen für schwul gehalten wird, es aber auf die hübsche und natürliche Kym abgesehen hat. Zwei Typen, die auf unterstem Niveau Witze machen („Was ist an einem Furz so witzig? Der Geruch oder das Geräusch?“) und eine Blondine, die zunächst selten dämlich an ihrem Lolly rumbläst und später auch nur ans Pimpern denkt („Ich liebe tätowierte Männer, da hab` ich beim Sex immer was zu lesen“).
Dazu kommt der besoffene Friedhofswärter und seine beiden Redneck-Söhne, die für ihn die Filmausrüstung der Studenten stehlen sollen.
Die Auswahl an Identifikationsfiguren ist fürwahr nicht doll.
Deswegen identifiziert man sich am besten mit dem Monster und seinen Taten, denn die werden im Verlauf immer expliziter und drastischer in ihrer Darstellung und auch der mutierte Beutelteufel erscheint komplett im Bild.
Unpassenderweise „Precious“ genannt, sieht das Vieh aus wie eine Kreuzung aus Tapsbär, Bison und eben Tasmanischer Teufel. Ein Auge ist Klumpatsch, die Zähne sind viele, lang und gelb und ständig Schleim im Rachen, ein Zottelvieh aus dem Jahre Eins.
Aber seine, oh, Entschuldigung, ihre Herangehensweise ist durchaus intelligent. Sie sammelt ihre Opfer in einem Tunnel unter dem Friedhof und versieht diesen mit Fallen. So kommt es auch vor, dass ahnungslose Opfer in ihrem Nest landen, weil sie einfach nur über das Friedhofsgelände marschieren. Alle Achtung!
Wirklich spaßig sind aber Attacken, bei denen die Opfer erstmal meterweit durch die Luft geschleudert werden, manchmal auch mehrfach und sogar recht stylisch in Szene gesetzt.
Der Blutfaktor, der zu Beginn auf niedrigsten Level eingestuft wurde, steigt zusehends in den Bereich „Kleines Splatterfest“.
Da wird ausgeweidet, Körper werden geteilt, Köpfe, Arme, Beine fliegen durch die Luft und es spritzt übermäßig viel Blut.
Und dabei sehen die FX beileibe nicht schlecht aus, schließlich ist Regisseur Roy Knyrim eigentlich Special-FX-Artist und hat dies schon bei Filmen wie „Revenant“ oder „2001 Maniacs“ unter Beweis stellen können.
Für kleine Gorehounds an dieser Stelle genau das richtige.
Natürlich bietet der Streifen in Sachen Tierhorror keine besonderen Einfälle, Charakterisierung der Figuren gleich Null, einige Opfer werden namentlich gar nicht vorgestellt und es geht nur darum, dass ein paar Helden das Vieh zur Strecke bringen, nachdem es bereits die meisten der Anwesenden zerstückelt hat.
Überraschungen gibt es hier keine, aber ein munteres Tempo und ein paar nette Gimmicks, wie den Esoterik-Typ, der mit seinem Kumpel das „Krafttier“ sucht und als er das Monster erblickt, erscheint seine Wahrnehmung plötzlich als Animation im Comic-Stil.
Ansonsten die üblichen Zutaten: Ein paar nackte Tatsachen, viel Gerede über Sex von Leuten, die ihre anale Phase nie hinter sich gelassen haben, ordentliche Angriffe des Zottelmonsters und damit verbunden, durchaus spannende und ansprechende Szenen.
Schließlich nimmt sich der Film nicht so ernst, was ihm sichtlich gut tut und für einen Partyabend ist der Streifen durchaus tauglich.
Geschmunzelt und gelacht werden darf jedenfalls und ich komme immer noch nicht über einen Ausspruch der Laborassistentin hinweg: „Ich hasse Wälder!“
Schlicht und doch richtig dämlich, so unterhaltsam kann Tierhorror sein.
6,5 von 10