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Fußball ist ihr Leben und sie lieben die Konfrontation, die Rede ist hier von englischen Hooligans die bei einem Spiel nicht nur ihren Verein anfeuern, sondern sich auch extra mit gegnerischen Raufbolden anlegen. Dies führte schon zu zahlreichen Ausschreitungen, nun will uns die deutsche Regisseurin Lexi Alexander (Punisher: War Zone, Fool Proof) diese harte Szene näher bringen. "Hooligans" liefert dabei einen erschreckend realistischen Einblick und lässt obendrein die Gewalt völlig sinnlos erscheinen. Dabei war Alexander auch an den vielen Recherchen beteiligt und am Verfassen des Screenplay. Erzählt wird aber eine rein erfundene Geschichte, die nicht auf irgendwelchen Ereignissen in diesem Milieu basiert. Vier Jahre später folgte das zu gängige DTV-Sequel unter der Regie von Jesse Johnson.

Wegen angeblichem Drogenbesitz ist der angehende Journalist Matt Buckner (Elijah Wood) aus Harvard verwiesen worden, nun verschlägt es ihn nach London zu seiner älteren Schwester Shannon (Claire Forlani). Dort lernt er neben ihrem Mann Steve Dunham (Marc Warren) auch dessen jüngeren Bruder Pete (Charlie Hunnam) kennen. Der ist Oberhaupt der Firma GSE (Green Street Elite), einer Gruppe von Hooligans die fest hinter ihren Fußballverein West Ham United stehen. Durch Pete findet auch Matt den Weg in die Szene und ist von seinen neuen Kumpels schnell begeistert. Doch deren Rivale Tommy Hatcher (Geoff Bell) mausert sich zu einem immer gefährlicher werdenden Gegner, auch halten Pete und die GSE Matt bald für einen Undercover-Journalisten.

Der Story weist schon ihre kleinen Schwachpunkte auf, das beginnt schon bei Matts Rauswurf aus Havard, weil sein reicher Zimmerkammerad Drogen in Matts Kleider versteckte. Auch bleibt es fraglich warum Steve den frisch in London angekommenen Matt unbedingt mit seinem Hooligan Bruder Pete zu einem Spiel schickt, dabei weiß er doch ganz genau was da abläuft. Und so gibt es noch ein paar weitere Beispiele, wenn Claire gegen Ende samt ihrem Baby bei der Finalschlägerei auftaucht und so natürlich in Gefahr gerät. Doch der Plot hat auch seine guten Seiten, so erhalten wir tiefe Einblicke ins Milieu der etwas anderen Hooligans. In ihrer Freizeit hängen sie in ihrem eigenen Pub herum, lassen sich volllaufen und pürgeln sich bei jeder Gelegenheit mit anderen Firmen, doch ihr ziviles Leben sieht anders aus. Teilweise sind sie mit wirklich guten Jobs gesegnet, so ist Pete Sport- und Geschichtslehrer und bietet in der U-Bahn sogar ein älteren Frau seinen Platz an. Die Hooligans führen hier quasi ein Doppelleben, im Alltag würde man nie denken, dass es sich um solch gewaltbereite Menschen handelt. Aber für Alexander stehen nicht die Prügeleien im Fordergrund, sondern die menschlichen Beziehungen. Besonders was Steve betrifft erlebt man später noch eine Überraschung und auch der fiese Tommy Hatcher hat eine traurige Vergangenheit.

Doch ganz besonders steht die Freundschaft zwischen Matt und Pete im Fokus. Dabei wird der Yankee von allen gut aufgenommen, außer von Querulant Bower (Leo Gregory), der sogar kurzfristig zu Hatcher und seinen Schlägern überläuft. Mit den gut ausgearbeiteten Charakteren können dann tatsächlich einige Schwachpunkte der Story kaschiert werden, jedenfalls wird der Zuschauer zum Mitfiebern animiert, dabei erscheint die hier gezeigte Gewalt stets sinnlos. Bei den Konfrontationen hält sich Alexander dann recht bedeckt, denn rohe Gewalt mit überflüssigen Brutalitäten als sinnlos erscheinen zu lassen funktioniert nun mal nicht. So hilft man mit einer Wackelkamera und schnellen Schnitten nach. Hierbei ist man mitten im Geschehen und trotzdem sind die Konfrontationen nicht allzu ausufernd. Besonders realistisch und gleichzeitig traurig ist Matts Verhalten, der bald Spass an der Szene hat und dafür sogar seine Zukunft aufs Spiel setzt. Dabei liefert Elijah Wood (Der Herr der Ringe, Sin City) eine seiner besten Vorstellungen. Solch eine teilweise zornige Rolle hätte man ihm gar nicht zugetreut, doch stille Wasser sind manchmal eben tief. Mindestens ebenso gut agiert Charlie Hunnam (Children of Men, Unterwegs nach Cold Mountain), während Claire Forlanis (Schwerter des Königs, Gone Dark) Auftritte eher nebensächlich bleiben.

Gerade storytechnisch hätte man sich mehr ins Zeug legen können, hier treten ein paar Klischees und Ungereimtheiten zu Tage, doch ansonsten erhält man einen harten und ziemlich realistischen Einblick in ein Milieu, welches sich mit purer Gewalt zum Ausdruck bringen will. Die Firmen sind so etwas wie eine Religion für die Fußballfans, dabei vergisst man manchmal, dass es sich um völlig normale Menschen handelt. "Hooligans" findet auf jeden Fall den richtigen Weg und weiß den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen, nicht nur dank der großartigen Schauspieler.

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