Review

GODZILLA No. 28

GODZILLA: FINAL WARS

(GOJIRA: FINAL WARS)

Ryûhei Kitamura, Japan/Australien/China/USA 2004

Vorsicht – das folgende Review enthält SPOILER!

Da ist er nun – der achtundzwanzigste und letzte Film der drei alten Godzilla-Reihen, mit dem das bedeutendste Monster der Kinogeschichte seinen fünfzigsten Geburtstag feiern durfte und sich gleichzeitig für immer und ewig in den Ruhestand verabschieden sollte. An einen endgültigen Abschied des Großen Grünen wollten zwar die Wenigsten ernsthaft glauben, aber fürs Erste hatten die Verantwortlichen der Tōhō Studios in Sachen Kaijū Eiga die Nase ausreichend voll – die Streifen der Millennium-Reihe hatten wirtschaftlich (und auch künstlerisch, sofern man hierbei von Kunst reden will ...) die Hoffnungen nicht erfüllt und an eine grundlegende konzeptionelle Änderung innerhalb des Subgenres wagten sich die Produzenten nicht heran. Einen würdigen Abschied wollte man dem Fünfzigjährigen allerdings gern bereiten und hat daher erstens eine ganze Reihe von namhaften Weggefährten Godzillas eingeladen und zweitens Ryûhei Kitamura auf den Regiestuhl gesetzt. Was nun ausgerechnet der dort zu suchen hatte, ist bis heute eine berechtigte Frage geblieben, und wenn man sich mit ihr auseinandersetzt, kommt man um den Begriff Fehlentscheidung nicht wirklich herum. Die meisten hätten hier sicher gern wieder Shûsuke Kaneko gesehen (obgleich sein Godzilla, Mothra and King Ghidorah: Giant Monsters All-Out Attack nicht wirklich überzeugen konnte), aber der hatte gewissermaßen mit Kitamura getauscht und derweil dessen großen Erfolg Azumi mit Azumi 2: Death or Love fortgesetzt. Ich für meinen Teil denke, dass die beiden auf ihrem ursprünglichen Fachgebiet besser aufgehoben gewesen wären. Aber das biegt heute niemand mehr hin, und so wollen wir Ryûhei Kitamuras Kaijū-Eiga-Abstecher Godzilla: Final Wars nehmen, wie er ist.

Neulich, am Südpol: Hier liefern sich die Menschen ein heftiges Gefecht mit ... Godzilla (was hat der am Südpol verloren?). Genauer gesagt brechen sie mit einem albernen Universalgefährt, das sowohl als Landfahrzeug als auch als Luftschiff und U-Boot dienen kann und eine riesige Bohrspitze besitzt (man fühlt sich unmittelbar an Uralt-Sci-Fi-Abenteuer wie Kevin Connors Der 6. Kontinent erinnert), aus dem ewigen Eis heraus und beschießen die Riesenechse mit den bewährten (oder eher nicht bewährten) Maserstrahlen. Der feuert natürlich nuklearatemstrahlmäßig zurück, hat aber das Pech, dass ihm ein Erdbeben in die Quere kommt – unter ihm tut sich eine riesige Spalte auf und er rutscht hinein. Die Menschen beschießen daraufhin geistesgegenwärtig einen riesigen Eisberg, dessen Trümmer die Spalte verschließen und Godzilla einsperren. Die poppigen und hirnzersetzend schnell geschnittenen Opening Credits erscheinen.

Wir springen in die Gegenwart, denn die Südpol-Sequenz war Schnee von gestern (sie mag fünfzehn, zwanzig Jahre zurückliegen – Jahreszahlen werden in der vorliegenden deutschen Fassung nicht eingeblendet). Ein Off-Sprecher teilt uns allerlei Wissenswertes mit: „Brutale Kriege und die fortschreitende Umweltzerstörung haben das Gesicht der Erde für immer verändert. Aus Gift und Müll sind Riesenmonster wieder zum Leben erwacht, wie sie die Erde seit Urzeiten nicht mehr gesehen hat.“ Zur Verteidigung des Planeten sei daher die „Earth Defense Force“ gegründet worden (es empfiehlt sich, das abzukürzen, daher von nun an „EDF“). Ferner erfahren wir, dass sich auch die Menschen verändert haben – es gibt Mutanten, und solche mit dem Willen zur Mitarbeit und außergewöhnlichen körperlichen Fähigkeiten bilden innerhalb der EDF die sogenannte „M-Organisation“, eine Elite-Einheit, wenn man so will, auch wenn sie bei einem peinlich choreografierten Training eher nach einer Ballettgruppe aussieht.

Aber schon sind wir beim nächsten, nunmehr noch moderneren Universal-Flug-U-Boot mit Bohrspitze, das auf den Namen „Gotengo“ hört, irgendwo herumtaucht und ganz großen Ärger mit einer riesigen Seeschlange hat. Natürlich ist das die gute alte Manda aus der Tōhō’schen Monsterclique und somit der erste Geburtstagsgast in Godzilla: Final Wars. Manda wickelt sich eng um die Gotengo, sodass deren Kommandant Oberleutnant Gordon, ein vorsichtig ausgedrückt sehr rustikal aussehender Mann westlicher Herkunft, keinen anderen Rat mehr weiß, als direkt über einem gerade ausbrechenden Unterwasservulkan herumzutauchen, um das Reptil durch Hitze loszuwerden – auch wenn dabei die Temperatur an Bord auf 90 Grad Celsius (!) ansteigt. Es klappt – Manda fängt an zu glühen und lässt erst einmal kurz von der Gotengo ab, um bei ihrem nächsten Angriff vermittelst Maserstrahlen abgekühlt, versteinert und zerstückelt zu werden. Zum Dank für sein beherztes Handeln wird Gordon von der EDF-Kommandeurin Namikawa wegen mangelnder Achtung vor der Gotengo vom Dienst suspendiert und mit der Aussicht auf eine Kriegsgerichtsverhandlung in Haft genommen.

Nunmehr werden wir Zeuge eines Matrix-mäßig in Szene gesetzten und völlig sinnlosen Trainingskampfes zwischen zwei Mitgliedern der „M-Organisation“ – dem netten Shin'ichi Ôzaki, der in der Folge unser menschlicher Protagonist sein wird, und dem großmäuligen Unsympathen Katsunori Kazama. Als sie endlich fertig sind, erhält Ôzaki einen Sonderauftrag: Er soll für die Sicherheit einer Wissenschaftlerin sorgen, die von den Vereinten Nationen geschickt wurde, um sich etwas Wichtiges anzuschauen. Es ist die unerwartet schmucke, aber auch arrogante junge Biologin Miyuki Otonashi, und was sie sich in den geheimen Lageräumen der EDF ansehen soll, ist ein versteinertes Monster, das den Kaijū-Kenner stark an Gigan erinnert. Miyuki, nennen wir sie beim Vornamen, stellt assistiert vom erfahrenen Paläontologen Jingûji fest, dass es 12.000 Jahre alt und eine Art Cyborg ist, was zweifelsfrei auf eine außerirdische Herkunft schließen lässt. Ferner führt sie allerlei Unfug zu den Bausteinen des Lebens aus und doziert, dass es neben den vier normalen auch noch einen fünften, die sogenannte „M-Base“, geben würde („ein Element, das ursprünglich aus dem Monsterkrebs Ebirah stammt“, wird Miyuki später noch erklären – wichtig ist das aber nicht). Diese M-Base ließe sich sowohl in den Körpern der Monster als auch in denen der Mutanten nachweisen, weshalb also ein Zusammenhang bestehen müsse.

Just in diesem Moment lassen sich zwei weiblich Piepsstimmen vernehmen ... und ja, es sind die Shobijin aka Twin Fairies aka Cosmos aus dem Umfeld der mythischen Riesenmotte Mothra, die natürlich bei Godzillas Abschiedssause nicht fehlen dürfen. Hier zaubern oder beamen die Zwanzig-Zentimeter-Feen Miyuki, Ôzaki und Jingûji kurzzeitig hinüber zum Infant Island, um zu erklären, dass es sich beim untersuchten Monster (tatsächlich) um Gigan handelt, der sich seinerzeit heftig mit Mothra angelegt habe und sehr böse sei. In Ôzaki würde nun aber das gleiche Blut fließen wie in Gigan, weshalb er entscheiden müsse, welchen Weg er in Zukunft gehen wolle – sollte er die Seite der Menschen wählen, wäre ihm und ebendiesen Menschen Mothras Hilfe gewiss (ein vergleichbares Hilfsangebot gab es gerade erst im Vorgängerfilm Godzilla – Tokyo SOS, und dort war es am Ende Mothra selbst, der geholfen werden musste ...). Für den Fall eines Falles drücken die Zwillingsfeen Ôzaki noch ein magisches kreuzförmiges Amulett in die Hand und entlassen ihre drei Gäste wieder in die Räume des EDF-Hauptquartiers.

Und dann kracht’s, denn es stellen sich weitere Jubiläums-Ehrengäste ein: Rodan kreuzt in New York auf, rauscht durch die Häuserschluchten Manhattans und verursacht dort verheerende Schäden (einschließlich einer Flugzeugexplosion, bei der UN-Generalsekretär Daigo ums Leben kommt), Angilas randaliert in Shanghai, in Paris taucht Riesengottesanbeterin Kamakiras auf und macht sich’s erst einmal auf dem neuen Triumphbogen von La Defense gemütlich (man darf auch Kamacuras oder Gimantis sagen), und in Sydney stellt sich ein „Zilla“ genanntes Monstrum ein, das dem Genrefreund aus Roland Emmerichs erbärmlichem US-Godzilla bekannt sein sollte (wer zum Kuckuck hat das eingeladen?). Noch schlimmer: Als Nächsten dürfen wir auch noch Godzillas Adoptivsohn Minilla (aka Minya) begrüßen, der von einem kindisch für die Jagd getarnten Großvater und dessen etwa zehnjährigem Enkel Kenta (arrgh!) begleitet wird. Immerhin kann uns der ihm folgende Ehrengast ausreichend versöhnen, denn die Ölraffinerie des Tages, hier vertreten durch irgendeine riesige alte Chemiefabrik, wird vom Riesenhummer Ebirah übernommen und kurz und klein gedroschen. Leicht haben es die Menschen nicht mit diesen Besuchern – so beißt sich eine EDF-Truppe mit ihrem Bohr-Flug-U-Boot am wild durch Shanghai kullernden Angilas die Zähne aus, und um Ebirah zu stoppen, muss eine ganz Mutanteneinheit der „M-Organisation“ anrücken – unter all diesen Wichtigtuern auch Oberunsympath Kazama. Nach einer wirklich epischen Schlacht, in der zehnmal mehr Sachen explodieren als eigentlich da sind, kann Ebirah fast bezwungen werden, aber dann löst sich der Hummer gewissermaßen unter der Waffe Kazamas in Luft auf beziehungsweise wird hinfortgebeamt. Das geschieht auch mit all den anderen herumtobenden Monstern – irgendwer muss da sehr nett und hilfsbereit sein.

Schnell zeigt sich auch, wer das ist: Ein kugelförmiges UFO kommt seiner Wege geflogen und nimmt genau über der EDF-Zentrale Platz. Menschen und Aliens treffen sich daraufhin auf dem Dach des Gebäudes – doch was heißt hier Aliens? Dem Ufo entsteigt nämlich der offenbar doch nicht mit seinem Flugzeug explodierte UN-Generalsekretär Daigo und teilt mit, dass die Außerirdischen ihn gerettet hätten und mit höchst friedlichen Absichten gekommen seien. EDF-Chefin Namikawa lässt sich daraufhin mit ihm und dem M-Organisations-General Kunikida an Bord des UFOs beamen und lernt die extraterrestrischen Besucher nun persönlich kennen. Sie sehen zu hundert Prozent humanoid aus, kommen von einem hilfsweise „Planet X“ genannten Himmelskörper (der richtige Name sei unaussprechbar) und werden von einem freundlichen Glatzkopf im mittleren Alter angeführt, der Bedeutsames mitzuteilen hat: Unserer Welt droht der Untergang – nicht etwa durch die Riesenmonster, die man gewissermaßen als Antrittsgeschenk mal eben en passant abgeräumt habe, sondern weil in 11736 Stunden, 17 Minuten und 32 Sekunden ein wild gewordener Planet namens „Gorath“ mit der Erde kollidieren und diese vernichten würde. (Auch Gorath ist ein „Gast“ aus alten Tōhō-Zeiten, bekannt aus Ishirô Hondas UFOs zerstören die Erde von 1962.) Zum Glück haben die Außerirdischen einen großartigen Lösungsansatz für dieses Problem – die Menschen müssten nur „all ihre militärischen Kräfte an einem bestimmten Ort zusammenziehen“, um Gorath dann mit geballter Kraft abschießen zu können (OmG!).

Auch wenn dieser Vorschlag zum Himmel stinkt, haben die irdischen Entscheidungsträger nichts Dämlicheres zu tun, als sich sofort an seine Umsetzung zu stürzen. Daigo wirbt vor der UN-Vollversammlung für die Aliens und das UN-Logo wird zum „United-Space“-Logo überarbeitet, bevor man bis drei zählen kann. Mit dem Bis-drei-zählen-Können ist das allerdings gerade so eine Sache bei den Menschen ... Glücklicherweise gibt es noch eine Erdenbewohnerin, die dazu willens und fähig ist, nämlich die renommierte TV-Journalistin Anna Otonashi, ihres Zeichens Schwester unserer Biologin Miyuki Otonashi. Anna ist der UN-Chef Daigo nicht geheuer, weil man ihn nie zwinkern sieht, und so sucht sie ihn auf, um ein TV-Interview mit ihm zu arrangieren. Dabei stellt sie ihm eine Fangfrage, auf die er wie gemutmaßt keine beziehungsweise keine richtige Antwort parat hat. Ergo: Dieser Mann ist nicht Daigo. Noch schlimmer: Er ist ein Außerirdischer, wie man einer zufällig verfügbaren Blutprobe entnehmen kann (Daigo wird bei einem missglückten Attentat leicht verletzt). Und noch schlimmer: Auch EDF-Chefin Namikawa zwinkert nicht mehr, genauso wenig wie General Kunikida ...

Die Dinge stehen schlecht, aber Ôzaki kennt da noch jemanden, der die Erde retten beziehungsweise bei ihrer Rettung unentbehrliche Dienste leisten kann: Oberleutnant Gordon! Der wird umgehend aus seiner Zelle geholt, über alles Notwendige unterrichtet und wieder mit seinen wichtigsten Utensilien ausgerüstet – einem Schwert und einem alten langen Filz-Uniformmantel plus Mütze, mit denen er wie ein sowjetischer Offizier aus den Neunzehnhundertdreißigern aussieht (dank seines Schnurrbarts erinnert er sogar an Stalin persönlich).

Indessen spitzt sich die Lage zu, denn bei den Außerirdischen, die gemeinhin als „Xiliens“ bezeichnet werden (eine Montage aus dem „X“ ihres Herkunftsplaneten und dem Wort „Aliens“, mancherorts heißt es allerdings auch „Xilians“), bei den Xiliens also ist man sich nicht einig über das weitere Vorgehen. Der freundliche Glatzkopf bekommt Ärger mit seinem Stellvertreter, einem durchgeknallt wirkenden jungen Mann, der als „Controller of Planet X“ creditiert ist und nur mit „General“ angesprochen wird (dafür scheint er noch nicht das richtige Alter zu haben, aber das Sein ist hier ohnehin nur Schein – akzeptieren wir insofern seinen Dienstgrad). Dieser Xilien-General möchte die Angelegenheit mit der Erdübernahme (nichts anderes haben die Aliens im Sinn, logisch) auf die schnelle und ganz grobe Art hinter sich bringen, während sein Chef weiterhin die etwas subtilere Schiene zu fahren gedenkt und sich eine Einmischung in seine Pläne brüsk verbittet. Damit hat er sich seinen General natürlich endgültig zum Feind gemacht – und der sieht nicht so aus, als ob er noch lange den Plänen anderer folgt ...

Kurz darauf kann Anna den falschen UN-Generalsekretär Daigo im TV-Interview sehr zum Verdruss der beiden anwesenden Alien-Kommandeure endgültig bloßstellen, aber das ist nur noch Formsache, denn die Fronten sind längst geklärt: Gordon, Ôzaki, Miyuki und ihre Getreuen befinden sich bereits im Anmarsch, und sie bevorzugen mittlerweile auch den groben Weg (Gordon scheint ohnehin keine anderen zu kennen ...): Die falsche EDF-Leiterin Namikawa und den falschen General Kunikida haben sie bereits getötet, und auch vor einem falschen UN-Generalsekretär macht ein Mann wie Gordon nicht halt – er erschießt ihn ganz humorlos vor den laufenden TV-Kameras. So etwas kann der Xilien-General freilich schon lange: Er erschießt ganz unvermittelt seinen freundlichen Glatzkopf-Chef (!), erklärt sich selbst zum Ober-Xilien und redet dann Klartext mit den Erdlingen. Die Menschen, so sagt er, seien nur „domestizierte Tiere“ und würden nunmehr unter der Kontrolle der Xiliens gewissermaßen als Schlachtvieh gehalten werden – zumindest diejenigen, die einer wohl ebenfalls ins Auge gefassten Ausrottungsaktion entgehen.

Dummerweise verfügt er auch noch über magische Kräfte, denn als eine Einheit der M-Organisation den Raum stürmt, kann er die Mutanten mit einer bloßen Handbewegung zu Xiliens beziehungsweise zu ihm hörigen Instrumenten der Xiliens umwandeln. Angesichts des dadurch entstandenen Kräfteverhältnisses bleibt den wie auch immer von der Umwandlung Verschonten vorerst nur die Flucht – Gordon, Ôzaki, Miyuki, Anna und ein getreuer Mutant machen sich mit einem Panzer-Lkw der EDF vom Acker. Nach wenigen Metern werden sie jedoch vom gerade umgeformten Kazama eingeholt, der den Lkw verunfallen lässt und sich danach einen epischen Motorradkampf mit Ôzaki liefert. Am Ende verliert er natürlich und wird dadurch wie auch immer wieder zum normalen Menschen, ähm ... Mutanten. Als Zuschauer hat man derweil schon fast völlig vergessen, was für einen Film man hier ursprünglich eigentlich sehen wollte.

Zum Glück wird man nun wieder daran erinnert, denn der Xilien-General will sein Eroberungs-, Vernichtungs- und Viehzuchtwerk beschleunigen, und so erweckt er den 12.000 Jahre alten versteinerten oder besser nur ein wenig verkrusteten Gigan wieder zum Leben, macht sämtliche von den Xiliens weggebeamten Monster für die Rückreise startklar und lässt Independence Day-gedächtnismäßig ein paar hundert kleine Kampfschiffe starten. Das ist ein wirklich massiver Angriff auf die menschliche Zivilisation, der allerdings auch Fragen zur Strategie des Invasoren-Oberhaupts aufwirft: Ist er nicht gerade dabei, das Futter für sich und seine Leute zu vernichten? Aber gut – Beherrschung und klares Denken waren seine Sache nie und dürften es wohl auch nicht mehr werden. Unsere Helden, also in vorderster Front Gordon (warum ist der eigentlich nur Oberleutnant?), Ôzaki, Miyuki und der geläuterte Kazama, erreichen indessen glücklich das unterirdische Notfalldock der Gotengo, an der zufällig soeben die notwendigen Reparaturarbeiten abgeschlossen wurden. Gordon weiß auch schon ganz genau, wohin die Reise geht, und so macht man sich zur „Operation Final War“ auf – zum Südpol ...

Dort sorgen er und seine Mitstreiter, nachdem sie unterwegs etwas Ärger mit dem auf die Gotengo angesetzten Gigan hatten, für die Befreiung eines weiteren Monsters. Es ist eine hundert Meter hohe Urzeitechse, die einem irgendwie bekannt vorkommt ... da war doch was ... Moment: Es ist Godzilla! Godzilla – meine Güte, wegen dem ist man doch hier! Der feiert doch mit Godzilla: Final Wars seinen fünfzigsten Geburtstag! Da ist es ja schön, dass er nach genau einer Stunde und sechseinhalb Minuten (abgesehen vom Mini-Auftritt im Vorspann) auch endlich einmal bei seiner eigenen Party vorbeischauen darf. Seine Erweckung ist im Übrigen die Idee Gordons, der darin den letzten Weg zur Rettung der Erde und der Menschheit sieht – des Oberleutnants vollständiger und ehrlich gesagt absurd schlichter und blauäugiger Plan sieht vor, Godzilla zu wecken, mit seiner Hilfe die Xiliens und die weltweit randalierenden Monster zu besiegen und ihn anschließend wieder zur weiteren Einlagerung zurück zum Südpol zu bringen. Na dann viel Spaß bei der Umsetzung.

Kaum geweckt, muss sich Godzilla auch gleich mit Gigan herumärgern, kann ihm aber ruck, zuck mit seinem Atemstrahl den Kopf wegheizen – das war echt kein Problem ... und hat so viel Laune gemacht, dass sich der Große Grüne sofort nach einem neuen Gegner umschaut. Außer der Gotengo ist jedoch nichts Vernünftiges zu sehen, und so wird eben sie angegriffen. Gordon und seine Leute können sich mit ihrem leicht angeschlagenen Bohr-Flug-U-Boot jedoch ausreichend schnell absetzen und Godzilla nun sogar in die erwünschte Richtung lotsen – als Ziel ist natürlich das noch immer am gegebenen Ort schwebende Alien-Mutterschiff.

Unterwegs gibt es für den Titelhelden allerdings noch eine Menge Arbeit: In Sydney (getrödelt wird also nicht ...) macht er mit dem Emmerich-Zilla kurzen Prozess und donnert ihn ins Opernhaus, in Neuguinea wird er von der Riesenspinne Spiega (aka Kumonga) angegriffen und spielt Hammerwerfen mit ihr, und kurz darauf schaut auch noch Kamakiras vorbei, um Sekunden später in einer Hochspannungsleitung zu braten. Würdige Gegner waren das demnach für den Großen Grünen nun wirklich nicht. Doch die Anforderungen steigen: Der nach dem kläglichen Versagen der bisherigen Godzilla-Gegner stinksaure Xilien-General schickt nunmehr Rodan, Angilas und King Shîsâ (gern auch König Seesar, King Caesar oder King Cäsar genannt) gemeinsam gegen den Titelhelden ins Feld. Das ist jetzt nicht mehr ganz so einfach für ihn, aber nach einer vergleichsweise immer noch recht kurzen Klopperei und einer Runde Fuß-, Kopf- und Schwanzball mit der Angilas-Kuller sind auch die nächsten Widersacher entschärft und verbleiben mit eingeschlagenen Köpfen in einer weiten Felslandschaft – sehr zur Freude des wieder einmal völlig sinnfrei eingeschobenen Minilla-Großvater-Kenta-Gespanns übrigens, das die Prügelei aus sicherer Entfernung beobachtet hat. Minilla ist sogar dermaßen begeistert, dass er sich gleich einmal um ein paar Stockwerke vergrößert ... (OmG – aber zumindest wer Godzilla: Attack All Monsters aka Godzilla’s Revenge gesehen hat, verkraftet auch das ohne Spätschäden.)

Die erneute Schlappe der xiliengesteuerten Monster ist derweil nicht der letzte Tiefschlag, den der Xilien-General hinnehmen muss. Als er wieder seine Mini-Kampfflieger losschickt, „schleicht“ sich Kazama in einem Anfall von Aufopferungswilligkeit mit einem Düsenjet zwischen ihnen hindurch ins Mutterschiff und zerstört dort in klassischer Kamikaze-Manier den Generator, der bis jetzt für einen Schutzschild um das UFO gesorgt hat. Der Weg ist frei, und so kann sich die Gotengo gemütlich und unter allerlei Explosionen ins Mutterschiff der Aliens bohren, wo unsere Helden und die Gotengo-Besatzung kurz darauf dem Xilien-General gegenüberstehen. Dumm ist jetzt nur, dass dieser Xilien-General ja irgendwie zaubern kann, und so zaubert er einen Trupp seiner Leute herbei, die auf seine Weisung hin „das Fußvolk“ töten – Gordon, Ôzaki, Miyuki und der EDF-Major Komura dürfen verbleiben (warum sollte sich der Invasorenanführer auch potenziellen weiteren Ärger vom Hals schaffen ...?).

Draußen bekommt derweil Godzilla wieder eine Kleinigkeit zu tun, aber es bleibt bei einer Randnotiz: Innerhalb von wenigen Sekunden hat er Ebirah und das Schlamm-Monster Hedorah, das hier tatsächlich auch noch für ein paar Frames vorbeischaut, in ein Hochhaus geschleudert. Wichtiger ist da schon, dass nun endlich auch auf Infant Island mobil gemacht wird – Mothra startet, um den Menschen zu helfen. Bis sie eintrifft, darf der Xilien-General seinen Gefangenen um Oberleutnant Gordon noch allerlei Unerfreuliches über den nunmehrigen Vieh- respektive Nahrungsstatus der Menschen eröffnen (da kann er nur hoffen, dass es überhaupt noch welche gibt, denn allein von Gordon, Ôzaki, dem Major und der mageren Miyuki wird sein Volk sicher nicht satt ...) – und stolz einen weiteren Gast ankündigen: Aus den Tiefen des Weltraums naht ein Asteroid, der’s ziemlich eilig damit hat, die Erde zu erreichen. Nachdem er von Godzilla kurz per Atemstrahl angeröstet wurde, landet er unsanft genau neben dem Großen Grünen und ist ... natürlich kein Asteroid, sondern das neue „Monster X“ (so wurde es schon im Vorfeld des Erscheinens von Godzilla: Final Wars beworben). „Neu“ ist allerdings zum Großteil gelogen – wer gut aufgepasst hat, weiß, dass bislang noch ein absolut unentbehrlicher Gast auf Godzillas Geburtstags- und Abschiedsparty fehlt ... und so dürfen wir King Ghidorah begrüßen, der hier als Asteroid getarnt aus dem All angerauscht kam und nun, vorerst noch in einen metallenen Kampfanzug gehüllt, auf Godzilla losgeht.

Diesmal wird es dann doch etwas härter für das Geburtstagskind, aber da ist ja noch Mothra, die nun auch eintrifft, um an dessen Seite zu kämpfen. Die Motte hat auch gleich alle Flügel voll zu tun – voller sogar, als ihr recht sein kann, den der Xilien-General zaubert seinen nächsten Trumpf aus dem Ärmel: Ein runderneuerter und massiv aufgerüsteter Gigan kreuzt auf und bringt sie in arge Bedrängnis. Während sich die Monster an die Gurgel gehen, wird es an Bord des UFOs zunehmend absurd. Der Xilien-General schwafelt allerlei Unfug über die M-Base daher und teilt den verdutzten Helden mit, dass Ôzaki ein Kaiser sei. Nach Beschuss mit irgendwelchen Strahlen scheint Ôzaki tatsächlich unter die Kontrolle der Xiliens geraten zu sein und soll nun, wie’s Kaiser so zu tun pflegen, „das Vieh schlachten“.

Auftritt des Shobijin-Amuletts, das schließlich auch noch zu irgendetwas gut sein muss: Miyuki rammt es dem frisch gekrönten Kaiser in den Rücken – und schon ist er wieder ein Mensch. Oder besser ein Mutant. Oder ein Mensch-Mutant. Oder ein Mensch-Mutanten-Kaiser oder was auch immer. Auf jeden Fall ist er nun wieder auf Seiten der Erdbewohner unterwegs und kann sich dabei mehr als nützlich machen, denn es folgt eine ganze Reihe von unübersichtlichen kleineren und größeren Kämpfen zwischen Menschen und Xiliens, bei denen seine immer noch sehr wundersamen Wunderkräfte (einmal Kaiser, immer Kaiser ... die Shobijin hatten eingangs schon Recht) bitter nötig sind – die Xiliens verfügen schließlich zumindest in Gestalt ihres Generals auch über Wunderkräfte.

Und so kämpfen sie allesamt mit allen Mitteln, und sie kämpfen und kämpfen ... während draußen die Monster ... auch kämpfen. Machen wir’s kurz: Am Ende löst der Xilien-General angesichts einer unabwendbaren Niederlage den Selbstzerstörungsmechanismus seines UFO-Mutterschiffs aus, um auch seine Gegner mit in den Tod zu reißen, aber diesen, und zwar nicht nur den verbliebenen vier Helden, sondern auch noch dem echten UN-Generalsekretär Daigo, der echten EDF-Chefin Namikawa und dem echten General Kunikida, die von den Xiliens gefangen gehalten wurden, gelingt die Flucht. Ergo: Der Xilien-General und der Rest seiner Gefolgschaft müssen allein explodieren.

Auch draußen gehen die Kämpfe in die letzte Runde – zunächst bringt Gigan das Kunststück fertig, sich mit seinen eigenen Bumerang-Wurfscheiben zu enthaupten, und dann stürzt sich die inzwischen schon in Flammen aufgegangene Mothra auf seinen Körper, um gemeinsam mit ihm zu explodieren (natürlich wird hier wieder ganz fleißig explodiert). King Ghidorah, der nun mancherorts sogar mit Kaiser Ghidorah angeredet wird, legt derweil seine Metallhülle ab und liefert sich in milde modifizierter Originalform ein wuchtiges Gefecht mit Godzilla – je später die Gäste, umso mehr nerven sie also. Der Dreikopf bringt unseren Jubilar sogar an den Rand einer Niederlage, aber Ôzaki kann Letzterem ein schönes Geschenk machen (endlich gibt‘s mal eins ...), indem er ihn quasi mit ausreichend frischer Energie aus seiner eigenen mutantenkaiserlichen Quelle auflädt. Nun läuft’s rund: Godzilla kann Ghidorah ziemlich schnell und ziemlich grob niedermachen, seine Überreste in den Orbit schleudern und dort per Langstrecken-Atemstahl zur Explosion bringen. Zu was auch sonst.

So – das war nun das letzte Monster beziehungsweise der letzte Geburtstagsgast, der erledigt werden musste. Godzilla ist kurz ratlos. An Tokio, so muss er feststellen, gibt es leider nichts mehr zu zerstören, denn das ist schon lange nur noch ein unüberschaubares Areal voller schwarzer und qualmender Ruinen, durchsetzt mit ein paar riesigen Explosionskratern. Die Gotengo könnte man allerdings noch zerlegen (zumal mit ihr noch eine Rechnung vom Südpol offen ist ...), und so nähert sich der Große Grüne dem Bohr-Flug-U-Boot und unseren verbliebenen Helden, die tapfer dem sicheren Tod ins Auge blicken ... Aber dann: Auftritt Minilla, der völlig überraschend doch noch für irgendetwas Sinnvolles zu gebrauchen ist! Etwas sehr Sinnvolles sogar – er stellt sich nämlich schützend vor die Menschen und bittet seinen Pflegevater somit um Nachsicht. Godzilla knurrt zwar ein wenig, aber dann zieht er tatsächlich mit Minilla ab. Die beiden verschwinden vor der untergehenden Sonne im gelb schimmernden Meer. Ein klassischer Anblick. „Das Schlimmste ist vorüber“, meint Miyuki erleichtert. Von wegen, Miyuki ... denn Ôzaki ist sich sicher: „Nein. Das ist nur der Anfang eines neuen Krieges.“

Der Abspann beginnt.

Was für ein Ende. Einerseits ist es nett, dass das Skript von Isao Kiriyama und Ryûhei Kitamura (nach einer Story von Wataru Mimura und Shogo Tomiyama) den Titelhelden, den die Kaijū-Eiga-Freunde über fünfzig Jahre hinweg ins Herz geschlossen haben, friedlich seiner Wege ziehen und nicht etwa auch noch explodieren lässt (lustig wäre allerdings ein explodierender Minilla ...), und andererseits wird Düsterstimmung verbreitet und schon der nächste Krieg angekündigt. Man fragt sich nur, wer den eigentlich noch führen soll, denn wenn man dem finalen Gefasel des Xilien-Generals Glauben schenken will, ist die menschliche Zivilisation „zerstört“ – bis auf ein paar Leute, die in Zukunft als Mitochondrienlieferanten dienen und sich fleißig vermehren sollen (mein Gott, hätte man ein paar mehr Leute verschont, wäre die Mitochondrienversorgungslage ganz sicher eine bessere, sprich nicht von umständlichen Vermehrungsvorgängen abhängig gewesen).

Aber das ganze Handlungskonstrukt rund um die mysteriöse M-Base als Baustein von Monstern und Mutanten ist ohnehin hirnrissiger und inkonsistenter Unfug – wie auch das bisweilen ausnehmend wirre Treiben der Invasoren. An alledem ist nichts zu retten, weshalb man um Himmels willen nicht versuchen sollte, hier jedem Plotpunkt auf den Grund zu gehen (ehrlich gesagt sollte man nicht einmal versuchen, auch nur irgendeinem Plotpunkt auf den Grund zu gehen ...). Finger weg – zusehen, staunen und abwinken. Wir sind im Kaijū Eiga. Allerdings ist Kitamuras Geschichte nicht nur bekloppt, sondern auch ziemlich selten auf Neuland anzutreffen, denn sie speist sich vornehmlich aus zwei guten alten Quellen, sprich Filmen der Shōwa-Ära.

So bekam die Erde bereits 1965 in Ishirô Hondas Befehl aus dem Dunkel Besuch von böswilligen Aliens, deren Heimat ein gewisser „Planet X“ war. Die wollten uns zwar nicht gleich zu Vieh degradieren, sondern einfach nur als Kolonie unterwerfen und waren überdies mit etwas Krach aus einer kleinen Dose zu besiegen (Himmel, was für ein Unsinn!), haben aber gleichfalls die Monster für ihre Zwecke „umprogrammiert“ und dürfen thematisch als Vorgänger der hiesigen Xiliens gelten. Darüber hinaus lässt sich natürlich auch die Verwandtschaft zwischen Godzilla: Final Wars und Ishirô Hondas 1968 erschienenem Klassiker Frankenstein und die Monster aus dem All über Meilen hinweg erkennen, denn in Letzterem gibt es gleichfalls von Aliens gesteuerte Monster, und vor allem eine große Menge von ihnen: Bis zur vorliegenden Abschiedssause hat man nie wieder so viele in einem Film gesehen. Godzilla: Final Wars toppt indes die alte Honda-Arbeit sogar noch – wir begegnen Manda, Rodan, Angilas, Kamakiras, Ebirah, Spiega, King Shîsâ, Hedorah, King Ghidorah, Gigan, Mothra, dem lausigen Emmerich-„Zilla“ und Minilla. Okay, Minilla ziehen wir gleich wieder ab. Der geht nicht als Monster durch, auch wenn er sich irgendwann auf dreißig Meter Höhe aufbläst. Nicht einmal auf die Shobijin aka Twin Fairies muss man verzichten – das sind natürlich auch keine Monster, aber sie bilden einen wichtigen Teil der Kaijū-Eiga-Historie (ihre Liedchen verkneifen sie sich übrigens hier – zum Wohlgefallen der meisten Zuschauer, denke ich).

Bei alledem muss freilich über ein Problem geredet werden, unter dem schon Frankenstein und die Monster aus dem All zu leiden hatte: Es gibt zwar viele Monster, aber ihre Screentime ist teilweise äußerst knapp bemessen. Hedorah zum Beispiel ist etwa zwei Sekunden lang zu sehen (das hätten man sich nun wirklich sparen können), und auch Spiega oder Kamakiras kommen kaum auf eine Minute. Damit gerät nun auch Ryûhei Kitamura ins Zentrum kritischer Betrachtungen, denn der konnte erwartungsgemäß keinen klassischen Kaijū Eiga drehen, sondern hat mit der gewohnten Stilverliebtheit eine Reihe von Martial-Arts-Kämpfen inszeniert und in das Geschehen eingebunden. Das sieht für sich genommen nicht schlecht aus (vor allem wenn die Kamera wieder um alle möglichen und unmöglichen Achsen rotiert), aber: Es passt hier nicht her. Schon mit dem frühen sinnfreien Kampf zwischen Ôzaki und Kazama bekommt Godzilla: Final Wars einen Bruch und beginnt eher nach Matrix als nach einem Godzilla-Film zu schmecken, und diesen Geschmack wird Kitamuras Arbeit nicht mehr los – selbst in der wüsten Schlussphase, die von Rechts wegen dem Jubilar und seinen entscheidenden Auseinandersetzungen im Schutt von Tokio gehört, finden immer wieder aufgestylte Kämpfe zwischen den Xiliens und unseren Helden um „Kaiser“ Ôzaki statt.

Nun ist es zwar grundsätzlich anerkennenswert, dass sich Kitamura auch um die menschlichen Mitwirkenden kümmert, aber genau genommen interessiert er sich dabei nur für die Actionszenen, die man mit diesem Personal basteln kann – die Geschichte selbst ist und bleibt Schnulli. Vor allem aber, und das ist fatal, scheint das Skript nicht so recht zu wissen, was es eigentlich mit Godzilla anfangen soll. Mehr als eine Stunde vergeht, bis er überhaupt in seinen Abschiedsfilm eintreten darf, und dann latscht er lediglich von A nach B und trifft dabei auf Gegner, die er in Sekundenschnelle abfertigt, bis er mit dem Dreikopf endlich einen würdigen Widersacher findet. Außer Latschen und Kloppen ist da aber nichts – Godzillas Handeln wird durch nichts anderes als die vor ihm herumeiernde Gotengo initiiert, der er stumpfsinnig hinterhertrottet. Natürlich sollte man ihn nicht allzu sehr vermenschlichen (das hat schon mehrfach für Ärger gesorgt!) oder gar zum Intellektuellen hochstilisieren, aber ein Hauch von Eigenleben beziehungsweise Charakter hätte ihm keineswegs geschadet – so wenig wie hier hatte er bislang nur ganz selten. Godzilla: Final Wars ist aber, man kann’s nicht oft genug betonen, in ganz besonderem Maße sein Jubiläums- und Abschiedsfilm, und der hätte gern einen etwas inspirierteren Titelhelden haben dürfen.

Der Unterhaltungswert des Streifens wird von solchen Aspekten freilich nicht beeinflusst – Godzilla: Final Wars ist eine temporeiche und ungemein kurzweilige Angelegenheit, die ihrem Personal wie auch ihrem Publikum kaum Ruhepausen gönnt (und natürlich nie und nimmer ernst zu nehmen ist, weshalb man auch gar nicht auf die Idee kommen will, sich Gedanken über zerstörte Städte und eine zum Teil schon ausgerottete Menschheit zu machen – das hier ist nur Quatsch). Wenn ich’s mir recht überlege, kann ich mich an keine längere oder auch nur halbwegs längere Dialogszene erinnern – irgendwie kracht’s hier fast immer. Die Actioneinsätze der menschlichen Akteure zeichnen sich dabei selbstredend durch Kitamura‘schen Stilwillen, sprich wilde Tempo- und Perspektivwechsel aus und werden recht deutlich vom Wirework geprägt, das aber weniger stört als ein wieder einmal viel zu schneller Schnitt.

Die Monsterkämpfe sind indes unterschiedlicher Natur – manche kommen ironiefrei und mit ungebremster Wucht daher (überragend ist die Sequenz, in der Ebirah die alte Chemiefabrik zerlegt, aber auch das zunehmend düstere und sogar brutale Finale hat’s in sich), und manche geben sich als reinste Comedy. Letzteres gilt vor allem für den Kampf des Großen Grünen gegen Angilas, King Shîsâ und Rodan, dessen Albernheiten (wie Sport mit der Angilas-Kuller ...) sehr deutlich als Reminiszenz an die mittleren Shōwa-Jahre des Großen Grünen gelesen werden können – wenn’s so gemeint ist, darf man es auf jeden Fall würdigen, weil Kaspereien und Ausflüge in tiefste Infantilität eben auch zur Geschichte Godzillas gehören. Aus dieser Ecke betrachtet gehören schließlich selbst Godzillas Adoptivsohn und ein Grundschüler hierher, auch wenn man während Minillas Szenen wirklich stark sein und ganz fest die Zähne zusammenbeißen muss, sofern man älter als ungefähr sechseinhalb ist. (Sinn für Humor zeigt Kitamura auch in der Hedorah-Szene: Godzilla donnert das Schlamm-Monster und Ebirah mit so viel Wucht vor ein Hochhaus, dass dieses ein paar hundert Meter weit durch die Stadt rutscht – so etwas muss man sehen, um’s glauben zu können.) Diesen bisweilen doch recht handfesten Albereien steht allerdings ein aufdringlich pathetischer Tonfall gegenüber, wenn die selbstgefälligen Leute der „M-Organisation“ eingreifen. Vor allem Kazama kann man in all seiner Überheblichkeit und finsteren Entschlossenheit kaum ertragen – letztlich ist das noch ein Grund mehr, die Monster schmerzlich zu vermissen, wenn Kitamura mal wieder Matrix spielt.

Visuell ist der selbstredend im Breitwandformat vorliegende Streifen eher eine Wundertüte – es gibt regelrechte Hochglanz-Sequenzen, aber auch matschige und leicht unscharfe Bilder. Noch ambivalenter zeigt sich Godzilla: Final Wars bei den überreichlich eingesetzten Rechnereffekten. Einige von ihnen befinden sich sehr wohl auf der Höhe der Zeit (Rodans Zerstörungsflug durch Manhattan ist beispielsweise überaus beeindruckend), während andere schwach und durchschaubar sind und manche sogar schlichtweg miserabel. Sehr viel besser sieht es hingegen aus, wenn die Effekte das Ergebnis guter alter Handarbeit sind – am besten lässt sich dies wieder einmal an Explosionen festmachen: Die zahlreichen echten in der genannten Ebirah-Sequenz sind wirklich ein Fest, während bei einigen CGI-Versionen schon ein Hauch von Asylum-Stümperei durch Kitamuras Arbeit weht.

Auch bei den Monstern zeigt sich die Überlegenheit von Old-School-Arbeit sehr deutlich. Manda kreuzt zum Beispiel aus dem Rechner auf und wirkt in ihrer „glühenden“ Form entsetzlich künstlich – ein früher Griff ins Klo, ganz ehrlich. Auch Spiega und die Spinnfaden-Netze, die sie verschießt, sind erbärmlich, weil sie durch und durch nach Plastik aussehen. Mehr nach Plastik könnten sie nicht einmal aussehen, wenn sie aus Plastik wären. Überraschenderweise handelt es sich in diesem Fall aber doch um ein Modell – umso erstaunlicher, dass sie so steril daherkommt. Da wirkt die Spiega, die den Großen Grünen zu Shōwa-Zeiten gelegentlich geärgert hat, gleich noch genialer, als sie ohnehin schon war (zumindest optisch, denn glaubwürdige Bewegungen sind schon der ehrwürdigen Shōwa-Spinne nur selten gelungen, während ihre moderne Plastikschwester von vornherein nur albern umherhüpft). Zilla stammt hingegen naturgemäß vollständig aus dem Computer, und bei ihm geht die Umsetzung halbwegs in Ordnung – er ist kaum schlechter animiert als in Emmerichs 130-Millionen-Dollar-Original-Schrott. Bei den anderen Monstern kommen CGI-Effekte dankenswerterweise nur unterstützend zum Einsatz, sodass die entscheidenden Sequenzen ganz traditionell von Männern (und einer Frau!) in Gummikostümen bestritten werden. Godzilla selbst beziehungsweise sein Darsteller hat noch einmal einen neuen, leicht modifizierten Anzug erhalten, der aber (abgesehen vom „Zombie“-Suit in Godzilla, Mothra and King Ghidorah: Giant Monsters All-Out Attack) dem Stil der Millennium-Reihe weitgehend treu bleibt – wer deren Filme kennt, begegnet also einem guten alten Bekannten, auch wenn der hier noch etwas misslauniger aussieht als früher. Deutlicher sind die Veränderungen bei Rodan und Angilas: Rodan tritt mit sehr wabbeligen und sogar leicht transparenten Flügeln an und wirkt damit etwas zu „empfindlich“, während Angilas offensichtlich endlich einmal einen Termin beim Gesichtschirurgen hatte, denn sein bislang absurd nach unten gebogener Unterkiefer wurde nunmehr begradigt, und das steht ihm ausgezeichnet und macht geradezu ein ganz neues Riesen-Igel-Gürteltier aus ihm. Derart frisch designt sorgt Angilas dann auch für viel Stimmung und ist bis zum Eingreifen Godzillas, also bis in die zweite Filmhälfte hinein, das auffälligste und aktivste Monster. Das passt auch, denn immerhin ist Angilas der älteste Kaijū-Bekannte des Großen Grünen – die beiden haben sich schon 1955 in Godzilla kehrt zurück kennengelernt. King Ghidorah tritt hier zunächst in einer Art Metallskelettverpackung als „Monster X“ in Erscheinung und wird erst spät, also nur noch für kurze Zeit zum vertrauten Dreikopf-Drachen, der hier eher silbrig-blau aussieht und auf den Namen „Keizer Ghidorah“ hören darf (eine große Ehre, die seine Explosion freilich auch nicht verhindert). Kamakiras sieht als CGI-Version zwar nicht wirklich gut aus, fliegt aber weniger peinlich als ihre Shōwa-„Vorfahren“ und mag als Modell halbwegs durchgehen, Ebirah (beziehungsweise was von ihm im Bild ist) sieht toll aus wie immer, Mothra ist traditionell eine schöne Plüschmotte beziehungsweise ein schöner Plüsch-Schmetterling, der ohnehin nicht wirklich organische Gigan macht auch mit CGI-Unterstützung einen guten Eindruck und Hedorah bekommt man leider nicht lange genug zu sehen, um irgendetwas Genaueres erkennen zu können. Ein echter Missgriff ist hingegen das Kostüm von King Shîsâ, das allzu deutlich den in ihm steckenden Darsteller verrät und zudem mit einer seltsamen Gestaltung des Brustbereichs verstört – in vielen Einstellungen sieht es aus, als würde das Monster einen BH tragen. Noch schlimmer kommt es mit Minilla, dessen Suit viel zu glatt geraten ist und nie anders aussieht als ein heller Gummianzug. So wirkt der ohnehin schon mit einem unverzeihlichen Design gestrafte Godzilla-Nachwuchs nun endgültig wie ein mutierter Teletubbie. Fraglich bleibt derweil mit Blick auf Godzillas Gästeliste, warum auf ihr kein Mechagodzilla steht und auch einige andere, durchaus relevante Wegbegleiter des Großen Grünen nicht eingeladen wurden. Einen Mecha habe ich persönlich nicht vermisst, aber den Titanosaurus oder den Gorosaurus hätte ich gern gesehen, und Kameraden wie Megalon oder Gabara wären ganz sicher eine Bereicherung des Comedy-Bereichs gewesen. Aber man kann nicht alles haben – schließlich sollte auch noch genügend Platz für die menschlichen Mitwirkenden bleiben.

Deren Darsteller finden hier freilich nur wenig Spielraum und dürfen sich, wenn überhaupt, am ehesten physisch oder durch gewagtes Overacting auszeichnen. Die Hauptrollen kann man dabei Masahiro Matsuoka als charakterfester Mutant und späterer „Kaiser“ Shin'ichi Ôzaki und Rei Kikukawa als UN-Biologin Miyuki Otonashi zuordnen. Masahiro Matsuoka ist recht sympathisch und hält sich auch in seinen Matrix-Gedächtnis-Wirework-Kloppereien wacker, während Rei Kikukawa rollenbedingt einen leicht unangenehmen Start hinlegt, später aber beim Tragen einer roten Lederjacke schön anzusehen ist. Viel mehr hat sie im Prinzip auch wirklich nicht zu leisten, und ehrlich gesagt kauft man ihr die Trägerin einer schicken roten Lederjacke auch sehr viel eher ab als eine für die UN arbeitende Wissenschaftlerin. Ein Fall für sich ist Kazuki Kitamura (ein Verwandter des Regisseurs?) als Xilien-General beziehungsweise „Controller of Planet X“, der ein fürchterliches Overacting betreibt und unentwegt mit einem übertrieben fiesen Grinsen unterwegs ist – mich persönlich hat das schon nach wenigen Minuten genervt. Sehr viel später, nämlich gegen Ende einer nochmaligen Sichtung des Films, konnte ich allerdings doch noch meinen Frieden mit ihm machen und fand ihn sogar recht lustig. Auch Don Frye ist ein Fall für sich – mit seinem alten Rotgardistenmantel und angesichts seiner amerikanischen Herkunft wirkt er als Gotengo-Kommandeur Gordon wie ein Fremdkörper, und Schauspiel wird ihm nicht eine Sekunde lang abverlangt. Dennoch ist Don Frye ein interessanter Mann: Er war vor seiner (selbstredend überschaubaren) „Filmkarriere“ MMA-Kämpfer, und noch dazu kein schlechter – ich habe mir einmal ein paar Kämpfe von ihm angeschaut und war ziemlich beeindruckt. Von derlei physischen Qualitäten spürt man hier allerdings kaum etwas. (Apropos Rotgardistenmantel: Die Mutanten tragen zum Teil schwarze Uniformen mit roten Armbinden oder lange graue Mäntel und sehen damit aus, als kämen sie geradewegs aus dem Dritten Reich angetrabt.) Der Unsympath Kazama wird grimmig und mit scheinbar nur mühsam unterdrückter Aggressivität von Kane Kosugi gegeben, Masatô Ibu wirkt als eingangs amtierender Alien-Chef recht angenehm und Maki Mizuno darf als TV-Journalistin Anna Otonashi ebenfalls ein paar schicke Lederklamotten tragen. Bis auf Masatô Ibu, der schon einen kleinen Auftritt in Godzilla vs. Megaguirus hatte, sind alle Genannten Kaijū-Eiga-Neulinge. 

Aber es gibt natürlich auch noch ein paar bekannte Gesichter, auf die man völlig zu Recht im großen Finale nicht verzichten wollte. Kenji Sahara zum Beispiel, der hier den Paläontologen Jingûji spielt, war bereits filmübergreifend als Minister Segawa in Godzilla – Duell der Megasaurier, Godzilla vs. Mechagodzilla II und Godzilla vs. Spacegodzilla, als Erfinder Fujita in Die Rückkehr des King Kong, als schurkischer Geschäftsmann Torahata in Godzilla und die Urweltraupen und in zwei, drei Szenen als Vater des minderjährigen „Helden“ Ichirô in Godzilla: Attack All Monsters zu sehen. Akira Takarada, der den UN-Generalsekretär Daigo verkörpert, war als Küstenwachenmitarbeiter Hideto Ogata sogar schon in Ishirô Hondas Ur-Godzilla mit von der Partie und trat später zumeist in vorderster Front als Reporter Sakai in Godzilla und die Urweltraupen, als Astronaut Fuji in Befehl aus dem Dunkel, als Einbrecher Yoshimura in Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer, als Planungsleiter Minamino in Godzilla – Kampf der Sauriermutanten und zudem als stellvertretender U-Boot-Kommandant Jiro Nomura in King-Kong – Frankensteins Sohn, dem wunderbaren Soloabenteuer des Tōhō-Affen aus dem Jahre 1967, auf. Eine kleine Rolle gibt’s auch wieder für Akira Nakao, der in den beiden Vorgängerfilmen Godzilla Against Mechagodzilla und Godzilla – Tokyo SOS jeweils als Premierminister Igarashi und in den Heisei-Streifen Godzilla vs. Mechagodzilla II, Godzilla vs. Spacegodzilla sowie Godzilla vs. Destoroyah ebenfalls filmübergreifend als G-Force-Commanders Takaki Aso zu sehen war. Hier spielt er in der Eröffnungssequenz den Kommandeur der ersten Gotengo. In dieser Sequenz hat als Besatzungsmitglied der Gotengo auch Dauernebendarsteller Kôichi Ueda seinen traditionellen Einsatz – den elften in ununterbrochener Folge seit seinem Start in Godzilla – der Urgigant. Nicht ganz so häufig, aber deutlich prägender waren ferner die Kaijū-Eiga-Auftritte von Kumi Mizuno, die uns hier als extrem humorlose EDF-Chefin Akiko Namikawa begegnet. Kumi Mizuno war schon 1965 als „Vorfahrin“ der Xiliens, sprich Alien-Spionin Namikawa in Befehl aus dem Dunkel und ein Jahr später als braun angepinselte „Eingeborene“ Daiyo in Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer zu sehen und wirkte auch in mehreren Non-Godzilla-Arbeiten Ishirô Hondas mit: 1962 in UFOs zerstören die Erde, 1965 in Frankenstein – Der Schrecken mit dem Affengesicht, ebenfalls 1965 in Matango und 1966 in Frankenstein – Zweikampf der Giganten. Hernach gönnte sie sich eine 35-jährige Kaijū-Eiga-Pause, um schließlich in Godzilla Against Mechagodzilla als Ministerpräsidentin Tsuge zum Genre zurückzukehren. Masami Nagasawa und Chihiro Ohtsuka kennt man ebenfalls, sofern man den Vorgängerfilm Godzilla – Tokyo SOS gesehen hat: Hier wie dort verkörpern sie die Shobijin aka Twin Fairies aka Cosmos (oder Priesterinnen), im vorliegenden Fall allerdings mit Kurzhaarfrisur. Na ja. (Im japanischen Original hören sie sich übrigens sehr viel piepsiger und damit lustiger an als in der deutschen Synchronisation. Ohnehin sollte man sich, wenn möglich, ruhig einmal diese Originalfassung ansehen – so merkt man beispielsweise erst in ihr, dass Gotengo-Kommandeur Gordon tatsächlich Englisch spricht.) In einer kleinen Nebenrolle als Xilien-Kämpfer ist ferner Tak Sakaguchi (vornehmlich bekannt aus Kitamura-Filmen wie Azumi, Versus, Aragami oder Alive und durchgeknallten Japan-Fun-Splatter-Perlen wie Tokyo Gore Police, The Machine Girl 2 und Mutant Girls Squad, hierbei sogar Regie) zu sehen, der auch für die Action-Choreografie verantwortlich war, und wer gut aufpasst (und ihn kennt), bekommt auch Ryûhei Kitamura selbst in der Minirolle eines TV-Journalisten kurz zu Gesicht. Kinderdarsteller Kenta Suga ist schließlich ganz schwach und scheint nie so recht zu wissen, was er tun soll. Das Skript weiß es in der Regel allerdings auch nicht. 

Halb so wild – wesentlich wichtiger sind die Dame und die Herren in den Monsterkostümen. Lady is first: Die kleineren und leichteren Anzüge von Minilla und Rodan trägt Naoko Kamio – nach Rie Ôta, die in Godzilla, Mothra and King Ghidorah: Giant Monsters All-Out Attack das gehörnte Riesenschweinegürteltier Baragon gemimt hat, ist sie erst die zweite Frau, die ein Tōhō-Monster (beziehungsweise sogar zwei) darstellt. Kein Wunder, denn der Job ist körperlich wirklich hart. Geburtstagskind Godzilla wird wie bei fast allen Filmen der Millennium-Reihe von Tsutomu Kitagawa verkörpert (lediglich in Godzilla, Mothra and King Ghidorah: Giant Monsters All-Out Attack war er nicht dabei), Motokuni Nakagawa, der in Godzilla – Tokyo SOS als Mechagodzilla sein Kaijū-Eiga-Debüt feiern durfte, hat als King Shîsâ und Monster X ebenfalls eine Doppelrolle, und Neuling Toshihiro Ogura ist sogar dreifach im Einsatz, nämlich als Angilas, Ebirah und Hedorah. So kann man es zumindest der IMDb entnehmen – laut Wikizilla verkörpert Toshihiro Ogura auch noch Keizer Ghidorah, dafür aber nicht Hedorah, der (die? das?) dieser Quelle zufolge wie auch Gigan von Kazuhiro Yoshida zum Leben erweckt wird. Da der Zwei-Sekunden-Auftritt Hedorahs jedoch ohnehin vernachlässigt werden kann, sollte man sich von Darstellerfragen in dieser Sache keine schlaflosen Nächte bereiten lassen. Unabhängig davon, in welchem Suit er nun steckt oder nicht steckt, ist auch Kazuhiro Yoshida ein Kaijū-Eiga-Debütant. Ach, und apropos zwei Sekunden: So lange ist Shelley Sweeney nach Mikro-Auftritten in Godzilla vs. Mechagodzilla II, Godzilla vs. Destoroyah, Godzilla 2000: Millennium und Godzilla – Tokyo SOS auch hier noch einmal zu sehen – als Kommandantin des französischen Luftschiffs „Eclair“ (auch „Eclaire“), ebenfalls mit schäbigem Filz-Soldatenmantel. Für den Score trägt schließlich kein Geringerer als Keith Emerson (!) die Verantwortung. Unterstützt von Nobuhiko Morino und Daisuke Yano hat er ein ordentliches und eingängiges Leitmotiv gefunden und liefert auch darüber hinaus halbwegs brauchbare Musik – das ist nichts Großes, aber man kann gut damit leben. Ergänzt werden seine Kompositionen von einigen Rocknummern der härteren Art, was mehrheitlich etwas aufgesetzt wirkt und noch einmal Kitamuras Bemühen unterstreicht, hier eine besonders muntere und moderne Arbeit vorzulegen.

Letztlich ist ihm das sogar gelungen – Godzilla: Final Wars ist ein inhaltlich brettflacher, hanebüchener und allzu offen einer Reihe vertrauter Genremuster folgender, aber ungemein temporeicher, bisweilen fast überdrehter, von einer eher lockeren Grundstimmung getragener, stilbewusst ins Bild gesetzter und bei Bedarf auch beeindruckend wuchtiger Sci-Fi-Monsteraction-Reißer, dessen oberstes Anliegen darin besteht, ohne Umwege von einem Aufreger zum nächsten zu stürmen. Dumm ist nur, dass mindestens die Hälfte dieser Aufreger nicht von den Monstern, sondern vom menschlichen Personal getragen wird. So nimmt es nicht wunder, dass mir seit der Erstsichtung des vorliegenden Films (etwa siebzehn Jahre ist’s her) fast ausschließlich Bilder von jungen Männern und Frauen, die sich in feinster Matrix-Manier um die Vorherrschaft auf der Erde prügeln, im Kopf geblieben waren (lediglich der herumkullernde Angilas konnte da gelegentlich, ähm ... dazwischenkullern). Nun aber, nach einer innigen Wiederbegegnung, werde ich von Godzilla: Final Wars ... vermutlich weiterhin vornehmlich junge Männer und Frauen, die sich in feinster Matrix-Manier um die Vorherrschaft auf der Erde prügeln, in Erinnerung behalten, flankiert am ehesten von Angilas oder der nachhaltig missratenen Plastik-Spiega. So war das aber nun wirklich nicht gedacht: Godzilla: Final Wars ist schließlich nicht weniger als eine Festveranstaltung zum 50. Geburtstag des Titelhelden und zudem seine Abschiedsfeier – da sollte es doch zwingend ebenjener Titelheld sein, an den man sich später einmal erinnert. Den dafür erforderlichen nachhaltigen Eindruck kann sich der Große Grüne jedoch leider nicht erarbeiten – nachdem ihn das Skript über eine Stunde lang komplett ignoriert hat, darf er danach zwar eine ganze Fülle an Action-Stationen ablaufen, aber wie schon angesprochen entwickelt er dabei nie eine Persönlichkeit und leistet auch in seinen Kämpfen nur wenig Memorables. Angesichts dessen muss konstatiert werden, dass Kitamuras Arbeit ihrer obersten und heiligen Pflicht, Japans Kultmonster ein würdiges Jubiläum und einen würdigen Abschied zu bereiten, nicht ausreichend gerecht wird. Godzilla: Final Wars ist Kitamura, aber nicht Godzilla. Die gute Nachricht ist allerdings, dass es weit Schlimmeres gibt als Kitamura – und in der Tat ist sein Ausflug ins Riesenmonstergenre, das soll noch einmal unterstrichen werden, eine hoch unterhaltsame Angelegenheit: Zwei Stunden lang kann man sich hier bei bester Laune halten lassen. Zum Meckern bleibt danach noch genügend Zeit.

Das war dann also auch die Millennium-Ära des Großen Grünen, die uns von 1999 bis 2004 sechs Filme beschert hat. Für mich persönlich ist sie (ohne dass die Unterschiede dramatisch sind) die schwächste seiner drei „klassischen Epochen“, weil sie ernüchternd wenig neue Ideen mitbringt, Teile des guten alten Shōwa- und Heisei-Charmes einer noch unreifen CGI-Tricktechnik opfert und von einem bisweilen unerträglichen Pathos überschattet wird. Ich denke nun, nachdem ich alle 28 elementaren Godzilla-Filme erneut angesehen habe, dass mir unter dem Strich die Arbeiten der Shōwa-Ära die liebsten sind, obwohl sie zum Teil abgrundtief bekloppt und infantil daherkommen. Aber das passt – ich bin schließlich Trash-Liebhaber.

Wie zu erwarten war, hat sich der Titelheld mit Godzilla: Final Wars natürlich nicht für immer verabschiedet: Im Jahr 2016, also nach einer (immerhin) zwölfjährigen Pause, kam mit dem von Hideaki Anno (!!) und Shinji Higuchi in Szene gesetzten Shin Godzilla ein neues, ganz für sich stehendes Abenteuer des Großen Grünen (der dort jedoch wirklich nicht grün ist) in die Kinos, und 2023 erschien Godzilla Minus One, ein weiteres Unikat, das sich sogar in die Zeit vor dem Ur-Godzilla zurückwagt – was bislang undenkbar war. Auch im Hause Tōhō ist also nichts unmöglich. Hier sind wir allerdings noch bei Godzilla: Final Wars, und deshalb soll zum Abschied der Blick auf den gelb schimmernden Pazifik gerichtet sein. Vielleicht ist das Schlimmste ja doch vorüber.

(10/24)

Wieder einmal 8 von 10 Punkten aus persönlicher Sicht, ansonsten zum Geburtstag 6 von 10.




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