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Die Gottesanbeterin ist ein Insekt, zu deren Verhaltensweisen auch, ähnlich wie bei bestimmten Spinnenarten, das Töten des Männchens nach dem Paarungsakt gehört. Die Idee, dieses Ritual auf den Menschen zu übertragen ist sicherlich nicht neu, doch in diesem Fall handelt es sich bei der "Gottesanbeterin" mitnichten um eine geisteskranke Mörderin, sondern um ein Fantasiewesen, das diesen Ritus immer wieder durchführen muss, um zu überleben - verkörpert durch die bildschöne Silvia. Als nächstes Opfer wird der Draufgänger Patrick erwählt und das morbide Spiel nimmt seinen Lauf.

Man sollte "The Praying Mantis" nicht als abgeschlossene Geschichte mit einem Anfang und einem Ende betrachten, sondern eher als Darstellung eines Kreislaufes, so die Intention des Regisseurs. Leider hat diese Erzählweise auch zur Folge, dass viele Fragen unbeantwortet bleiben und manche Handlungsweisen der Akteure schlicht unlogisch erscheinen. Insgesamt drängt sich auch der Eindruck auf, dass die Handlungselemente locker in einen Kurzfilm von 20 Minuten gepasst hätten. Viele Passagen wirken künstlich gedehnt und sind dementsprechend spannungsarm, manche Charaktere wurden halbherzig in den Film eingefügt und messen der Handlung keine entscheidene Bedeutung bei. Wirklich sehenswert sind allein die interessante Einleitungssequenz und das bitterböse Ende - dazwischen passiert wenig bis gar nichts.

Hervorzuheben sind allenfalls noch die wengen, aber sehr schön anzusehenden surrealen Bilder, die sehr gut die fantastische Natur des Streifens unterstreichen, von der man aber ansonsten nichts mitbekommt. Düstere Atmossphäre, wie man es bei einem solchen Film erwarten würde, findet man dementsprechend selten. Doch auch hier kann das schaurige Finale den Gesamteindruck noch aufwerten.

Schauspielerisch bewegt man sich auf einem eher enttäuschendem Niveau, denn die drei Hauptfiguren sehen zwar blendend aus, agieren aber sehr statisch, wirken lustlos und gelangweilt. Sie gehen einem in keinster Weise nahe und ihnen fehlt jegliche sympatische Ausstrahlung. Hier wird die Schwäche des Regisseurs, der sein bisheriges Leben hauptsächlich mit Werbespots und Dokumentationen zubrachte, mehr als deutlich, denn zu einer guten Charakterzeichnung gehört mehr als nur bizarre Bettakrobatik, gelegentliche Monologe und nette Optik.

"The Praying Mantis" ist eine bizarre Fantasy-Liebesgeschichte mit deutlichen Schwächen bei der Charakterzeichnung. Die langatmige Inszenierung lässt zudem trotz der interessanten Grundidee jegliche Spannung vermissen und zuviele Fragen unbeantwortet.
Für Cineasten, Freunde des europäischen Independent-Kinos und alle anderen, die mal über den Hollywood-Tellerrand hinaus schauen wollen, aber trotzdem einen Blick wert.

5/10

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