Anna (Lea Morna) ist eigentlich gar nicht ihr richtiger Name. Wie sie wirklich heißt, hat sie wahrscheinlich selbst schon vergessen. Als Berufskillerin verdient sie unter der Fuchtel ihres skrupellosen Auftraggebers Lewin (Udo Schenk) ihr Geld - ein trostloses und einsames Leben. Kurz vor der totalen seelischen Verwahrlosung entschliesst sie sich, aus dem Geschäft auszusteigen. Ein Schritt, den ihr Lewin natürlich nicht leichtmacht und sie noch einen weiteren Auftrag ausführen lässt. Dann tritt auch noch der Hotelangestellte Lino (Stipe Erceg) in ihr Leben.
Wie die Geschichte in etwa weitergeht, kann sich wohl jeder filmerfahrende Zuschauer denken. Doch dies ist nicht die Schwäche von Tilman Zens` Abschlussfilm, denn der Plot ist spannend erzählt und kann auch mit der einen oder anderen Wendung aufwarten. Dadurch wirkt die Inszenierung insgesamt sehr flott und langweilt zu keiner Sekunde, auch wenn es in manchen Szenen doch sehr gemächlich zur Sache geht.
Die Figuren werden im zufriedenstellenden Maße herausgearbeitet und können über weite Strecken überzeugen - einzig Stipe Erceg wirkt als Lino viel zu statisch und verkrampft, so dass man ihm diese Rolle auch nicht abnimmt - eine glatte Fehlbesetzung.
Die Bildsprache von Kameramann Daniel Möller ist geradezu umwerfend: In der Absicht, den Alltag eines Berufskillers möglichst detailliert zu porträtieren, werden teilweise extreme Nahaufnahmen von Gesichtern und auch von Waffen verwendet, die schlichtweg meisterhaft wirken und den Zuschauer in drastischer Weise am Geschehen teilhaben lassen. Man hat zeitweise tatsächlich das Gefühl, einen intimen Einblick in ein dunkles und unwirkliches Milieu zu erhaschen. Eine Optik, die gleichzeitig eine äusserst düstere und pessimistische Atmosphäre schafft und daher die Geschichte umso fesselnder macht.
Es ist fast schon tragisch, dass der ansonsten eher unkonventionell erzählte Streifen ein so aufgesetztes und im höchsten Maße unlogisches Ende auferlegt bekam, in der sich der Regie-Debütant nicht traute, die pessimistische Grundhaltung seines Werkes bis in die letzte Konsequenz zu überführen. Es verhunzt den Film nicht in seiner Gesamtheit, kann aber den Vergleich mit den positiven Aspekten nicht standhalten und bleibt beim Zuschauer wie ein fader Nachgeschmack hängen.
Was bleibt, ist ein solider, aber nicht wirklich herausragender Erstling eines talentierten Regisseurs und eines noch besseren Kameramanns, die sich hiermit für höhere Aufgaben empfohlen haben, es aber in der Filmbranche sehr schwer haben werden. Man kann ihnen nur das beste wünschen.
6/10