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Sammo Hung gehört nicht nur als Darsteller sondern auch als Regisseur zu den herausragendsten Gestalten des asiatischen Kinos. Auch wenn es um Sammo heute etwas ruhig geworden ist, so faszinierte er besonders in den 70’er und 80’er Jahren das Publikum mit herausragenden Actionfilmen und fetziger Martial Arts. Sein filmisches Schaffen zeichnete sich auch durch einige sehr ungewöhnliche Actionfilme aus, die westliche Filmmotive mit fernöstlicher Kultur mischen und heute zurecht Kultstatus genießen. Was passiert wenn man eine Truppe Chinesen als Eliteeinheit nach Vietnam schickt, wird in „Eastern Condors“ als witzige Actionkomödie verpackt. Nach gleichem Muster ist auch „Shanghai Express“ gestrickt, nur das dieses Mal das Geschehen in den Wilden Westen verlegt wird.

Wer Wild West Abenteuer gepaart mit asiatischem Humor und Kung Fu Action mag ist bei „Shanghai Express“ an der richtigen Adresse. Was zuerst wie ein völlig unvereinbarer Mix aus völlig gegensätzlichen Genres anmutet, funktioniert unerwartet gut, wenn man das Geschehen nicht allzu ernst nimmt. Die Grundlage ist natürlich absoluter Blödsinn und völlig sinnfrei, was in Kombination mit dem absurden Slapstick-Humor allerdings gar nicht so schwer ins Gewicht fällt. Der kommt im Übrigen wieder sehr stark zu Geltung und ist wie immer ziemlich gewöhnungsbedürftig, vom Niveau nicht viel anspruchsvoller als in den Lucky Stars Filmen. Allerdings harmonieren die Darsteller in diesem Fall deutlich besser zusammen, die Mätzchen der Akteure wirken auch nicht ganz so aufgesetzt wie in oben genannter Comedy Reihe mit Jackie Chan und Konsorten. Das liegt unter anderem auch daran das eigentlich nur die üblichen Verdächtigen wirklich für die Gags verantwortlich sind, in dem Fall vor allem eine Diebesbande um Eric Tsang und ein untreuer Ehemann (Richard Ng).

Die Geschichte zieht ihre Faszination in erster Linie aus der urkomischen Personenkonstellation und dem Spaghetti-Western Flair.
Der Gauner Fong-Tin Ching (Sammo Hung) will ein Casino mitten in der Pampa eröffnen, was ihm jetzt noch fehlt sind zahlungskräftige Kunden. Doch nicht weit vom Casino entfernt verlaufen die Gleise des neuen Shanghai Express, bei dessen Jungfernfahrt jede Menge stinkreicher Leute an Bord sind. Sammo beschließt die Gleise zu sprengen, damit die Passagiere gezwungen werden, in seinem Hotel zu übernachten. Doch ein Bundesagent ist Fong-Ting auf den Fersen, Unterstützung erhält er vom örtlichen Poilzeichef (Yuen Biao).

Eine Gruppe Asiaten im Wilden Westen sieht man ja nicht alle Tage, doch hier in diesem Fall handelt es sich auch noch um das Who-Is-Who des Hongkong-Kinos: Lam Ching-Ying, Wu Ma, Yuen Wah, Rosamund Kwan, Chin Kar-Lok, Wang Yu, Bolo Yeung und etliche mehr. Soviel Prominenz sieht man nicht alle Tage in einen Film, zumal einige der Darsteller nur einen kleinen Cameo absolvieren. Neben den vielen versteckten Personen, die es zu entdecken gilt, gefällt auch die lockere Atmosphäre. Sammo spielt einen liebenswerten Schurken, der anfangs gejagt wird und dann die Seiten wechselt. Yuen Biao auf der anderen Seite einen ehrgeizigen Feuerwehrmann, der zum Polizeichef aufsteigt.

„Shanghai Express“ bietet erwartungsgemäß aber auch reichlich Action, die leider etwas unglücklich im Film verteilt wurde. Es passiert lange Zeit recht wenig und die Comedy-Szenen sind wie immer Geschmackssache. Wer zu sehr im westlichen Film verankert ist wird dem illustren Treiben womöglich nicht allzu viel abgewinnen können.
Nach ausführlicher Einführung aller Parteien, die neben den oben genannten Gruppen auch noch ein paar fiese Gangster (u.a. Dick Wei, Richard Norton & Cynthia Rothrock) und myteriöse japanische Kämpfer (Yasuaki Kurata & Yukari Oshima) bereithält, geht es gegen Ende aber richtig zur Sache. Es gibt eine Menge genialer Kampfszenen zu bestaunen, die allesamt für sich sprechen. Im Staraufgebot befinden sich einiger der größten Actionstars die das asiatische Kino in den 70’ern und 80’ern hervorgebracht hat, von daher ist dies auch kaum verwunderlich. Sammo Hung und Yuen Biao bestreiten eine wirklich gelungene Kampfszene gegeneinander, aber auch Cynthia Rothrock und Dick Wei dürfen sich actionmäßig gegen die beiden Hauptdarsteller behaupten. Einziger Schwachpunkt: die Action ist zur sehr auf den Schlußteil forciert, in der ersten halben Stunde passiert dafür so gut wie gar nichts. Ein finaler Showdown, den man ja eigentlich erwartet, fehlt leider auch. Das merkte nach dem ersten Schnitt auch die Produktionscrew, leider fehlte damals schlicht die Zeit einen Finalkampf nachzudrehen, da der Film in die Lichtspielhäuser musste.

„Shanghai Express“ besticht natürlich in erster Linie durch die hochkarätige Schauspieltruppe, allen voran Yuen Biao und Sammo Hung. Letzterer nimmt zum wiederholten Male vor und hinter der Kamera mehrere Aufgaben wahr. Regie, Drehbuch und eine der Titelfiguren, all das verkörpert Sammo Hung in diesem Film. Dabei ist es immer wieder erstaunlich wie sich ein Pfundskerl von Sammo's Kaliber bewegen kann und dann auch noch in der Lage ist, die absurdesten Stunts abzuliefern. Auch hier beweist er wieder eindrucksvoll sein außergewöhnliches Talent was die Visualisierung von Actionszenen angeht, obwohl er oftmals selbst ein Teil von diesem ist. Nur der Vokuhila ist einfach schrecklich!
Nicht anders verhält es sich mit Yuen Biao, der hier an Sammos Seite die zweite wichtige Figur mimt. Wie in den meisten seiner Filme besticht Biao durch eine fantastische Körperbeherrschung und akrobatisches Können wie es damals wie heute nur wenige Darsteller vorweisen können. Eindrucksvoller Beweis in „Shanghai Express“ ist ein Sprung von einem mehrstöckigen Haus, den Biao ohne Hilfsmittel absolviert. Er landet ohne Blessuren auf den Füßen und läuft weiter als sei nichts gewesen. Fantastisch!

Fazit:
Der „Shanghai Express“ ist ein äußerst sinnfreies, aber schwer unterhaltsames Fun-Abenteuer mit guter Handkantenaction und zwei gut aufgelegten Hauptdarstellern. Zum ganz großen Klassiker des asiatischen Actionfilms fehlt aber noch ein Stück, weil die Action bis auf den hervorragenden Schlußakt etwas mau ausfällt . Der Humor ist wie so oft recht asiatisch, aber dürfte auch in unseren Breitengraden Anklang finden. Dafür entschädigt wiederum das außergewöhnliche Staraufgebot, denn hier gibt sich sprichwörtlich ganz Hongkong die Klinke in die Hand.

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