"Na, hast du deinen Spaß?"
Elfenlied ist eine der kontroversten Animes die ich bisher sehen durfte.
Auf der einen Seite gibt es niedliche, typisch großäugige Charaktere zu bewundern und humorvollen, teils albernen Inhalt. Auf der anderen Seite hat die Serie viel nackte Haut und grafische Brutalität zu bieten. Schon in der ersten Folge beschäftigt sich das Intro mit der blutigen Flucht von Nyu/Lucy. Allein hier werden zig Wächtern bestialisch Arme, Beine und Köpfe unter entsprechender Soundkulisse abgerissen. Dies soll wohl einen Vorgeschmack bieten und Zuschauer mit Hang zu drastisch dargestellter Gewalt und viel nackter Haut locken.
Allein damit kann man allerdings nicht lange unterhalten und dies tut Elfenlied auch nicht. Das Schlachtfest wird umgarnt mit einer teils intelligenten, teils sehr vorhersehbaren Story über Liebe, Eifersucht, Hass, Vergangenheitsbewältigung und schizophrenem Leiden. Präsentiert wird eine eher tragische, traurige Geschichte die ebenso im Kontext zu den süßen Zeichnungen, wie die Splattereinlagen, stehen.
Die Zeichnungen sind sehr farbenprächtig. Die Animation ist von guter Qualität wird aber insbesondere in der ersten Folge durch viele Anime typische Standbilder geprägt.
Das deutsche Lied „Elfenlied“, welches dem Anime und dem Manga den Namen gab wurde von Hugo Wolf komponiert, erscheint im Anime jedoch nicht. Wolfs Lied basiert auf einem Gedicht von Eduard Mörike. Die Geschichte des Liedes handelt davon, dass ein Nachtwächter die Uhrzeit „Elfe“ ruft, ein kleiner Elf im Wald dies hört und glaubt, dass sein Name gerufen werde.
Das Lied im Opening mit dem Namen Lilium basiert auf verschiedenen Passagen aus der Bibel, der Hymne „Ave mundi spes Maria“ aus dem lateinischen und einigen Wörtern aus dem griechischen, tritt im gesamten Anime immer wieder auf und lautet im deutschen wie folgt:
Das Herz der Gerechten möge sich auf die Weisheit besinnen
und seine Zunge sollte Gerechtigkeit sprechen.
Gesegnet sei der Mann, der Versuchungen erträgt.
Denn, wurde er erst geprüft,
soll er die Krone des Lebens empfangen.
Oh Herr, heiliges Feuer, habe Mitleid
Oh wie gesegnet,
wie ernst,
wie wohlwollend,
Wie lieblich
Oh Lilie der Reinheit.
Auf der ersten DVD wird storytechnisch noch nicht allzu viel geboten. Im Vordergrund stehen brutale Auseinandersetzungen und Charaktervorstellung.
ACHTUNG: Ab hier gibt es Spoiler zur Story!!!
Episode 1, "Begegnung", beschäftigt sich mit der Flucht von Lucy, einem Diclonius, aus einer Forschungsstation. Wir erfahren anfangs nichts über diese Rasse, sehen nur die auffälligen Hörner die wie Ohren unter dem rosanen Haar von Lucy hervor stechen. Während ihrer Flucht wird sie verletzt und fällt ins Meer.
Der Schauplatz wechselt und zeigt uns zwei weitere Hauptpersonen. Kohta, der das Erbe seiner verstorbenen Eltern angetreten hat und seine auf Besuch gekommene Cousine Yuka. Während sie in gemeinsamen Kindheitserinnerungen schwelgend über den Strand flanieren entdecken sie die splitterfasernackte Lucy, die nur den Laut "Nyu" von sich geben kann und völlig verstört (und niedlich) den Strand entlang läuft. Sie nehmen sie mit zu ihrem Anwesen und bieten ihr Obdach. Durch einen Streit flüchtet Nyu zurück zum Strand.
Das Militärs ist nicht unbedingt glücklich über den ungeplanten Ausflug von Lucy. Hier setzt die zweite Episode "Vernichtung" an. Eine übersichtliche Gruppe, darunter der irrsinnige Söldner Bandoh, um den es größtenteils in dieser Episode geht, sollen sie ausfindig machen und, titelgebend, vernichten. Am Strand entdeckt Bandoh Nyu, die anfangs absolut wehrlos seine Tritte hin nimmt. Dann wechselt dieses Gemüt urplötzlich und die einsilbige Nyu wird zu Lucy. Erstmals sieht man die Vektoren, unsichtbare Hände welche den Diclonius zur Verfügung stehen, in einem gewissen Bereich alles erfassen und mit enormer Kraft heben oder zerreissen können. Ein Kampf entbrennt aus dem Bandoh nicht so gut wegkommt und sich mein titelgebendes Zitat auf sarkastische Art anhören darf.
In Episode 3, "Im Innersten", wird ein zweiter Diclonius namens Nana auf Lucy gehetzt. Allerdings erst nachdem Lucy wieder zur unwissenden Nyu und von Kohta und Yuka gefunden wird. Zwischendurch erfährt man etwas mehr über die Diclonius, Bandohs Wunden werden versorgt und die kleine Mayu, die ein ungewisses Leben auf der Straße führt, wird hinzugefügt.
Episode 4 "Aufeinandertreffen" ist wieder actionlastiger. Die eher zurückhaltende und defensive Nana und die sadistische Lucy treffen aufeinander und bekämpfen sich mit ihren Vektoren. Nana werden auf übelste Art die Gliedmaßen zerrissen. Das Forscherteam und einige Polizeikräfte treffen erst nach der Auseinandersetzung ein und können die erneut flüchtende Lucy nicht fassen. In der zweiten Hälfte wird es etwas lustiger nachdem Lucy wieder Nyu Platz macht und in ihre typischen kindlichen Fettnäpfchen tritt und ab und zu vor Kotha nackt herum tänzelt, was bei Yuka eine starke Eifersucht auslöst. Die kleine Mayu wird von Kotha und Yuka aufgenommen, die gliederlose Nana wird eingeschläfert.
Vektor 1 Ende.
9 / 10