So ändern sich Sehgewohnheiten im Zuge der Jahrzehnte: Nachdem meine Mom „Squirm“ damals im Kino sah, konnte sie wochenlang keine Spaghetti mehr essen. Insofern war ich auf das Schlimmste vorbereitet, doch wenn man mir ein paar bunte Kabel als Wurminvasion verkaufen will, funktioniert der Tierhorror diesbezüglich nicht. Dennoch ist der typische 70er Streifen recht unterhaltsam und sympathisch ausgefallen. Dafür sorgt vor allem die dichte Atmosphäre des Schauplatzes „Fly Creek“, ein amerikanisches Kaff, das von einem Gewittersturm lahm gelegt wurde. Stromleitungen gelangten in den Boden und dadurch entstanden aggressive Würmer, die sich nun über die Einwohner des Backwood-Dörfchens hermachen. Innerhalb dieses Gewürms versuchen Student Mick (aus der Großstadt) und Freundin Geri (Landei aus Fly Creek) zu entkommen. Die im Bild erscheinende Anzahl der schleimigen Invasoren wächst im Verlauf gehörig: Als böses Vorzeichen hat Mick zunächst einen Widerling in seinem Milchshake, gegen Ende muss er sich einen Weg durch Tausende von im Haus befindlichen Kriechern bahnen. Besonders die Szenen mit nur wenigen Würmern bewirken ein natürliches Ekelgefühl beim Zuschauer, auch wenn die Nahaufnahmen mit brüllenden (!) Viechern eher lächerlich wirken und auch die Massenszenen nicht so recht beängstigen, - die Atmosphäre bügelt einige Schwachstellen wieder aus. Die heruntergekommene Kleinstadt mitsamt der Wurmfarm und den Hinterwäldlern vermittelt einen gewissen Charme und wenn der Student aus der Großstadt an den selbstherrlichen Sheriff gerät, sind definitiv ein paar Schmunzler zu verzeichnen. Dazu die Figur einer bibelfesten Mutter und ein unterbelichteter Gärtner, der es schon immer auf Dorfschönheit Geri abgesehen hat. Die üblichen Klischees liebevoll verpackt. Allzu deftig sind die Splatter-FX nicht ausgefallen, ein paar Würmer im Gesicht, ein Skelett und viel schleimiges Geziefer. Das ist zwar unangenehm, aber bei einem Gang durch den heimischen Garten wird man nach einem Regenschauer Ähnliches entdecken. Würmer sind aber nicht so schnell und unberechenbar wie Spinnen oder so agil wie Hornissen, so ist die Szenerie meistens ekelig, aber selten wirklich bedrohlich. Nur gegen Ende hat man mit einem umstürzenden Baum auf die Verschanzung und Massen von Kriechern (hier dann als Kabel auszumachen) für annehmbare Dramaturgie gesorgt. Aber es bleibt eine olle Kamelle von Tierhorror. Die Darsteller sympathisch, die Locations auch, doch mit dem Entsetzen des Zuschauers hätte man noch bösere Spielchen treiben können, - die Anzahl der im Bild sichtbaren Opfer ist sehr gering. „Squirm“ macht Tierhorrorfans Freude, doch mir persönlich hat es nicht den Appetit auf Spaghetti verdorben. 6 von 10 Punkten