„Was ist eine Eierkrem?“
„Squirm – Invasion der Bestien“ ist das Spielfilm-Regiedebüt von US-Regisseur Jeff Lieberman („Blue Sunshine“, „Vor Morgengrauen“) aus dem Jahre 1976 und versucht sich am Tierhorror-Subgenre, indem es durch einen Stromschlag tollwütig gewordene Würmer über ein US-amerikanisches Südstaaten-Dorf herfallen lässt. Dort ist gerade Student Mick (Don Scardino) aus der Großstadt zu Besuch, der mit der feschen Geri (Patricia Pearcy) anbändelt...
Liebermans Film unterhält mit ausnahmslos debilen Charakteren, deren Doofheit noch einmal über die in Horrorfilmen allgemein gern kritisierte hinausgeht, die dabei aber nicht unbedingt nerven, sondern eher lustig zu beobachten sind. So stellt unser bebrilltes Genie aus der Stadt bereits nach einigen Stunden (Wow!) einen Bezug zwischen dem in einer Bar in seiner Eierkrem gelandeten Wurm und den verschwundenen Kriechtieren der örtlichen Wurmfarm (ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt) her und durchlebt gegen Ende eine nicht sonderlich glaubwürdige Metamorphose vom Typ „Streber mit Brille“ zum kühnen Helden. Auf die erste richtige Wurmattacke muss man indes über eine Dreiviertelstunde warten, diese fiel dafür sehr spaßig aus. Die Effekte bleiben aber spärlich und halten dabei leider nicht das Niveau, sondern sind recht einfach und schlecht. Für Schmunzler sorgen allerdings Nahaufnahmen brüllender (!) Würmer...
Bei dem ganzen Rumgeeiere, Geplänkel und Gelabere der Protagonisten hapert es dann irgendwann doch arg an einem kontinuierlichen Spannungsbogen, wobei man „Squirm“ als „geil langweilig“ bezeichnen kann, sofern man Spaß dabei hat, den eigenartigen Charakteren dabei zuzuschauen, was auch immer sie gerade treiben und die Suche nach einer stringenten Logik aufgibt. Der gewünschte fiese Ekelfaktor hat sich bei mir nicht eingestellt, zu durchschaubar die Effekte, zu unblutig und harmlos und selten die Attacken, zu albern das ganze Drumherum. Ein bisschen erinnert „Squirm“ dabei an eine unblutige Variante des spanischen „Slugs“.
Wie bereits erwähnt, erscheint mir Don Scardino wenig glaubwürdig, was vor allem seiner eigenartigen Charakterzeichnung zuzuschreiben ist. Schon besser weiß da Patricia Pearcy als natürlicher Südstaaten-Rotschopf, der kein Wässerchen trüben kann, zu gefallen. Sie wirkt, als wäre sie gerade einem Country-Video entsprungen. Mein einsamer Favorit aber ist R.A. Dow als Roger Grimes, der seinerseits ein Auge auf Geri geworfen hat, sie bedrängen darf und den stärksten Wurmauftritt für sich verbuchen kann. Man hat versucht, etwas „Städter trifft auf Landeier“-Kulturschockhumor zu integrieren, was zwar ok geht, aber nicht so lustig wie der Film als charmant-trashiges Gesamtwerk ist, das sicherlich von Lieberman mit einem Augenzwinkern inszeniert wurde und als Debüt in Ordnung geht.
Für Tierhorrorfans bestimmt Pflichtstoff; wer hingegen auf der Suche nach einer Überdosis Ekel ist, sollte besser zu einem anderen Film greifen, denn hier ist irgendwie der Wurm drin.