Review

Gleich vorweg: Selten habe ich einen so dämlichen Übergang zu einem Sequel gesehen wie es bei "Halloween 5" der Fall war. Lassen wir das nochmal kurz Revue passieren. Michael Meyers wird umzingelt, von dutzenden Polizisten abgeschossen und fällt schließlich in ein Erdloch... aber rein zufällig befindet sich in diesem Erdloch ein kleiner Schacht, der nach draußen führt, und Michael (der selbstverständlich noch lebt) kriecht da durch, wirft sich in einen Fluss und treibt wie ein totes Stück Holz hinunter, bis er an der Hüte eines... Penners mit Papagei auftaucht!? Ein Penner? Ein Papagei!? Wo sind wir hier? Gilligans Island?

Michael versuchte mit letzter Kraft, dem ausrangierten Kapitän eins über die Rübe zu geben, bricht aber dann doch zur Abwechslung mal erschöpft zusammen. Was würden sie mit einem maskierten Fremden machen, der den Fluss runtertrieb und sie fast umbringen wollte? Richtig, sie ziehen ihm die Maske ab und lassen ihn ein Jahr (!!) lang in ihrer Hütte bewusstlos liegen. Man kriegt ja Deko sonst auch nicht umsonst. Pünktlich zu Halloween im nächsten Jahr steht Michael aber wieder auf, nimmt seine Maske und meuchelt Kapitän Blaubart doch noch um.

Derweil kriegen wir wieder eine volle Packung Jamie, von Beruf Nichte Michael Meyers'. Die hockt seit sie ihre Stiefmutti umbringen wollte nun in einer Kinderanstalt, wo sie untersucht wird. Das doofe ist nur... das Mädel spricht nicht mehr. Stumm wie ein Stuhl wacht sie manchmal keuchend auf... Mensch, nimm doch mal Hustenbonbons! Der restliche Plot ist aber schnell abgehandelt: Michael kehrt mal wieder nach Haddonfield zurück, Dr. Loomis wird ganz wuschig und ein paar blöde Teenies finden ihren Weg ins Grab.

Interessant ist hierbei, das man Michael anscheinend schon erwartet hat. Niemand stellt die Frage, wie er denn überleben konnte, alles wird so hingenommen, wie es halt kommt. Und was einem bei den Charaktern geboten wird, ist schon eine Frechheit. Zunächst mal Rachel, Jamies Stiefschwester. Sorglos rennt sie durch ihr Haus und nennt vielleicht zwei, drei Szenen ihr Eigen, wobei sie in einer nackt unter der Dusche steht - was den Brei nun auch nicht wärmer macht. Kurz darauf wird sie nämlich mittels Schere von Michael erstochen. Viel schlimmer agiert hier ihre offenbare beste Freundin Tina, ein laufender Magnet möglichst dämlicher Dialoge und Szenen. Die ganze Zeit - und wirklich die ganze Zeit, das meine ich ernst - schreit sie sich jubelnd die Kehle aus dem Leib, rennt hyperaktiv durch Haddonfield und grinst sich einen, das man ihr am liebsten sagen will: "Mädel, bitte hör auf fröhlich zu sein... bitte!"

Schön auch die Verwandlung von Dr. Loomis, der aus unerklärten Gründen plötzlich noch ein paar Narben mehr auf der Wange hat. War er im Vorgänger noch ein halbwegs sensibler Mann, entwickelt er sich hier zum hysterischen Kinderschreck, der psychopatische Züge aufweist. Er schüttelt Jamie und keucht sie mit seiner unschönen Stimme an, dass sie ihm endlich sagen soll, wo Michael ist. Jamie sieht das gar nicht gerne und kreischt und heult in jeder zweiten Szene, wo wir auch bei ihrem Charakter wären, denn das Mädel ist hundertmal nerviger als noch im Vorgänger. Dauernd weint sie, dauernd schreit sie, dauernd sucht man unter Verzweiflung an ihr den OFF-Schalter. Da hilft auch ihre deutsche Synchronstimme (Lisa Simpsons) nicht viel, sondern macht sie eher noch unerträglicher. Völlig ohne jede Substanz tauchen noch zwei völlig idiotische Polizisten auf, die wohl sowas wie sympathischen Identifikationsfiguren sein sollen. Fast immer, wenn sie auftauchen, wird irgendeine "lustige" Melodie gespielt... Ba Dam Tssch...

Nun meuchelt sich Michael aber wieder durch die Gänge und Gassen, weswegen wir hier keinen Teenie über die gesamte Laufzeit des Films ertragen müssen. Rachel wie gesagt stirbt gleich zu Anfang, wenig später muss auch der Freund von Tina (Ein Autofreak namens Michael - Ha, da haben sie die Drehbuchautoren aber was einfallen lassen!) dran glauben. In einer schrecklich langgezogenen Szene auf einem Bauernhof werden noch nebenbei zwei bumsende Teenis mit einer Mistgabel erstochen, kurz danach auch Tina (Oh endlich!) und dann geht wieder das reihenweise morden der Polizisten los, genau wie schon im vierten Teil.

Das größte Problem des Films ist, dass er wirklich so gut wie keine Überraschungen bietet. Wo Teil 4 noch wenigstens ein bisschen was zu bieten hatte, sackt Nr. 5 im Bunde ab wie im Treibsand und bietet nur die althergebrachte Standard-Kost. Ein paar Tote, der nach Schema F aufgebaute Showdown und das obligatorische offene Ende. Man muss aber sagen, dass wenigstens eben besagter Showdown noch ein bisschen Spannung im Gegensatz zum langweiligen Rest parat hält. Da werden sogar sentimentale Töne angeschlagen, verlaufen sich dann aber sofort wieder. Loomis (der eine Szene zuvor wie ein Spielball durch das Zimmer geschleudert wurde) ist dann auch wieder putzmunter, fängt Michael in einem Netz, schießt noch ein paar Betäubungspfeile auf ihn und prügelt dann noch mit einem Stück Holz auf ihn ein... na wenn der jetzt nicht genug hat!

Letztlich fällt Teil 5 aber im gegensatz zum Vorgänger dramatisch ab, was einfach nur an der unoriginellen Bearbeitung liegt, nicht zuletzt auch am verhunzten Drehbuch, wo drei (!) Leute dran gearbeitet haben. Zwischendurch wird auch immer eine spannende Kamerafahrt geboten, die manchmal aber auch auf die Nüsse geht. Nebeleffekte gibts auch wieder und Carpenters kultige Originalmusik wurde erneut aufs gröbste vergewaltigt und klingt nun wie schlechter 80er Synthie-Pop. Wirklich grottenschlecht ist der Film nun nicht, dafür hat man mittlerweile zuviel übrig für den charmanten Michael, aber der fünfte Teil kommt einfach nur schnell runtergespult daher und ist deshalb im Halloween-Rankin in der unteren Reihe zu plazieren.

Fazit

Spannungsarmer Aufguss, der nur das altbewährte an den Mann bringt, ohne dabei Zeit für wirklich kreative Ideen zu verschwenden. "Halloween 5" ist ein typischer Teeniefilm geworden, ohne großen Nährwert, mit nervigen Darstellern und nur dem ein oder anderen Schockmoment, den man an einer Hand abzählen kann.

4,5/10

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