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ACHTUNG SPOILER!

Story: Es ist Halloween 1989. Ein Jahr nachdem Jamie Lloyd den ersten Angriff ihres besessenen Onkels Michael Myers überlebt und anschließend ihre Stiefmutter erstochen hat, sitzt sie in eine Kinderklinik ein. Sie spricht nicht mehr und leidet unter krampfartigen Anfällen. Niemand versteht, dass das Mädchen einen telepathischen Kontakt zu Michael hat und aus diesem Grund spürt, wann er wieder zuschlagen wird.
Und es kommt, wie es kommen muss: Myers, der vor einem Jahr sowohl die Schüsse der Polizei als auch den Sturz in einen Schacht überlebte und über die Zeit von einem Einsiedler gesund gepflegt wurde (!) hat erneut nur das eine im Kopf: seine Nichte Jamie zu Morcheln. Natürlich ist auch Dr. Loomis wieder mit von der Partie. Und dieser plant, Michael, wegen dem inzwischen erneut reihenweise Teenager ihr Leben verlieren, mithilfe Jamies telepathischer Fähigkeit in eine Falle zu locken.
Im Hintergrund agiert dieses Mal allerdings ein mysteriöser Mann im schwarzen Mantel, der Michael am Ende aus seiner Gefängniszelle befreit...

Soviel erstmal zu der wirren Handlung.
HALLOWEEN 5 hat sowohl bei den Kritikern als auch bei der Fangemeinde negative Kritik einstecken müssen; nicht ganz zu unrecht, denn die Längen und Schwächen sind so offensichtlich, dass man sich teilweise fragt, wie Autor und Regisseur Dominique Othenin-Girard nach einem an sich gelungenen Vorgänger Part 5 zu einem derartigen Quark verwursten konnte.

Neben etlichen kleinen Ungereimtheiten wartet das Drehbuch vor allem mit drei hanebüchenen Einfällen auf, die wirklich jegliche Art der Glaubwürdigkeit im Keim ersticken:
Weiß der Geier wer auch immer auf die Idee gekommen ist, dass sich Michael Myers ein Jahr lang in der Hütte eines Invaliden aufhält, während der ihn pflegt und hegt bis der Maskenmann wieder fit genug ist um zum dritten Mal Haddonfield zu besuchen. Auch die Idee mit dem telepathischen Kontakt zwischen Jamie und ihrem Onkel hat mir nicht gefallen; Danielle Harris' darstellerische Leistung verdient zwar Respekt, aber ihr ständiges Gekrächze und Geheule nervt und raubt dem Film einen entscheidenden Grad an Spannung. Dritter Punkt ist der mysteriöse Fremde in Schwarz, der Michael letzten Endes zur Flucht verhilft - beide haben dieselbe Tätowierung (noch mal eine glaubwürdige Neuheit: Michael Myers hat ein Tattoo!) auf dem Handgelenk. Der Zuschauer erfährt allerdings nicht einmal am Ende, um was für eine Figur es sich überhaupt gehandelt hat, also ein sinnloser Einfall, der nur eine weitere, schnelle Fortsetzungsmöglichkeit schafft.

Des Weiteren werden die Charaktere kaum noch ausgeleuchtet, was den Film noch mehr an der Oberfläche schwimmen lässt. Michael bekommt dieses Mal sogar einen Sportwagen (!) verpasst, mit dem er Jamie durch den Wald hetzt (wo bleibt da bitte der Thrill?!) und schließlich zieht er seine Maske ab und weint erstmal ne Runde (!!!) und für die Idee mit den beiden trotteligen Cops die zu Clownsmusik ins Bild rücken hätte Girard gefeuert werden müssen.

Trotz allen Schwächen kann man HALLOWEEN 5 nicht die wenigen, aber immerhin vorhandenen positiven Aspekte absprechen: durchgehend unspannend fällt DIE RACHE DES MICHAEL MYERS nämlich nicht aus. Die gesamte Sequenz in dem Haus der Corruthers hat (obwohl sie bei Tageslicht spielt) ihre Wirkung, ebenso wie die in der Scheune bei Nacht und die, in der Dr. Loomis im Alleingang das Myers-Haus inspiziert (dass aus irgendeinem Grund vollkommen anders aussieht als bislang...).

Zum Thema Gore sei gesagt: die Morde fallen dieses Mal härter als bislang aus, erinnern mich seltsamerweise vom Style her eher an FRIDAY THE 13th als an HALLOWEEN. Wirklich sehenswert sind allerdings nur zwei der insgesamt sechzehn Tötungen (davon alleine acht offscreen).

Im Gesamteindruck fällt HALLOWEEN 5 deutlich hinter seine Vorgänger zurück, woran in allererster Linie das unglaubwürdige Skript mit seinen wüsten Einfällen Schuld ist. Auch die Schauspieler lassen einen kalt und atmosphärisch hat mir der vierte Teil deutlich besser gefallen. Die Tatsache, dass die Morde dieses Mal härter sind und der Spannungspegel nicht übermäßig niedrig ausfällt, machen dieses Mal wegen der dünnen Atmosphäre und einer endlosen Reihe von deutlichen Mängeln nur in beschränktem Maße was gut - im Gegensatz zu den handwerklich solide wirkenden Vorgänger wirkt Teil 5 billig und schnell runtergekurbelt, wohl in der Hoffnung, mit wenig Geld schnellstmöglich an den Erfolg des 4. Teils anschließen zu können.
Das ging gründlich schief.

Wertung: Enttäuschend

3/10 Punkten.

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