Review

Einen wirklich schlechten Ruf hat das, relativ schnell nach „Halloween 4“ nachgereichte vierte Sequel. Insgesamt muss man feststellen, dass der Film nicht der totale Reinfall ist, als der er oft hingestellt wird. Allerdings hört man, dass hinter den Kullissen einiges schiefgelaufen ist und das sieht man ihm an. So wurde wohl der Regisseur Dominique – Othenin Girard noch während der Dreharbeiten gefeuert, was selten ein gutes Zeichen ist.

Schon beim ersten Ansehen fällt auf, dass „Halloween 5“ ein sehr zwiespältiges Machwerk ist. Aus dem ganz einfachem Grund, dass sich hervorragende und wirkungsvolle Suspence -Sequenzen, die in ihrer Intensität fast Erinnerungen an John Carpenters Original hervorrufen, abwechseln mit wirklich furchtbar abgedrehten Szenen voll wilder Kamerafahrten und billiger Effekthascherei. Bestes Beispiel hierfür ist die Szene, in der die kleine Jamie voller Panik in den Wäschekeller der Kinderklinik rennt und da zwischen der Wäsche von Michael gepackt zu werden „droht“.

Alles fängt wirklich herrlich an. Ein glänzend gemachter Vorspann, der mit neuer ungewohnter, düster/morbider Musik beginnt, bevor er in das bekannte Halloween – Thema umschlägt und dabei durch blitzartige Schnitte eines stechenden Messers zunächst den Eindruck erweckt, da werde gerade ein Mensch abgeschlachtet, bis man realisiert, das dort ein Kürbis bearbeitet wird. Dann wird noch einmal der Schluss von „Halloween 4“ wiederholt und nahtlos weitergesponnen um das Fortschreiten der Handlung zu erklären. Witzigerweise wird Michael Myers hier von deutlich weniger Kugeln getroffen, als dies im Vorgänger tatsächlich der Fall war, so dass sein angestrengtes Wegkriechen (letztlich bricht er sogar zusammen) sogar glaubwürdig wirkt. Myers Auftauchen bei der Behausung des alten Erimiten sorgt dann schon für die erste kurze Suspence – Sequenz. Danach springt die Handlung ein Jahr voran und wir sind wieder bei einem gewittrigen Halloween – Vorabend (was Michael in dieser Zeit bei dem alten Mann gemacht hat, wird nicht erklärt und interessiert auch nicht). Hier erleidet die kleine Jamie, die nach dem Schluss von Teil 4 offenbar in einer Spezialklinik für Kinder lebt, ihren ersten von zahlreichen Anfällen in diesem Film, denn Jamie ist nun telepathisch mit Michael Myers verbunden und spürt ihn immer dann, wenn ihn wieder die Mordlust packt.
Bis zu diesem Punkt ist alles noch nachvollziehbar, doch wir haben gerade die ersten 5 Minuten umrissen. Von nun an wird der ganze Film ziemlich wirr. Denn wir haben hier auf der einen Seite wie gesagt Jamie, die durch diese Verbindung mit Myers immer wieder krampfhafte Anfälle erleidet, da das alles zu viel für sie ist. Auf der anderen Seite wird auch der typische Slasher – Plot wieder aufgerollt und neu abgespielt. Und natürlich ist auch Donald Pleacence alias Dr. Loomis wieder vor Ort und versucht durch reichlich psychischen Terror die ohnehin schon völlig fertige Jamie dazu zu bringen, ihn zu Michael Myers zu führen. Dieses neue Element rund um die telepathische Verbindung zwischen Jamie und Michael Myers erweist sich als Schuss in den Ofen. Abgesehen davon, dass Jamies Anfälle spätestens beim dritten Mal bloß noch nerven, und die Regie auch diese gerade zum Anlass nimmt, die wildesten inszenatorischen Kniffe auszuprobieren, wird der Grund für diese Verbindung nie erörtert, obwohl Loomis ihn sogar einmal anspricht.

Tatsächlich ist der Slasher – Plot das stärkere Element des Films, sorgt der doch tatsächlich immer mal wieder für Spannung und Atmosphäre. Hierbei ist „Halloween 5“ auch überraschend hart und kompromisslos (auch wenn es nur zweimal wirklich blutig wird). So gibt es unter der Teenie – Garde tatsächlich nicht einen Charakter der überlebt. Rachels Stiefschwester, die im Vorgänger noch das Final – Girl abgegeben hatte, wird hier sexuell deutlich selbstbewusster dargestellt (bzw. gleich unter der Dusche gezeigt) und qualifiziert sich somit gleich als Mordopfer. Hier ist auch die erste, spannende Suspence – Szene zu sehen, denn das Auflauern durch Michael Myers zieht sich über mehrere Minuten hin und Rachel stirbt nach alter Manier eher unblutig (dennoch ‘n bisschen brutal). Ihren Platz scheint fortan ihre Freundin Tina einzunehmen, die aber von Anfang an derart draufgängerisch und unsympathisch auftritt, dass es letztlich doch kein Wunder ist, dass auch sie draufgeht, auch wenn sie den ganzen Film über unberührt blieb. Ganz im Gegensatz zu dem Paar, das zu Michaels Hauptziel in den überaus gelungenen Szenen in einer Scheune wird. Diese sind überaus geschickt inszeniert, mit einigen wirkungsvollen Schockmomenten. Das ganze endet übrigens mit dem bisher einzigen von Michael Myers verursachten Coitus Interruptus.

Als schließlich alle Lieben von Jamie weggemetzelt sind, ist sie bereit sich an einer Falle für Michael Myers zu beteiligen. Das führt zu einem langen, überaus düsteren Finale im Myers - Haus (das merkwürdigerweise ganz anders aussieht als bisher bekannt) , welches aber wieder die Logik strapaziert, indem sich nach einem Hinweis, Myers könnte sich doch woanders aufhalten, fast sämtliche Polizisten genau dorthin bewegen, anstatt eine angemessene Zahl am Haus zu lassen. Hier kommt es nun tatsächlich zu einer Begegnung zwischen Loomis und Myers, in der Loomis sogar mit dem Killer spricht. Scheinbar scheint nun alles darauf hinauszulaufen, dass Jamie irgendwie in der Lage ist, Michael Myers Mordlust zu stillen. Tatsächlich ist dies ein sehr interessanter Moment, wird bei dem bisher als menschliches Monster gezeichneten Michael Myers hier eine ausgeprägte Schizophrenie deutlich (da ist er wieder, der gute Norman Bates), die ihn gar fast tragisch wirken lässt. Doch ein Happy End will keiner sehen und Myers „böse Seite“ entscheidet sich, das Mädchen umzubringen. Das führt zu einer reichlich langgezogenen Verfolgung Jamies durch ein Wäscherohr. Danach gelingt es Jamie scheinbar tatsächlich für einen kurzen Moment Myers ruhig zustellen und der vergießt gar eine Träne (viele Fans nehmen ihm das heut noch übel, ich nicht) bevor ihn wieder der Hass packt und er auf die Kleine losgeht. Hier kommt nun wieder Dr. Loomis zum Zug, dem es schließlich wieder gelingt Myers außer Gefecht zu setzen.

Nun gibt es zum Schluss wieder die vertraute Situation, leicht abgewandelt. Michael Myers ist wieder ausgeknockt, nur diesmal nicht scheintot, sondern nur in Ketten, was nichts Gutes ahnen lässt. Und der Film liefert dann auch ein wirklich ausgeflipptes Ende. Ein schwarz vermummter Mann, den man schon den ganzen Film über immer mal wieder durch die Stadt hat latschen sehen, erschießt mit einem Maschinengewehr ein halbes Dutzend Polizisten und befreit Michael Myers. Als Schlussbild sieht man Jamie vor dem frei gesprengten Loch stehen.
Für eine Erklärung ließen sich die Macher ganze 6 Jahre Zeit.

Will man ein Fazit aus „Halloween 5“ ziehen stellt man also fest, dass er genau da seine Stärken hat, wo er altes wieder neu aufkocht, nämlich in dem Standart – Slasher – Plot, wo es mitunter recht spannend wird. Bei den neuen Elementen hingegen herrscht eher Wirrwarr, allerlei unausgegorene Story – Elemente werden einem aufgetischt. Wie schon gesagt, ein ziemlich zwiespältiges Machwerk. Zweifelsfrei keiner der besten Teile der Halloween – Reihe, dafür aber auf jeden Fall der bislang düsterste.
Für Michael Myers – Fans natürlich immer noch deutlich „Halloween III“ vorzuziehen.

6 / 10 (aber knapp)

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