Review
von Alex Kiensch
Nur ein Jahr, nachdem Michael Myers im vierten Teil der "Halloween"-Reihe wieder auferstanden war, kehrte er bereits zurück, um erneut Jagd auf seine junge Nichte Jamie (Danielle Harris) zu machen. Der damit fünfte Film um diesen beinahe mystischen Serienkiller schließt nahtlos an den Vorgänger an und zeigt in der ersten Szene, wie Michael das Finale überleben und durch die Hilfe eines nichts ahnenden Eremiten - der zum Dank ermordet wird - wieder zu Kräften kommen konnte. Auf dem Weg zur Ermordung seiner Nichte müssen auch hier wieder zahlreiche Nebenfiguren das Zeitliche segnen.
Während "Halloween 4" zumindest noch einige gelungene, sehr atmosphärische oder sogar originelle Szenen aufzuweisen hatte, kommt der fünfte Teil zu keinem Zeitpunkt über uninteressanten 08/15-Grusel hinaus. Nach klassischem Teenie-Slasher-Muster arbeitet er seine vorhersehbare Dramaturgie ab, führt eine ganze Reihe von Nebencharakteren ein, nur um sie schnell wieder sterben zu lassen. Nicht nur, dass dabei keine Spannung aufkommt - auch die Figuren erweisen sich diesmal als besonders nervtötend: sei es die traumatisierte kleine Jamie, die den größten Teil des Films nur herumkreischt und mit panischem Gesichtsausdruck durch die Gegend rennt, eine beinahe als hysterisch zu bezeichnende Krankenschwester oder die Teenies, die sich gegenseitig erschrecken und hoffnungslos chargierend dargestellt werden. Überhaupt tragen die talentfreien Mimen tatkräftig dazu bei, "Halloween 5" zum uninteressanten bis nervenden Fließbandprodukt zu machen.
Einzige Ausnahme ist wieder einmal Donald Pleasence als Dr. Loomis. Nachdem er bereits im Vorgänger auf seiner Jagd nach Michael Myers immer stärkere neurotische Züge gezeigt hatte, wandelt er sich hier vollends selbst zum Psychopathen. Die Kaltschnäuzigkeit, mit der er Jamie als Lockmittel einsetzt, lässt ihn vom verkannten Helden zum fehlgeleiteten Bösewicht verkommen. So sind denn auch die Szenen mit Loomis - und insbesondere die zwischen ihm und Myers - die einzigen wirklich spannenden und intensiven des Films. Besonders das nächtliche Finale in der Ruine von Michaels früherem Haus sorgt dann doch noch einmal für eine Handvoll gelungener Szenen und kann zumindest für einige Minuten so etwas wie Atmosphäre aufbauen.
Ansonsten können diesen müden Nachklapp zum "Halloween"-Mythos weder die relativ wenigen Gewaltszenen retten - die zugegebenermaßen recht blutig ausfallen - noch die klischeehaft inszenierten Grusel-Szenen, die immer wieder viel zu ausgedehnt geraten und dadurch nicht nur den Film unnötig in die Länge ziehen, sondern auch direkt für anhaltende Langeweile sorgen. Und welchen Sinn soll denn bitteschön die völlig blödsinnige Schlussszene haben - außer eben den, eine Fortsetzung zu ermöglichen?
So reiht sich "Halloween 5" ein in die lange Reihe mittelmäßiger bis schlechter 80er-Teenie-Slasher, die mit etwas Gewalt und Horror grundlegende Elemente wie Spannung, Atmosphäre oder inszenatorisches Talent aufzuwiegen versuchen - und daran scheitern. Nur einen großen Pluspunkt weist auch dieser fünfte Teil auf, und der stammt nicht von ihm selbst: Der großartige "Halloween"-Soundtrack ist und bleibt eines der effektivsten Gruselmittel des Horror-Genres.