Review
von Con Trai
Aufbereitung des qualitativ sicherlich mäßigen, in bestimmten Kreisen aber durchaus wertgeschätzten und zumindest in der Prämisse bekannten The Losers - Verdammt, verkommen, verloren (1970), eines Frühwerkes vom später noch reüssierenden und sich halbwegs in der Filmgeschichte residierenden Jack Starrett, wobei die Geschichte von der (für's heischerische Marketing her superben) Prämisse nur minimal abgeändert wurde und natürlich im Szenario verändert platziert. Ist es im Original Kambodscha als Schauplatz des Kleinkrieges durch angeheuerte Söldner, so wird getreu dem Zeitgeist der Mitt-Achtziger das noch kommende Dschungelmassaker nach Vietnam, vom etwas anderen Rockerfilm komplett hinein in die Namsploitation verlegt. Gedreht von Cirio H. Santiago, der diese Sorte Film ausgiebig bedient hat und sowieso als Meister des preiswerten Actionfilmes gilt:
Zusammen mit dem Doppelagenten Trinh [ Archi Adamos ] stösst Lt. Vance Calhoun [ Brad Johnson ] mit seinem Team bei einer Begehung im feindlichen Gebiet eher zufällig auf eine Mine voller Gold, die allerdings von einem einheimischen Stamm und dies unter Führung des westlichen Chard [ Vernon Wells ] betrieben und bewacht wird, was prompt zu entsprechenden Konfrontationen und einigen Toten bei beiden Seiten führt. Calhoun kann mitsamt seinem Führer Trinh zwar fliehen, muss aber die beiden SoldatenMorey [ Eric Hahn ] und Sheryako [ Tonichi Fructuoso ] für den Moment in Gefangenschaft zurücklassen. Eine Befreiungsaktion ist vom Militär selber nicht genehmigt, da die Frist zu knapp und das Gebiet sowieso in einigen Tagen per Luftbeschuss 'ausradiert' werden soll, sein Vorgesetzter General Donipha [ Ken Metcalfe ] unterstützt ihn aber bei einem etwas seltenen Vorschlag. Calhoun will im Austausch für die Freiheit und die Belohnung des Goldes fünf derzeit (nach einer Prügelei mit der Militärpolizei) im Gefängnis einsitzende Mitglieder der Hell's Angels, darunter Larger [ Rick Dean ], Bonelli [ Mark Venturini ], Carmody [ Jeff Griffith ] und Turko [ Romy Diaz ] für den Ausflug rekrutieren; außerdem wird der befreundete Mechaniker Hickman [ Kevin Duffis ] akquiriert.
Immerhin muss man zugutehalten, dass Santiago in seinen filmischen Kriegsbündnissen noch so jede Sparte bedient hat und zuweilen innerhalb weniger Monate Unterschied im Drehzeitraum und Starttermin und trotz des scheinbar gleichen Setting immer mal einen anderen Ansatz und eine andere Form der Unterhaltung wählt. Hier wähnt man sich eingangs von der Prämisse her noch am Ehesten bei seinem Platoon ohne Rückkehr - The Expendables, in dem auch aus einem Lotterhaufen eine (militärisch) funktionierende Einheit im Kampf gegen die Vietcong formiert wird, und da eingangs auch noch ein anonymes Bergvölkchen, ein Eingeborenenstamm im Lendenschurz (und die weiblichen Stammesmitglieder barbusig) und mit Pfeil und Bogen gegen 'Charlie' vorgehen, fühlt man sich auch an die mit ähnlicher Unterstützung operierenden Jungle Force - Eye of the Eagle bzw. Blutiges Lang Mei - Eye of the Eagle 3 erinnert. An dem ist alles nicht.
Denn tatsächlich geht man wieder autarke Wege, wählt trotz einiger bekannter Gesichter in der Stammbesetzung und dort teils bessere Cameo wie beim Weggefährten Frederick Bailey hier auch eine andere Type von Darsteller, mit Brad Johnson bspw. und einen Vernon Wells eventuell auch sogar halbwegs prominente Namen, die man kennen kann und mit denen man die Klientel in den Videotheken auf dem ganzen Globus anspricht; zumindest die der Allesschauer, die auch in die Ecke abseits von Hollywood und in die Niederungen der Filmkultur gehen. Dabei muss man hier auch eine Geschichte erzählen oder zumindest aufbauen, so dass der Film zwar durchaus einen schnellen Start hat und um das Hauptquartier der Protagonisten hier schon nach wenigen Minuten die Knallfrösche gezündet werden und die Leichenhallen aufgefüllt, danach aber erst der eigentliche Film mit seiner selbstmörderischen Mission und das Bekanntmachen mit den im wahrsten Sinne des Wortes ungewöhnlichen Trupp an auch noch unwissenden Kriegsmissionären beginnt.
Johnson ist dabei erstmal der Hingucker, meint man, hat der Mann ja auch schon mal die Luft in den Lichtspielhäusern geschnuppert und bereits mit Leuten wie Spielberg oder später noch Milius und beim letzteren auch in einem eher verqueren Stück kriegerisch-abenteuerlichen Kintopps mitgespielt; ein Tom Berenger für Arme, dem der große Durchbruch nicht vergönnt war und der hier als Santiagoischer Recke sogar gegenüber dessen sonstige Wahl etwas abfällt. Gutes Aussehen bringt er mit, ordentlich gepumpt hat er auch, markige Sprüche bekommt er serviert, aber so richtig glaubhaft im Milieu verbandelt und sich wohlfühlend mit der Nase voran im Dreck und immer die Waffe im Einschlag gegen die gesichtslos heranstürmenden Feinde wirkt er nicht. Dafür, dass die verlauste Rockerbande den Krieg nur aus dem Fernsehen kennen, schlagen sie sich übrigens ganz tapfer, können nicht nur mit ihren Töfftöff-Knatterrädern durch das Unterholz pflügen, sondern auch mit der Waffe und den oftmals direkt neben ihnen einschlagenden Mörserbeschuss vom asiatischen Willkommenskomitee umgehen, und auch selber austeilen und nach dem Motto "Ein Schuss, drei Treffer" zielen. Santiago handhabt die Action flott, flotter als sonst gar, was nicht nur an den Feuerstühlen, sondern an einer gewissen Abwechslung bei den Scharmützeln, darunter viele große Explosionen, Stunteinlagen per Zweiradmaschine und dem Hantieren von Johnson mit dem Lasso und der Kurzläufigen liegt.