Review

Wider mal ein amigerechter Actioneer nach einer Computerspielvorlage, kinogerecht zurechtgestutzt von Deutschlands Meisterregisseur Uwe Boll.

Privatdetektiv in Personalunion Edward Carnby schleppt ein seltenes Artefakt der Abkani-Indianer in die USA ein und wird bald darauf schon vom ersten Bösewicht angegriffen, was dem Film Gelegenheit zu vielen Zeitlupen-Kampfsequenzen gibt, wie man sie immer gerne verwendet, damit es nicht in ein Schnittgewitter ausartet (das natürlich trotzdem später folgt).
Natürlich erledigt Carnby, der übrigens außer seinen Klamotten (und das sind immerhin nur Muskelshirt, Jeans und ein versiffter Ledermantel) und der Antiquität anscheinend nichts von seiner über dreimonatigen Reise mitgebracht hat, den Angriff mit Links und bald darauf erfahren wir, dass ein "verrückter Wissenschaftler" (das übliche Klischee, wenn einem keine andere böse Gruppierung einfallen will) es darauf abgesehen hat, 20 Waisenkinder mit bösen Schattenparasiten, jetzt natürlich nichtsahnende Erwachsene, nach seiner Pfeife tanzen zu lassen, um eine Horde von Schattenwesen zu erwecken, die über die Erde herfallen soll.
Genau dies haben die Abkanis versucht zu verhinden und sind dabei auch recht erfolgreich gewesen, wie wir alsbald von Edwards besorgter Ex-Freundin Aline Cedrack (oder immernoch-Freundin - so ganz scheint da keine Entscheidung gefallen zu sein, nachdem der gute Eddy sie über drei Monate alleine und ohne Nachricht Artefakte als stellvertretende Museumskuratorin hat katalogisieren lassen) erfahren.
Natürlich schlägt sie sich auf seine Seite und bekommt sofort eine Waffe in die Hand gedrückt, mit der sie - oh Wunder - auch auf der Stelle umgehen kann (wie leicht so etwas funktioniert, hat uns Uwe Boll bereits in "House of the Dead" beweisen können).
Was folgt ist ein einziges Geballer, in dessen Lichtblitzen mal kurz dunkle, an H.R. Giger erinnernde Kreaturen auftauchen dürfen, bevor die 19 Waisen als Untote ebenfalls noch ins Geschehen eingreifen (bis hier schwante uns bereits, dass nur Edward das 20. der Kinder sein kann).
Als auch noch Unterstützung von Carnbys Ex-Kollegen vom Bureau 13 für paranormale Phänomene auftauchen und ebenfalls den Kampf mit dickster Waffengewalt aufnehmen und Alines Chef (der natürlich der besagte Mad Scientist ist) als Besessener versucht, Herr der Lage zu werden, beginnt der längste Showdown der Action-Geschichte...

Sinn-Unsinn; Handlung - Action. Ungefähr so dürfte die Formel für einen, in Uwe Bolls Vorstellung, Garanten für einen tollen Kinoabend nach einer Spielelizenz aussehen. Natürlich folgt er damit nur dem bewährten Jerry-Bruckheimer-Rezept, nur dass dessen Protegee Michael Bay auch etwas von Action-Inszenierung versteht und so die gewaltigen Lücken in der Handlung geschickt kaschiert.
Leider kann das unser deutscher Export nicht so ganz nachmachen, denn als Action-Regisseur taugt er ungefähr soviel wie Woody Allan für Slapstick!
Mit der Lizenz "Alone In The Dark" und dem Grundgerüst von dessen 4. Teil um die Abkani-Indianer und die mysteriöse Erweckung von den Schatten auf einer abgelegenen Insel hätte er doch einen tollen Film landen können, wenn nur die Atmosphäre nicht derart zu kurz gekommen wäre und das Wort Logik eine Bedeutung gehabt hätte. Die Computereffekte und auch die paar eingestreuten blutigen F/X sind nämlich gar nicht so schlecht und die Darsteller hätten mit etwas mehr Anleitung und Spielfreude sicher auch ganz akzeptabel ausgesehen. Natürlich bleibt Tara Reid hier außen vor, denn dass sie eine Fehlbesetzung ist, wird zum ersten Mal klar, wenn man sie mit Klemmbrett und Brille im Museum erblickt (das ist bezeichnenderweise auch ihre allererste Szene im Film...) - zudem ist dies heute sogar Bolls persönliche Einschätzung (wohl zu sehr von ihrem Äußeren ablenken lassen,was?)

Möchte wirklich nicht meckern, denn nach "House of the Dead" war "Alone in the Dark" ein Schritt in die richtige Richtung und "Blood Rayne" wird hoffentlich noch einen Tick besser. Leider bin ich, was das Thema Edward Carnby angeht aber sehr empfindlich, erschien mir da ein breites Handlungsgerüst aus vier unterschiedlichen Spielen als gegeben, so dass man nicht einen x-beliebigen Actioneer aus der B-Movie-Ecke daraus hätte machen müssen. Ein bißchen mehr Arbeit am Drehbuch und wir hätten einen guten Grusler bekommen und Uwe Boll einen besseren Ruf!

Fazit: Actionlastiger Filmtrickgimmik für Schusswaffenfetischisten, die gar nicht genug von Tara Reids Hintern bekommen können (wenn auch diesmal nur in Kordhose) und vergessen können, dass etwas Atmosphäre Wunder wirkt - zumal es sich hier um einen Horrorfilm handel soll!!!

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