„Bilder lügen nie, sie überdauern Menschen“, vielleicht als Omen für die eigene Person zu verstehen, bei einem Film, an dem sich die Geister scheiden. Denn in ähnlich übertriebener Weise wie Fred Vogels „August Underground“ (der hier bei den SFX mithalf) geizt Nick Palumbo kaum mit expliziten Szenen, wenn auch mit anderen Mitteln. Sein Serienkiller ist einerseits ein glatter Typ, Modefotograf deutscher Herkunft (besetzt mit Modeltyp Sven Gadzimski), andererseits bringt er bestialisch reihenweise junge Frauen um, vornehmlich Models, Stripperinnen und Prostituierte. Sein Nazigroßvater ist für ihn ein Held, er fährt ein Musclecar, dem man die PS unter der Haube anhört und pumpt seinen Körper auf, Grund für sein Kindheitstrauma ist ein unerklärter Hass auf seine toten Mutter, die er in anderen Frauen immer wieder tötet. Vom bad ass „Henry“ trennt ihn ebenso viel wie vom smart ass „American Psycho“, an seinen overactenden Mackerposen kann man sich ebenso satt sehen, wie an den ganzen Silikonschönheiten, wenn man das denn mag. „In die Hölle zu kommen ist leicht, heraus zu kommen hart“ heißt es da in seinen meist nur oberfächlichen Ansichten. Kompliment für den guten Soundtrack, der von Electro bis zu breitbeinigen Gitarrenriffs stets passend wirkt, ansonsten macht Nick Palumbo einen seltsamen Spagat. Einerseits dreht er einen „richtigen“ 35mm Film mit einem Budget von über zwei Millionen, in dem Genreikonen wie Gunnar Hansen und Tony Todd in Nebenrollen zu sehen sind, andererseits verweist er auf seinen eigenen „Nutbag“ und damit auch auf jene Low Budget Streifen, denen es bislang vorbehalten war, eine ungeheure Ansammlung an expliziten Szenen als Extremexploitation in den inhaltlichen Mittelpunkt zu stellen. Technisch ist „Murder-Set-Pieces“ dementsprechend für eine Independentproduktion ungemein professionell, doch wen interessiert das vom eingefleischten Zielpublikum, das die Rauheit umjubelt. Bei aller polierten Optik kann es sich dennoch auf folgendes freuen: Alle paar Minuten Vergewaltigungen mit blutüberströmten Opfern, dazu ständiger Blutdurst des Killermimen, Blut, das die Wände rot färbt und ab und an zusätzliche Sauereien wie Folter oder Kindesmord. Und am Ende weiß man gar nicht mehr, was das alles soll, denn wirkt manches durchaus schockierend, ist es beim nächsten Nazi-Mumpitz schon wieder lächerlich, dann wieder brutal und dann wieder belanglos. Extrem ist dieser Streifen sicher, spannend allerdings trotzdem nicht, alles Bösartige in einer Figur zu vereinen scheitert am programmatischen Skandaloverkill, den Palumbo gar nicht nötig hätte. Für den netten Horrorfilmfan von nebenan ist das garantiert nichts, für den Splatterhead auch nicht, schließlich gibt die ausgebreitete Gore-Orgie keine Splattereien zum Besten. Was bleibt, sind viele Sexualmorde und ein lauer Hintergrund dafür, beides nutzt sich beim Betrachten durch den gleich bleibenden Spannungsbogen mit der Zeit ab. Die Proteste der Zartbesaiteten wären bei solch einem Provokationswerk eigentlich fehl am Platze, wären da nicht einige Gewaltszenen mit Kindern gedreht worden. Unter welchen Umständen fragt man sich ebenso, wie man stutzt, warum neben Tobe Hooper und Bill Lustig ausgerechnet Leni Riefenstahl im Abspann gedankt wird. Die Verwendung ihres Propangandamaterials aus dem Dritten Reich kann es wohl kaum sein, denn das war wohl kaum von ihrem verblendeten Schöngeist lizensiert. Dafür lässt es ein wenig in Nick Palumbos simple, um nicht zu sagen dumpfe Weltanschauung blicken, die er sicher mit seinem Produzenten namens Herman Goering teilt. So sind sie halt, können noch immer nicht korrekt "Kindergarten" aussprechen und machen einen auf Nazi.
Fazit: Als Exploitation eine sieben, als Abbild von Palumbos (toller Ariername auch) menschenverachtendem geistigen Zustand eine knappe eins. 1/10 Punkten