Die Geschichte eines Films muss nicht immer einen Sinn ergeben, manchmal sprechen Bilder für sich, man genießt eine angenehme Stimmung oder vielleicht einen Lieblingsdarsteller und die Welt des Betrachters ist in Ordnung.
Und dann gibt es die vordergründigen Streifen, die lediglich provozieren wollen, was zwar eine geschickte Form von Marketing darstellt, die Genrefans im Nachhinein aber reihenweise verärgert.
Das betrifft auch diese Independent Produktion, die ihrem Titel alle Ehre macht. Denn schließlich werden einem nur „Pieces“ vorgesetzt, eine Story findet sich nicht und zu allem Überfluss versucht man, mit skandalträchtigen Szenen das goregeile Publikum anzusprechen.
Da bin ich schon froh, nur die 90minütige, arg gekürzte Fassung überstanden zu haben, denn mehr Stumpfsinn kann der durchschnittliche Horrorfilmfan nicht ohne Nebenwirkungen hinnehmen.
Was passiert hier? Wir erleben einen traumatisierten Killer, im echten Leben Modefotograf, der jede Menge Frauen in sein Domizil lockt, um sie erst zu vergewaltigen und anschließend zu Tode zu foltern. Die junge Schwester eines seiner Opfer versucht, dem ein Ende zu bereiten.
Und was ist das für ein Typ? Er ist deutscher Abstammung. Und weil alle Deutschen Nazis sind, ist unser Anti-Held auch einer: Groß, blond, blauäugig, muskulös und ohne wahrnehmbare Emotion. Sein Blick ist starr und nur in adrenalingeladenen Momenten wechselt seine Sprache von Englisch zu Deutsch: Wenn das Tier im Mann durchkommt, die brachiale Ader, alles niederzumetzeln, was Frau und Feind darstellt.
Hintergrund wie immer: Die böse Mutter („ich habe dich 1000 mal getötet…“).
Aber eigentlich erfahren wir rein gar nichts von diesem Typen, genauso wenig über sein Umfeld oder seine Opfer. Macher Palumbo hatte offenbar eine grobe Vorstellung, welche Zutaten ein Skandalfilm benötigt und hat diese genauso grob und unbedacht zusammengewürfelt. Keine Charakterisierung, keine Storyline, keine Dramaturgie.
Eine talentfreie Montage inhaltsloser Szenen.
Konkret: Der Typ geht in den Nachtclub, beobachtet, Schnitt. Es wird unbarmherzig gevögelt (nichts Explizites) und dann sieht man eine Menge Blut und ein paar Wunden am Körper der Opfer. Der Kerl hat, warum auch immer, eine Freundin, der offenbar auch eine junge Schwester (ca. 10 oder 11 Jahre alt) angehört. Das Kind steht der Beziehung von vornherein misstrauisch gegenüber und deshalb tritt sie beim unspektakulären Showdown gegen den Unhold an.
Doch es tun sich im Verlauf jede Menge Fragen auf. Warum wird während einer Horrorvision des Killers der Einschlag im World Trade Center eingebunden, weshalb tötet er plötzlich ein unbeteiligtes Kind und warum spornen ihn Liegestütze während einer ollen Hitler Rede dermaßen an? Wofür die Gastauftritte von Leatherface Gunnar Hansen als Nazi und Knarrenverkäufer und Tony Todd als Sexshopbesitzer (die Szene an sich ist die einzig brauchbare im kompletten Film)?
Da habe ich sogar Pornostar Crissy Moran entdeckt, die sich in einer 12-Sekunden Sequenz beim Lesbenspiel vom Killer fotografieren lässt, - aber alles umsonst, da mir als Betrachter der Sinn des Ganzen überhaupt nicht einleuchten will. Blut und nackte Haut ohne Aussage.
Dazu gesellen sich lahme Flashbacks, die zeigen sollen, dass der Killer bereits als Kind nicht alle Tassen in der Reihe hatte. Von wegen, auf Puppen einstechen und schließlich die eigene Mutter umnieten. Das soll bereits die Erklärung für den Psycho sein? Und woher die Verherrlichung vom dritten Reich? Wofür die ganze Nazi-Scheiße, wenn man sie nicht fundiert begründen kann? Schwarz-Weiß-Malerei, alles klar, macht, was ihr wollt. Nennt während des Abspanns von mir aus auch Himmler und Goebbels als „Executive Producer“, der schlechte Geschmack kennt halt kaum Grenzen.
Doch für mein Empfinden werden hier in der Tat hinnehmbare Grenzen überschritten.
Da mag man vielleicht eine Elfjährige abstechen und verbluten lassen, weil die Darstellerin an der Szene sichtliche Spielfreude zeigt und man wahrscheinlich keinen bleibenden Schaden vom Dasein am Produktionsset erwarten kann, doch eine andere Szene stößt hier wirklich bitter auf.
Da schreitet der Irre mit blutverschmiertem Gesicht zum Gitterbett eines Kleinkindes, nimmt dieses schreiende Etwas heraus, starrt es grimmig an, damit es in der folgenden Einstellung zur entstellten Leiche der Mutter läuft und noch ein wenig lauter brüllt. Hier hört der Spaß deutlich auf, denn das erinnert stark an Szenen aus „Cannibal Holocaust“. Als Moralapostel halte ich mich nur solange zurück, soweit Beteiligte alles im kompletten Einverständnis mit dem Regisseur vollziehen, was ich hier stellenweise nicht erkenne.
Was sich am Ende erkennen lässt, ist dürftig. Denn hier steht nichts anderes als Provokation im Vordergrund, was zahlreiche Szenen beweisen, die im Kontext keinen Sinn ergeben.
Nichts für Splatterfanatiker und nichts für Freunde des Serienkiller-Movies, einfach nur Crap.
1 von 10