Zwischen den Welten von Amerika und Asien schwankendes, aus dem Kontrast von Träumen und der Gegenwart auch seine Kraft beziehendes Actiondrama, deren Figuren letztlich allesamt unter das Räderwerk der scheinbaren Zivilisation geraten. Der scheinbare Ausweg aus einem Umzug von einem Leben in das andere führt hier nur zu neuer Einsamkeit und auch genauso zu einem neuen Kampf um das Überleben, wobei das westliche Chinatown als auch das Heimatland Hong Kong jeweils nur ein Totenreich im existentiellen Sinn darstellt, mit seinem gleichen Diktat und auch dem gleichen Schicksal.
In einem durchaus eindringlichen Erleben wird die eventuelle Aufbruchsstimmung der geographischen und auch filmischen Übersiedlung von Ost nach West ab der Mitte der Achtziger Jahre letzten Jahrhunderts ad absurdum geführt, sinnbildlich mit dem Aufgriff der realen Ereignisse der Wah Mee Morde am 18.02.1983, ein Gemetzel, das dreizehn Tote forderte und deren Täter noch heute ihre verdiente Strafe abbüßen. Die erste Zukunftshoffnung schnell und dann auch unerbittlich mit allumfassenden Pessimismus wie unter einem Säurebad in ihre Bestandteile aufgelöst und vernichtet. Eine tragische Endlichkeit von Unterdrückung und Entwürdigung, in der einzig das Feld der Kriminalität erblüht:
Seattle, Washington.
Der junge Joseph Wong [ Daniel Tang ], in die USA abgeschoben von seinem die falsche Fürsorglichkeit lebenden Vater Wong Chi-kwan [ Kenneth Tsang Kong ], schliesst sich mangels Leitbild der teils auch mit Vietnamesen bestückten Kleinkriminellengang um Shan Tung-shing [ David Lam Wai ] an. Nach einigen harmloseren Aktionen überfällt er mitsamen einiger Kompagnons eine illegale Glücksspielschmiede, wobei sämtliche anwesenden Zeugen gnadenlos der Garaus gemacht wird. Vom ermittelnden Polizisten Sergeant Michael Dicker [ David Heavener ] ebenso eifrig gesucht wie von den Betreibern des Wettbüros, die ein höchst brisantes, auch aufstrebende Politiker belastendes Datenbuch vermissen, fliehen Wong und Shan zurück nach HK, wo sich beide in der Bäckerei von Kwan und dessen Freunde Ah Sing [ Lee Man-tai ], Cheung [ Fan Mei-sheng ] und Lung [ Jason Pai Piao ] verstecken wollen. Doch die Hintermänner um Kokaindealer Cheung Siu-tung [ Ku Feng ], der sich auch der Unterstützung des korrupten Polizeiinspektors Yu [ David Chung ] vergewissern kann, haben längst ihre Killer [ Shinichi Yihara & Hwang Jang-lee ] losgeschickt.
Der interessanteste Aspekt neben der Heranführung an tatsächliche Ereignisse stellt sicherlich die Umarbeitung des Filmes über Jahre hinweg in zwei nach dem Start komplett unterschiedlichen Versionen dar. 1985 das von Michael Jue Mai-go unter CPQ International Film Productions / Promark Entertainment Group [de] im Alleingang gestemmte Chinatown-Connection, welches auch mit den Alternativtiteln Massacre und The Border of Tong floriert, und sich auf die Suche des Polizisten nach dem nach Kanada abgesetzten Tatverdächtigen und dessen dort kurzzeitig gefundenen Liebe zu einer Prostituierten konzentriert. Und vier Jahre Ablauf später die hiesige eher in das Bloodshed-Genre hineinragende Konversion durch die Regisseur Yuen Cheung-yan beauftragenden D & B Films Co. Ltd. [hk], indem nahezu einzig der Beginn überbleibt; der halbstündige Ausflug in das Gelobte Land, welches hierbei zwar weniger in Außensettings und dann auch nur oft unabhängig von den Darstellern und vielmehr rein als anonymer establing shot präsentiert wird, sich aber dennoch auf die Filmemacher und ihren Ausdrucksmöglichkeiten und nachwirkend die Rezeption bemerkbar gemacht hat.
Sowieso ist die Sprache der Inszenierung in ihrer porentief verschlossenen Stilmanier eine im Detail andere als gerade auch von den im gleichen Zeitraum doch sich häufenden Blicken nach dem Exilort USA [ A Better Tomorrow 2, The Master, Guns of Dragon usw. ], die der neuen Umgebung oft nur eine leicht lächerlich anmutende Vorläufigkeit und gewisse kecke Improvisation entziehen vermochten und sich sonst eher aufgrund der Kompromisse der Formulierung von Actionszenen ergaben. Hierbei wird weniger um die Selbstverwirklichung gerungen als sich vielmehr der Situation angepasst und das Ganze zumindest in den einleitenden 30min auch wie gefühlt weit fernab des Interesses individueller Freiheit erzählt. Sind die Hoffnungen auf eigenständiges Glück schon längst untergegangen, wird sich dennoch in seiner eigenen Privathölle und jenseits der Verzweiflung an das notwendige Tun gemacht; eine Maßnahme, die noch schlimmeres Unheil hervorbringt als die Zustände, vor denen man einst geflüchtet ist und die nicht umsonst auch zur Rückkehr in die alte Heimat und so der Wiederherstellung der alten Ordnung, sprich der Wahl der Waffen und dem Gang in die Zwischenkriegszeit zwingt.
Dabei gehen die mit der Umsetzung der Action Choreographie beauftragten Baan Yun-sang und Chin Yuet-sang ungewöhnlicherweise für derlei Terrain vom Gangstermilieu gar nicht von dem Einsatz schwerwiegender Konsequenzen heroischer Größe oder gar dem anregenden Präsentieren von Akrobatik und Artistik in Vollendung aus. Zur Martial Arts lastigen Zersörung verführt wird man erst gegen Ende dieses emotionalen Begrenztheitsfeldes; zuvor, über weite Strecken wird sich, wenn überhaupt, nur mit Worten duelliert, erreichen die wenigen Einsätze nicht nur kaum reelle Ausbreitung als auch nicht das rasche, freiheitshungrige Springteufel-Tempo handelsüblicher Bloodshed-Kost. Eine Autojagd nach einem fingierten Kokaindeal auf den nächtlichen Straßen der Großstadtmetropole ist eine bessere Ausrede für eine gemäßigte Landpartie, die nicht einmal mit der Andeutung von bevorstehenden Kollisionen oder wenigstens dem Druck auf das Gaspedal hausieren geht. Das Massaker im Wettbüro ist alles andere als eine erfreuliche Angelegenheit und die diversen nachfolgenden Verhaftungen durch die Polizei werden auch nicht als Anlass für fäusteschwingendes und knochenbrechendes Spektakel in naiv-theatralischer Unschuld, sondern schlicht und mit kritischer Distanz für die Dramaturgie genommen. Streng formalistisch, wie versteinert und fühllos die Montage, menschlich kontaktlos die Begebenheiten.
Vermauert, verriegelt und verrammelt sind die Aufstiegschancen, wenn man mit Moral an die Angelegenheit herangeht; ein Paradox der zwischendurch verlorengegangenen Identität, die die Älteren in der Geschichte zwar zeitweise wiederaufbauen können, den Jüngeren aber niemals gegeben war und so auch niemals erreichbar ist. Besonders Joseph ist ständig außen vor, in den Vereinigten Staaten genauso verloren wie im verlassenen Hong Kong und später im zweiten Neuanfang Kanada, wobei sich typisch für den Film sein Klassenkampf auch nur in der eigenen gesellschaftlichen Schicht [oder eher noch darunter] stattfindet. Statt den Blick nach oben und nach vorn auf die Zukunft zu richten, oder die Leiter mitschöpferisch emporsteigen zu können, muss sich vielmehr in negativer Revolte der nachdrängenden und ähnlich schwammigen Schar [ Hier: eine Handvoll aufmüpfiger Afroamerikaner. Dort: ein in die Arbeits- und Obdachlosigkeit abgerutscher white trash Trupp] erwehrt werden.