Oh Gott, ich hatte ihn fast verdrängt! "Sabine S. - Durch Liebe weg vom Stoff", dessen Originaltitel seine Heroin wie ein fleißiger Zelluloidzuhälter als "Une Femme speciale" anpreist ist ein Film, den ich peinlicherweise in Begleitung meines Vaters im Rahmen einer ominösen Überraschungs - Doppelvorstellung in einer landesweit berüchtigten Filminstitution sehen musste. Das hat man davon, wenn Mutter Worthmann einen Tag ihre verdiente Ruhe vor dem männlichen Teil des Haushaltes einfordert und Klein Klaus zum Mitnehmen des Vaters ins Kino verdammt. Was als amüsantes Doppel mit einem Dolph Lundgren - Actioner begann endete dank Karin Schubert und Regisseur, Drehbuchautor und Stecher Jean - Michel Pallardy in einem der beschämensten Momente meines Lebens, in welchem ich die Architekten besagten Kinos verdammte. Grund: Der Erdboden wollte sich beim besten Willen nicht öffnen, um mich darin versinken zu lassen.
Vom traumatischen Potenzial des Stoffes einmal abgesehen hält sich der cineastische Wert dieses Bades im sexuell aufgeladenen Drogensumpf in den überschaubaren Grenzen einer französischen Fischerhütte. Dort, wo sich die frische salzige Meeresbrise und der schwere Duft ungewaschener Aale und Austern um die neugierigen Nasen ebensolcher Touristen balgen entfaltet der Film ein Drama, dass ein syphillöser Heimatdichter im finalen Delirium vor dem Ableben nicht besser diktieren können. Ja, wieder einmal ist der Unterhaltungswert ein äußerst unfreiwilliger, aber das soll niemanden davon abhalten, diesen Film genießen zu dürfen. Auch, wenn das Vergnügen auf vielen Heimveröffentlichungen erfahrungsgemäß ein sehr asynchrones ist. WIe im Kino übrigens auch.
Heroin, also Heldin, des Filmes ist die hübsche Dealerbraut Yasemine, eine fleißige und kesse blonde Biene, die Logistik - und Kreditpflichten für ihren Mann auf sich nimmt wie keine andere. Oder anders formuliert: sie schmuggelt Drogen und vögelt gelegentlich Schulden für ihren Männe ab. Der dankt es ihr mit Fremdgang - welcher Möchtegern - Scarface macht das nicht? - weshalb unsere Heldin gar wilde Abwege einschlägt: die sonst so selbstbewusste junge Dame, die so von sich überzeugt ist, dass sie sich morgens im Badezimmerspiegel erst mal selbst den Frankfurter Applaus gibt, fällt in ein emotionales Loch und versenkt gekränkt erstmal eine ordentliche Dopefuhre im Meer. Ja, liebe Kinder, damals hatte man noch ganz andere Probleme als Mikroplastik: Flipper hängt noch heute an der Nadel.
Einen mitfühlenden Schlag in die Fresse wieder findet sich Yasemine in der obhut eines feschen Fischers, der ihr erst einmal eine Entzugskur mitsamt Sport und harter Arbeit im Familienbetrieb verordnet. Der Rest Rauschgift, der noch in Hirn und Blutbahn zirkuliert, wird der feschen Fixerin übrigens am Strand zwischen tosenden Wellen zur Fontanelle herausgevögelt. Die Ertrinkungsgefahr durch die Wellen gestaltet das zwar sehr stressig für unser Blondchen, zeigt aber Wirkung, tritt diese im zweiten Filmdrittel doch frisch und geläutert, vor allem aber als funktionierendes Gesellschaftsmitglied in Erscheinung. Da liegt es nur nahe, dass Fischers Fritzl nun an Ehelichung denkt und auch die Vasallen des geprellten Ex - Mannes seine Meinung nicht ändern können.
Herr Pallardy machte es sich mit dem Film sehr einfach: nicht nur schreibt er sich selbst die männliche Hauptrolle und das Schnackselvorrecht mit Karin Schubert auf den Leib (verübeln kann ich es ihm nicht), er wirft seine Netze auch gleich noch im Fahrwasser des Christiane F. - Skandals aus, der im Vorjahr nicht nur Westdeutschland schockierte. Dabei ist Herr Pallardy allerdings sehr inkonsequent, wie der Film beweist: Die Mafiaschläger sind bestenfalls milde Ärgernnisse mit begrenzter Bedrohlichkeitskompetenz und Yasemines kalter Entzug ein Spaziergang, in etwa vergleichbar mit einer milden Erkältung. Das macht ihre Ergebenheit ihrem Retter gegenüber umso absurder und beschert eine absurde Schlüsselszene, die im Softsex - Sektor ihresgleichen sucht: eine esoterisch anmutende Arbeitsmontage vor Hafenkulisse, untermalt mit "Amazing Grace" - eine recht fromme Wahl für einen Film, der sich vornehmlich der Biotopschaffung für den gemeinen Lustmolch verschrieben hat.
Der kommt hier im Heimkino dank einiger Hardcoreeinschübe durchaus auf seine Kosten, während das Kino darauf verzichtete. Gut so: weitere klaffende Abgründe braucht man in oben beschriebener Situation nicht, egal, wie erhebend der Anblick Brigitte LaHaies auch sein mag. Ich liebe sie ja in allen Bekleidungs - und Begattungsstadien.
Prinzipiell kann man jedem, der mit Weichzeichnerblick durch's Leben taumelt und eine ordentliche Portion postpubertärer Naivität in seinem Porno zu schätzen bleibt diese DVD in die Hand drücken und sich danach auf die Schulter klopfen, weil man eine simple Existenz um ein simples Vergnügen bereichert hat. Auch jene, die über so viel Unschuld und künstlerisches Unvermögen nur lachen können dürfen mehr als beherzt zugreifen, wenn sie auf das warme Gefühl in der Lendengegend verzichten können. Wer hingegen die holde Weiblichkeit so weit gespreizt braucht, dass man bis zu den Mandeln durchschauen braucht ist mit dem Spätwerk der Frau Schubert weitaus besser beraten. Für mich wiederrum reichte der einmalige "Genuss", der mir immer noch hochrote Flashbacks beschert, vollkommen aus, wobei ich nicht ausschließen kann, dass der Film nicht auch in meiner Sammlung landen wird. Höchstwahrscheinlich, damit mein Psychologe endlich versteht, was falsch mit mir läuft.