Review

Ja, ich weiß, das ist erstens nicht Youtube und zweitens wird seine Familie es wahrscheinlich nicht lesen. Und dennoch möchte ich als Bewunderer seiner Stimme drauf verweisen, dass Friedrich Georg Beckhaus, der hier Tom Towles seine Stimme leiht, vor einem Monat von uns ging. Möge er in Frieden ruhen und wissen, dass ich ihn immer gerne gehört habe. Nun zur eigentlichen Review:

Abgesehen von den 2010ern verging seit seinem Filmdebut 1968 kein Jahrzehnt, in dem George A. Romero nicht seine Zombies auf die Menschheit loslies. Zugegeben: 1990 ließ er uns stellvertretend durch seine Kumpel und Effekthascher Tom Savini den selben Film wie vor 22 Jahren servieren, aber für mich zählt das trotzdem. Das Resultat dieses Vertrauensbeweises ist im Übrigen eines der besten Horror-Remakes, die ich gesehen habe und zeigt, dass die perfekte Balance zwischen Neuinterpretation und Shot for Shot-Remake durchaus möglich ist.

Den Film habe ich im Übrigen auch mal wieder über einen recht langen Zeitraum auf die lange Bank geschoben, bis eine gute Freundin mich mit ins Kölner Filmhaus nahm, wo ein lokaler Cineastenverein den Film in einer grauzonigen Doppelvorstellung mit "Zombies unter Kannibalen" zusamnenzeigte. Und das, ohne die Titel verschämt zu verstecken. Hat damals scheinbar keinen mehr gekümmert, dass beide mal beschlagnahmt waren. Jedenfalls sah ich den Film dort und war begeistert. Noch begeisterter war ich, als ich bei einem Hamburgtrip im sagenumwobenen "Gore Store" ein Mediabook fand (dass sich als Bootleg entpuppte, aber was erwarte ich auch von einem Laden aus dem Schnaasumfeld? Naja, besser als nichts) und wenige Jahre darauf ENDLICH eine legitime Blu Ray in Händen hielt. Zugegeben, an Bild - oder Tonqualität hat sich nichts geändert. Naja, soviel dazu, wie lange der Film mich begleitet.

Wie bereits im Original sind es die Geschwister Barbara (Patricia Tallman, nicht verwandt oder verschwägert) und Johnny (Bill "Chop Top" Mosley), die diesmal Blumen auf Muttis Grab legen wollen und dort (wieder mal) mit Untoten aneinandergeraten. Auch hier entkommt Barbara, während Johnny im Kampf gegen einen Zombie unterliegt und trifft auf Ben (Tony Todd, der spätere "Candyman"), mit dem sie sich zusammen in einem Bauernhaus versteckt, dass einst dem Onkel des gutherzigen Jungrednecks Tom gehörte.

Der versteckt sich originalgetreu mit Freundin Judy und der Familie Cooper im Keller, die wie Barbara auf dem Land gestrandet sind, aber im Gegensatz zum Rest der Bagage keinen Willen zur Kooperation zeigen - respektive keinen Willen, gegen den eigenen Ehegatten aufzubewahren und trotzdem zu helfen. Gefühlt sogar noch weniger als im Original.

Und auch 22 Jahre nach dem Original bricht die Menschheit von Innen heraus zusammen, nur lauter und zumindest für Barbara etwas emanzipatorischer.

Das sind zwei der auffälligsten Änderungen am Original. Zuerst zur unerfreulichen Seite der Medaille: der Film ist (trotz des eher dumpfen Tones, der aber scheinbar schon im Kino ein Problem darstellte) stellenweise nur mit Oropax zu ertragen, denn der (im übrigen mal wieder hervorragend synchronisierte) Diskurs des Originalfilmes ist hier um einiges lautstärker. Vor allem Tom Towles'Version von Familienvater Harry brüllt dem Zuschauer mit der Leihstimme von Friedrich Georg Beckhaus das Trommelfell in Fetzen und auch Heike Schrötter, die bereits in "Zombie 2" die weibliche Protagonistin eindeutschte steht dem in Nichts nach.

Erfreulicher, wenn auch nicht ganz unkritisch zu sehen, ist da Barbaras Wandlung im Skript: die einstige Damsel in Distress kommt zu Beginn arg wehrlos daher, geht aber im Laufe des Filmes durch die Ellen Ripkey-Schule des Feminismus und boxt sich durch den Film, ohne aber den Ubermenschen zu spielen: auch später noch zeigt sie Zweifel und emotionalen Stress, was ihren allmähliche Abstumofungsprozess um einiges überzeugender und vor allem schmerzhafter macht. Das Fräulein IN Nöten ist nunmehr eine Frau MIT Nöten, aber zumindest nicht komplett hilflos und Ben ein ebenbürtig Mitstreiter. Auch Tom und Judy bekommen mit ihrer erweiterten Bildschirmpräsenz mehr Tiefgang und Persönlichkeit spendiert. Im Übrigen hat man sich optisch weitgehend am Charme des Originals orientiert und mutmaßlich das Remake in der selben Zeit angelegt. Bis auf ein paar wenige Aspekte könnte alles als colorierte Fassung des Filmes durchgehen, wobei Savini selbst ein ordentliches Effektupdate durchgeführt hat.

Einzig die Filmmusik kommt von einigen Stücken einmal abgesehen recht lasch daher, was bei der hohen Qualität des Werkes aber nicht weiter ins Gewicht fällt.

Faszinierend, was es ausmacht, wenn man in einer Gleich nur an einer handvoll Variablen dreht: das Ergebnis ist das selbe, aber unter veränderten Vorzeichen. Besonders deutlich wird das am Ende, dass dem selben zynischen Schlusssatz des Originals einen anderen (in gewisser Weise befriedigenderen) Kontext verpasst. Hier werden nicht allzu viele Weichen gestellt, aber genug, um Altfans nicht zu langweilen oder mit allzu krassen Abweichungen vom Fahrplan zu vergraulen. Selbstverständlich musste sich auch dieser Film dem Plan der BPjM, die österreichische und niederländische Wirtschaft anzukurbeln, beugen und bekam daher das Liste B-Gütesiegel, dass er aber vor einigen Jahren erfolgreich abstreifen durfte. Seitdem dürfen sich auf wieder mündige Bürger an der ungeschnittenen Fassung des Filmes erfreuen und Schwarzweißmuffel haben nun keinen Grund mehr, den Streifen zu ignorieren. Auch, wenns schon längst eine Farbfassung des Originals gibt, aber das ist 'n ganz anderes Thema. 

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