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"The Lord of the Rings goes Swizerland". So oder so ähnlich hätte wohl ein Werbeslogan für diesen schweizerischen Kinohit lauten können. Kaum war die Jackson-Verfilmung der Tolkien-Saga gegessen, wollten die Schweizer endlich auch mal einen Riesenhit landen und was wäre da besser und wirkungsvoller, als die höchst erfolgreiche Filmreihe nun nach Strich und Faden zu verarschen. Und damit das Ganze dann auch noch einen besonderen Touch kriegt, wird im Film durchgängig in schweizer Mundart gesprochen, was es so konsequent bis heute nur selten oder vielleicht noch gar nicht hab. Herausgekommen ist dabei allerdings ein Film, den man hierzulande mit "Der Schuh des Manitu" vergleichen könnte. Denn wie über den Manituschuh eigentlich nur die Deutschen richtig Lachen können, so kann "The Ring Thing" anscheinend nur in der Schweiz richtig punkten.

Hierzulande dürfte die Geschichte um einen Bankangestellten, der seinen Verlobungsring über dem Alpenland Mittelerde verliert und dort nun in einen Kampf zwischen Gut und Böse gerät, kaum hinter dem Ofen hervorlocken. Auf 80 Minuten getrimmt, wird hier wirklich die komplette "Herr der Ringe"-Saga durch den Kakao gezogen und das nur selten mal auf eine wirklich witzige Art und Weise. Es geht also, wie schon gerade erwähnt, um den Bankangestellten Fredi, der seiner Freundin endlich einen Heiratsantrag machen möchte. Doch durch ein blödes Missgeschick verliert er den Ring bzw. stürzt er mit dem Ring in das Bergtal Mittelerde, wo er auf merkwürdige Kreaturen und Zauberer trifft, die ebenfalls auf der Suche nach einem Ring sind. Verwirrungen sind also vorprogrammiert... Etwas muss man den Machern ja doch lassen, sie haben zumindest versucht, all die bekannten Figuren und einprägsamen Stellen der Tokien-Trilogie in ihre Verwurstung einzubauen. Leider bleibt dabei aber halt die Geschichte wirklich komplett auf der Strecke und bietet nur den allseits bekannten Aufhänger, für die nun folgende Witzeflut.

Und diese hat zu Beginn auch durchaus das Potenzial, die ähnlich hohen Gag-Qualitäten eines "Der Schuh des Manitus" zu erreichen, wenn auch mit dem Gang auf der vollkommen entgegen gesetzten Schiene. Denn wo "Der Schuh des Manitu" in jeder Hinsicht probiert, auf inszenatorisch höchstem Niveau zu agieren, setzt "The Ring Thing" ganz bewusst auf Trash! So sind die Wolken, Bäume und Hintergründe nur Papphintergründe, bzw. wurden die Papphintergründe im Computer generiert, was einen wunderbaren Spagat zwischen Uralttechnik und modernster Animation bietet. Des weiteren ist der böse Ring hier nichts anderes als Käse und auch sonst werden mitunter die wirklich deftigsten Trashwerkzeuge ausgepackt, so dass man den Streifen nun fast auf trashiger Schiene genießen könnte.

Doch leider ist dem nicht so. Denn die Gags sind größtenteils nicht nur trashig, sondern auch platt, extrem platt um genau zu sein und zudem so was von zeitlich ungeschickt gesetzt, dass die komödiantischen Höhenflüge eines Bullys in weiter Ferne zu sein scheinen. Es geht grob kalauerisch zu und kaum ein Witz kann als ordentliche Parodie auf das große Vorbild gehandelt werden. Fäkalhumor bleibt dabei zwar glücklicherweise weitgehendst auf der Strecke, sprich alle Pups- und Pipi-Kaka-Witze kann man an einer Hand abzählen, aber wenn die Jokes nun mal nicht richtig sitzen und immer an der ungünstigsten Stelle der gerade unpassendste Witz gebracht wird, dann ist es schon ein wenig mühsam, sich über den ein oder anderen doch ganz gelungen Joke zu freuen, als da wären z. Bsp. die Spielereien mit dem Höhlentor oder die gelungene Verarsche auf die Ringgeister. Wahrscheinlich muss man doch ein Schweizer sein, damit man darüber wirklich lachen kann.;)

Was den Dialogwitz angeht, hat man es als Deutscher natürlich ebenfalls recht schwer, wirklich mitlachen zu können, denn seien wir mal ehrlich, kaum einer, der nicht schon mal für längere Zeit in der Schweiz gelebt hat, versteht den Film ohne größere Probleme. Die deutschen Untertitel bzw. die hochdeutsche Synchro bringen zwar schon so manches in verständlichem Deutsch zu Tage, doch so richtiges Brüllerpotenzial ist dabei auch nicht raus zulesen bzw. zu hören. Für das konsequente durchziehen des Filmens in schweizer Mundart muss das Team allerdings dennoch gelobt werden und darin ist wohl auch der Hauptgrund zu finden, weshalb der Film in der Schweiz alle Rekorde brach.

Was die Darsteller angeht, so hat man es hier größtenteils ebenfalls mit Leuten zu tun, die man hierzulande kaum kennt, was aber nicht weiter stört. Erstaunlich gelungen erweist sich allerdings maximal Edward Piccin, der seinem amerikanischem Vorbild Elijah Wood nicht nur wie aus dem Gesicht geschnitten ähnelt, sondern auch wunderbar seine Mimik und Gestik nachzueifern versucht. Die tolle Perücke hilft dabei natürlich ebenfalls ungemein. Ganz anders dagegen seine Kollegen, die mit ihren Vorbildern nun gar nichts gemein haben und es auch nicht wirklich schaffen, eine perfekte Parodie, auf die jeweils einzelnen Figuren, zu geben. Schade!

Fazit: "The Ring Thing" ist im Grunde nichts anderes als ein höchst erfolgreicher Film aus der Schweiz, der aber über die Landesgrenze hinaus wohl nirgendswo auf wirklichen Anklang stoßen kann. Dafür sind die Gags, selbst für deutsche Verhältnisse, viel zu platt und mit einem derartig schlechten Timing versehen, dass sie kaum das Wirkungspotenzial entfalten können, was sie wohl in der Schweiz inne hatten. Die schweizer Mundart ist dabei ebenfalls recht hinderlich, was jetzt aber kein wirklicher Kritikpunkt ist, da der konsequente Durchzug eigentlich lobenswert ist. Somit sei der Film allen Schweizern empfohlen und Fans die mit richtig hartem Trash etwas anfangen können. Alle anderen halten sich dagegen lieber fern!

Wertung: 4/10 Punkte

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