"Ich wollte nur sehen ob die Welt sich wirklich verändert."
Der Sozialkundelehrer Kevin Spacey gibt seinen Schülern zum Beginn des Schuljahres eine ganz spezielle Aufgabe auf. Sie sollen einen Plan entwickeln, um die Welt zu verändern und diesen in die Tat umsetzen. Der Schüler Haley Joel Osment nimmt diese Aufgabe besonders ernst. Er entwickelt ein Glücksprinzip, nach dem er 3 Menschen etwas Gutes tut und diese Menschen jeweils 3 anderen Menschen etwas Gutes tun müssen. Seine erste Idee ist es, seine alkoholkranke Mutter Helen Hunt mit seinem einsamen Sozialkundelehrer zusammenzubringen.
Die Story ist sehr innovativ und einmalig. Die Idee mit dem Glücksprinzip ist hervorragend und macht den Film einzigartig. Die Charaktere haben Tiefe, sind aber alle ein wenig zu extrem und damit zu stark überkonstruiert worden und wirken ein wenig gekünstelt, auch wenn sie dies um so liebenswerter macht. Die Wendungen sind teilweise ein wenig vorhersehbar, aber größtenteils ordentlich gemacht.
"Mein Leben ist mir vertraut. Mein Leben ist - es ist machbar - es ist
machbar, jeden Tag. Jeden Tag habe ich etwas zu tun. Ich kenne es nicht
anders und darin liegt eine Routine"
Der Film läuft, wie bei Dramen üblich, ein bisschen langsam an, entwickelt aber schnell einen soliden Unterhaltungswert. Bei der Umsetzung besonders gut gelungen ist der ständige Wechsel zwischen dem eigentlichen Geschehen und der Darstellung der Auswirkungen des Glücksprinzips. Der Mittelteil ist ebenfalls gut, überaus emotional, ohne in Gefühlskitsch zu verfallen und wird stellenweise sogar spannend. Das Finale ist leider stellenweise ein wenig zu melancholisch und kitschig, wobei die guten Darsteller, die ehrliche Gefühle vermitteln, verhindern können, dass der Film vollends in den Gefühlskitsch abrutscht.
Die Filmmusik ist ordentlich gewählt und passt sich der jeweiligen Stimmungslage gut an. Stellenweise ist aber auch sie zu melancholisch.
Die Atmosphäre ist größtenteils barmherzig und warm. Der ganze Films strahlt die ganze Zeit über eine große Wärme aus. Regisseurin Mimi Leder leistet alles in allem bei Atmosphäre und Musik gute Arbeit.
"Die Welt ist nicht so richtig beschissen. Aber ich glaube es ist schwierig für manche Menschen, die so daran
gewöhnt sind wie die Dinge eben sind, selbst wenn sie schlimm sind,
sich zu ändern. Und dann geben sie auf. Und wenn sie das tun, dann verlieren alle."
Kevin Spacey spielt gewohnt gut. Er spielt die Person des leicht verbitterten Sozialkundelehrers hervorragend. Der doppelte Oscar-Preisträger stellt einmal mehr unter Beweis, dass er zu den besten Darstellern der Welt gehört und spielt seine Rolle mit der gewohnten Hingabe. Oscar-Preisträgerin Helen Hunt spielt ebenfalls hervorragend und harmoniert sehr gut mit Kevin Spacey. Sie zeigt echte Gefühle und haucht ihrer Figur leben ein. Haley Joel Osment kann trotz seines Alters von gerade einmal 12 Jahren mit den beiden Oscar-Preisträgern mithalten. Seine Darstellung ist sehr gelungen und überaus emotional. Er kann unter Beweis stellen, dass er zu den vielversprechensten Nachwuchsdarstellern in Hollywood gehört. Die übrigen Nebendarsteller, zu denen unter anderem Jon Bon Jovi und James Caviezel gehören, spielten ebenfalls ordentlich.
Objektiv betrachtet mag der Film nicht unbedingt 9 Punkte rechtfertigen, auch wenn er ohne Zweifel überdurchschnittlich gut ist, aber mir persönlich gefällt er überaus gut.
"Und das soll alles sein, was Du willst, deinen verdammten machbaren Tag."
Fazit:
"Das Glücksprinzip" ist eine hervorragende Goodwill-Geschichte, die größtenteils echte Gefühle und einige interessante Schicksale vermitteln kann. Die Charaktere sind liebenswert und sind herrausragend konstruiert und werden durch die ausgezeichneten Darsteller exzellent gespielt. Der einzige Dorn im Auge bleibt das kitschige Ende.