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„Bee Season", oder „Die Buchstabenprinzessin", wie der deutsche TV-Titel heißt, ist ein weiterer Film des Fox Searchlight Pictures Studios, das sich den kleineren, unscheinbareren Filmen widmet, denen oftmals nicht die Aufmerksamkeit geschenkt wird, die sie möglicherweise verdienen. „Bee Season" erschien in Deutschland als Videopremiere und wird den meisten wohl am ehesten noch im Fernsehen begegnen - und das trotz der auf den ersten Blick ordentlichen Besetzung mit Richard Gere und Juliette Binoche.
Verdient dieser Film jedoch diese Missachtung? Um es vorwegzunehmen, leider eher ja.

Saul Naumann (Richard Gere) widmet sich als Professor den verschiedenen Religionen der Menschheit und führt auch mit seiner Familie ein durch den jüdischen Glauben mehr oder weniger beeinflusstes Leben. Dieses Leben ist relativ ereignislos, doch irgendwie sind alle ganz zufrieden. Seine Frau Miriam (Binoche), die für die Heirat mit ihrem Mann zum jüdischen Glauben konvertierte, und die Kinder Aaron (Max Minghella, der leider die wohl belangloseste Performance in diesem Film abliefert - und dabei unterbietet er sogar Kate Bosworths Auftreten) und Eliza (Flora Cross). Man lebt eben so vor sich hin, versteht sich aber doch zumindest untereinander ganz gut, redet miteinander, auch wenn beide berufstätigen Eltern oftmals sehr beschäftigt sind.

Dann nimmt der jüngste Spross der Familie, Eliza, an den in den USA sehr populären Buchstabierwettbewerben teil, und wie soll es anders sein, sie ist die Beste der Schule. Ihr Vater bekommt dies erst im Nachhinein mit, da er in all seinen Studien den Brief der Schule übersehen hat. Doch als er die tolle Nachricht hört, ist er ganz begeistert. Und zwar nicht nur auf der Ebene des stolzen Vaters, nein, auch der Theologe in ihm horcht auf - denn sie ist nicht deshalb so gut im Buchstabieren, weil sie dafür so viel übt, nein, Eliza erscheinen die Worte wie von Zauberhand vor ihrem inneren Auge, eine Stimme spricht zu ihr und buchstabiert ihr die Worte. Und genau darin sieht ihr Vater seine Chance. Jahrelang widmete Saul sich nämlich der Suche nach der Fähigkeit, mit Gott in Kontakt zu treten. Da er selbst trotz intensivsten Bemühungen nicht über diese verfügt, nun aber neue Hoffnung in der besonderen „Buchstabierbegabung" seiner Tochter sieht, widmet er ab sofort sein ganzes Wirken und Schaffen seiner Tochter.

Leider leidet unter dieser Konzentration des Vaters der Rest der Familie, der sich mehr und mehr vernachlässigt und mit den eigenen Problemen alleingelassen fühlt. Der Sohn flüchtet sich in die Suche nach alternativen Religionen, wird da auch von seiner Bekanntschaft Chali (Kate Bosworth, nett anzusehen, aber hier absolut austauschbar) unterstützt. Sauls Frau dagegen lässt in Rückblenden ein unbewältigtes Ereignis in der Vergangenheit erkennen, das bei ihr zu Psychosen und Kleptomanie führt.

Wie man an dieser Zusammenfassung erkennen kann, ist es fast unmöglich, den wesentlichen Plot in wenigen, aussagekräftigen Sätzen zusammenfassen. Dies liegt zum Großteil daran, dass „Bee Season" in fast zwei Stunden so viele Themen und Probleme anfährt, aber dies nicht im Zusammenhang mit einem „Großen Ganzen" tut, sondern jeglichen Zug und Plan vermissen lässt. Die Aussage des Films ist zumindest sehr schwerlich zu verorten. Ist es die Religion als Kitt der Gesellschaft? Der familiäre Zusammenhalt, der über allem stehen muss? Etwas von allem?

Der Film ist leider viel zu beliebig in seinem Ansatz, geht nicht tiefgründig auf die viel zu vielen aufgeworfenen Fragen ein, er lässt eine ausgewogene, ernsthafte Charakterzeichnung vermissen, die auch dazu führt, dass einem die Figuren herzlich egal sind und man sich nur schwerlich auf das zwischenmenschliche Miteinander der Familienmitglieder einlassen kann. „Bee Season" überhebt sich bei dem Versuch, viele Dinge in einem einzigen Film abzuhandeln. Herausgekommen ist leider ein eher belang- und hilfloses Skript, das niemandem weiterhilft. Und die „Rahmenhandlung" des Buchstabierwettbewerbs erzeugt auch eher überhaupt keine Spannung und wirkt sehr aufgesetzt, auch wenn es sich dabei ja eigentlich um das zentrale Ereignis im Film handelt. Insgesamt wirkt der Film irgendwie unfertig.
Positiv herauszuheben sind auf jeden Fall die grandiose Optik des Films und Juliette Binoche, die es schafft, ihrem Charakter doch noch wenigstens ein wenig Leben einzuhauchen. Richard Gere wirkt sehr bemüht, aber doch leider etwas überfordert. Die Rolle der Eliza wird von Flora Cross ausgefüllt, jedoch wirkt ihr Charakter im ganzen Film sehr kalt. Minghella und Bosworth hätten im Film auch nicht gefehlt, wenn sie nicht dabei gewesen wären.
Ein Film, der sich leider an seinem eigenen Anspruch verschluckt und mehr Fragen aufwirft als beantwortet.

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