Dass eine fähige Darstellerin wie Naomi Watts nicht jedes schwache Script ausbügeln kann, bewies sie bereits eindrucksvoll mit dem unsäglichen „Ellie Parker“. Doch die Enttäuschung setzt sich fort, denn was einem „The Wyvern Mystery“ als Haunted House Grusler verkaufen will, entpuppt sich auf der ganzen Linie als Familiendrama auf Groschenroman-Niveau.
Da ist nichts unheimlich und schon gar nicht übersinnlich.
Alice (Naomi Watts) wächst nach dem Tod ihres Vaters beim Großgrundbesitzer Fairfield (Derek Jacobi) auf, der sie gerne heiraten würde. Doch stattdessen flüchtet sie mit Charles (Iain Glen), einem seiner Söhne und versteckt sich auf einem großen alten Anwesen. Alice wird kurz nach der Hochzeit mit Charles schwanger, doch Visionen von einer schwarzgekleideten Gestalt verfolgen sie, die schon bald Wirklichkeit werden sollen…
Die gleichnamige Romanvorlage von Sheridan Le Fanu entstand um 1869, entsprechend spielt das Geschehen zu jener Zeit und böte genügend Möglichkeiten, im Zuge des klassischen Gothic Horrors mit Atmosphäre zu punkten.
Zugegeben, die Ausstattung, mit den prächtigen Kleidern, den gut nachempfundenen Requisiten und einigen Kulissen, wissen auf Ebene einer TV-Produktion durchaus zu gefallen. Doch mit dem Anwesen gibt man sich erst gar keine Mühe, es ordentlich düster ausschauen zu lassen, so kommt zu keiner Zeit Schauerstimmung auf. Nun, wie denn auch, wenn man es überwiegend mit einem Drama auf Rosemunde Pilcher Niveau zu tun hat, denn mit spannendem Mystic Horror.
Da wird man mit der trauten Zweisamkeit der jungen Liebe zugekitscht, der böse Vater taucht ein, zweimal auf und man versteckt sich. Der Bruder des Gatten hilft, zudem ein Kindermädchen und einige Bedienstete, -eine Menge Randfiguren werden eingeführt, ohne dass diese wirklich eine Charakterisierung erhalten.
Doch es wird zu keiner Zeit spannend und Schauereffekte finden sich innerhalb des kompletten Geschehens lediglich in Form einiger Schaben im Schrank und der Andeutung einer dunklen Gestalt. Wie sich später herausstellt, handelt es sich hierbei um die Ex von Charles, die seit einem Unfall irgendwo im Haus versteckt gehalten wird. Warum die aber so durchgeknallt ist, welche Ziele sie verfolgt und warum sie überhaupt von Charles geduldet wird, obwohl eine größere Gefahr von ihr ausgeht, - bleibt alles der Fantasie des Zuschauers überlassen.
Darüber hinaus bietet das behäbig erzählte Geschehen keinerlei Gründe zum Mitfiebern. Irgendwann verschwindet das Neugeborene, innerhalb der Familie wird etwas vertuscht, es kommt zu einem Todesfall, aber wir sind weit entfernt vom Gothic Horror und steuern vielmehr auf ein höchst irdisches Finale zu, dass weder eine Überraschung, noch eine ideenreiche Pointe mit sich bringt. So bekommen wir letztlich über 96 Minuten ein schnulziges Familienepos, das weder mit Tiefe, noch einer durchdachten Geschichte überzeugen kann.
Dabei wirkt die musikalische Untermalung durchaus professionell und kann in einigen Momenten sogar geringfügig Emotionen erzeugen. Gleiches gilt für die Darsteller, die allesamt ordentlich agieren, allen voran Naomi Watts, die ihrer Figur in sämtlichen Situationen eine entsprechende Ausdrucksstärke verleiht.
Doch all das wertet den negativen Gesamteindruck nur geringfügig auf.
Leute, die einen spannenden Gruselfilm mit Geisterhausatmosphäre erwarten, sollten also gewarnt sein. Denn am Ende bleibt lediglich ein langatmiges, lahm erzähltes Familiendrama, das einige Fragen unbeantwortet lässt und zu keiner Zeit auch nur irgendeinen Schockeffekt einsetzt. Also, weder vom DVD Cover, noch von der groben Inhaltsangabe täuschen lassen, mit Mystery hat das Ganze nämlich rein gar nichts zu tun.
3 von 10