Review

Im Glückskeks vergriffen


Wenn die Karate Kid-Saga für eines bekannt ist, dann sind es Mr Miyagis Lebensweisheiten für so ziemlich jede erdenkliche (Problem-)Situation. Der schrullig verschmitzte Karate-Meister haut Sprüche wie «Verlieren gegen Feind okay, aber niemals verlieren gegen Angst.» ., «Wenn du fühlen das Leben geraten aus Fokus, immer zurückkehren zu Grundlage von Leben.«Lügen werden nur Wahrheit, wenn Menschen glauben wollen.» quasi am Fließband raus, beweist dabei aber nicht nur Sinn für hintersinnigen Humor, sondern auch eine tiefe Klugheit, wie sie nur wenige Menschen auszeichnet.

Ein wenig mehr Klugheit hätte auch dem bewährten Karate Kid-Trio Jerry Weintraub (Produktion), John G. Avildsen (Regie) und Robert Mark Kamen (Drehbuch) nicht geschadet, dann wären sie beim zweiten Sequel ("Karate Kid III - Die letzte Entscheidung", 1989) vielleicht auf eine bessere Idee gekommen, als einfach nur eine grob zusammen geschusterte Kopie des Originalfilms (1984) aufzulegen. Vielleicht wäre ihnen auch aufgefallen, dass Hauptdarsteller Ralph Macchio mit seinen 28 Lenzen nun endgültig nicht mehr als hibbeliger Teenager durchgeht. Womöglich hätten sie ihm auch ein ausgedehntes Fitnessprogramm verordnet, denn sein erkennbar fülligeres Erscheinungsbild passte weder zu einem virilen Karate-Champion noch zu der Prämisse, dass die Filmhandlung 5 Minuten nach dem Ende des Vorgängers beginnen soll.

Anfangs ist man als Karate Kid-Fan noch guter Dinge. Der exotische Abstecher nach Okinawa war eine nette Abwechslung gewesen, aber nun freut man sich wieder auf Daniel LaRussos und Mr Miyagis Kernlande, die guten alten Straßen von L.A. Auch das Wiedersehen mit Bad Guy-Sensei John Kreese (Martin Kove) und seinem fiesen Cobra Kai Dōjō schürt die freudigen Erwartungen. Die werden allerdings jäh zerstört als dessen alter Kriegskamerad Terry Silver auf die blöde Idee kommt, den gemeinsamen Plan zur Demütigung von Daniel und Mr Miyagi ganz ohne Kreese durchzuziehen. Also schickt er den alten Kumpel kurzerhand nach Taiti in den Erholungsurlaub und nimmt die Sache selbst in die Hand. Spätesten ab diesem Zeitpunkt versinkt der Film in den Untiefen dummer Einfälle, falscher Entscheidungen und irritierender Übertreibungen.

Schon die Motivation des steinreichen Geschäftsmannes - der von Thomas Ian Griffith allerdings die völlig unpassende Aura einer Kreuzung aus Schlägerprolo und Gebrauchtwagenhändler verpasst bekommt - sich dermaßen für die Rachegelüste eines ehemaligen Kriegskumpels zu exponieren, ist in etwa so glaubwürdig wie Mr Miyagi im Rambo-Modus. Der hanebüchene Plan sieht vor Daniel zur Titelverteidigung beim All Valley Turnier zu bewegen, um ihn dort vom extra dafür angeheuerten Karate-Prügler Mike Barnes auseinander nehmen zu lassen. Zwischenzeitlich trainiert Silver Daniel sogar selbst, weil Mr Miyagi gegen Daniels erneute Teilnahme ist. In dem er ihn durch eine ultrabrutale Cobra Kai-Schule schickt, treibt er zwar einen Keil zwischen Daniel und Mr Miyagi, bildet ihn aber gleichzeitig in der von ihm als überlegen angesehen Form des Karate aus. Zudem schickt er immer wieder seinen Terrier Barnes los um Daniel zu provozieren, obwohl dieser doch beim Turnier von der Stärke und Brutalität des Gegners überrascht werden soll. Die Liste ließe sich noch endlos fortsetzten, denn der Film ist gespickt mit solch inhaltlichen Ungereimtheiten, was ihn letztlich auch auseinander fallen lässt.

Aber auch abseits der inhaltlichen Baustellen gibt es wenig erfreuliches zu berichten. Die bösen Buben um Terry Silver agieren allesamt als völlig hohl drehende Knallchargen (v.a. der comichaft überzeichnete Barnes) und fahren die Bedrohung damit völlig gegen die Wand. Nach seiner Hauptrolle in KARATE KID 2 (1986) verkommt Mr Miyagi zum bloßen Stichwortgeber und darf lediglich ein wenig an der Eröffnung seines Bonsai-Ladens herum werkeln. Auch Daniels dritte Freundin im dritten Film ist eine reine Alibi-Rolle. Wenigstens ist Jessica Andrews in festen Händen, so dass uns das drohende seifige Liebesgeplänkel erspart bleibt. Leider gilt das nicht für einen vermeintlichen Action-Höhepunkt des Films.

Um Mr Miyagis drohenden Bankrott abzuwenden, marschieren Daniel und Jessica an die örtliche Steilküste um den dort einst von Mr Miyagi aus Okinawa mit gebrachten Bonsai auszugraben und zu versilbern. Natürlich weiß man als erfahrener Zuschauer, das die Darsteller nicht wirklich in 50 Meter Höhe an der Klippe herum kraxeln. Das heißt aber nicht, dass man aufgrund eklatant unterschiedlicher Lichtverhältnisse (strahlender Sonnenschein versus diesiges Grau) mit dem Vorschlaghammer auf den ständigen Wechsel zwischen Location- und Studioaufnahmen gestoßen werden will.

Da atmet man fast auf, als es endlich zum finalen Kampf beim All Valley kommt. Der ist dann zumindest wieder recht unterhaltsam geraten, da Barnes die Order bekommen hat immer wieder unfaire Schläge einzustreuen, um den Kampf - und damit Daniels Leiden - künstlich in die Länge zu ziehen. Natürlich hatte Mr Miyagi inzwischen ein Einsehen mit seinem reumütigen Schüler gehabt und vor allem das mentale Training seines Schützlings wieder aufgenommen. Also Ende gut, alles gut? Nicht wirklich. Die Macher hätten sich angelehnt an ihren Stoff mal lieber an fernöstlichen Weisheiten orientiert oder am besten gleich bei Mr Miyagi bedient und nicht die aus dem europäischen Mittelalter stammende Redensart „Aller guten Dinge sind drei“ favorisiert.
In diesem Sinne: „Manchmal was Herz wissen, Kopf vergessen.“ Und vor allem: „Beste Möglichkeit Schlag zu entkommen, nicht da sein.

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