Kristen Stewart spielt eine pubertierende Schülerin, die auf einer Fete vergewaltigt wird. Da sie die Polizei ruft und einige Feiergäste, darunter ihre besten Freundinnen, so in die Bredouille bringt, während sie sich über die Ursache für den Polizeiruf ausschweigt, ist sie im neuen Schuljahr nicht nur depressiv und traumatisiert, sondern auch sozial geächtet. Kontakt hat sie nur zu einer redseligen Mitschülerin, die neu an der Schule ist, während sie sich auch von den Eltern entfremdet, weil sie ihnen nicht zu erzählen vermag, was ihr widerfahren ist. Der einzige, der die Schülerin wirklich erreicht, ist der von Steve Zahn gespielt Kunstlehrer. Als dann auch noch ihre ehemals beste Freundin mit ihrem Vergewaltiger zusammenkommt, wird der Druck, das Schweigen zu brechen, größer.
„Speak“ beginnt wie ein typischer High-School-Film: Die Protagonistin steigt in den Schulbus, woraufhin eine neue Mitschülerin, die offensichtlich Anschluss sucht, neben ihr Platz nimmt und sie zutextet. Anschließend geht es um den Schulalltag, der, von ein paar Monologen begleitet, die üblichen Genreelemente beinhaltet. Die Lehrer, regelrechte Karikaturen, scheinen einem Comic entlaufen, wir sehen Cheerleader und Sportler, einzelne Unterrichtsstunden, einen lauten Sozialkundelehrer, eine publikumsscheue Englischlehrerin. Die Protagonistin lässt den Unterricht still über sich ergehen, schleicht allein über die Gänge, führt den tristen Alltag eines jugendlichen Außenseiters. Dazu gibt es ein paar auflockernde Witze. „Speak“ könnte ein seichter Coming-of-Age-Film, ja sogar eine heitere High-School-Klamotte sein, wenn da nicht die Rückblenden wären.
Wir erfahren von der Vergewaltigung, der Scham und den Umständen der sozialen Ächtung der Hauptfigur, die einst lebensbejahend und beliebt war, bis zu dem traumatischen Ereignis. Im Folgenden ist es vor allem der großartigen Darstellung von Kristen Stewart geschuldet, dass der Film emotional mitreißt, zumal Stewart die melancholischen Außenseiterrollen seit jeher hervorragend gelegen haben und sie auch ohne große Worte viele Gefühle transportiert. Neben „Speak“ hatte sie mit Filmen wie „Panic Room“ oder „Into the Wild“ ohnehin bereits vor ihrem Durchbruch mit „Twilight“ ein gewisses darstellerisches Talent offenbaren können. Als die ehemals beste Freundin der Protagonistin mit ihrem Peiniger zusammenkommt, wird die Frage, ob sie endlich über das Geschehene sprechen wird, immer drängender und bohrender, sodass der Film vor allem zum Ende hin an Fahrt aufnimmt.
Restlos überzeugend ist „Speak“ aber auch nicht. Dass ist vor allem den klischeehaften und profillosen Nebenfiguren geschuldet, die wahlweise zu blass oder zu stark überzeichnet sind. Einzig der von Steve Zahn verkörperte Kunstlehrer ragt zumindest etwas positiv heraus. Ansonsten erscheint der flache High-School-Kosmos wie eine regelrechte Scheinwelt und damit gehen der ernsten Story Kraft und Glaubwürdigkeit leider etwas ab, wenngleich der Kontrast von überzeichnetem Schulalltag und ernster Hintergrundgeschichte anfangs durchaus reizvoll erscheint. Dass die Protagonistin ihre Dämonen am Ende allzu leicht abschüttelt, ist der Glaubwürdigkeit auch wenig zuträglich.
Fazit:
Vor allem dank der großartigen Vorstellung von Kristen Stewart ist „Speak“ ein sehenswertes Portrait einer traumatisierten Heranwachsenden geworden, das mit seinen profillosen Nebenfiguren und den zahllosen High-School-Klischees inhaltlich aber nicht durchweg überzeugt.
63 %