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US-Regisseur Lucky McKee debütierte 2001 mit dem an der Seite Chris Rivertsons verwirklichten und 2013 von ihm persönlich neu verfilmten „All Cheerleaders Die“ und avancierte ein Jahr später mit dem durchaus originellen „May - Die Schneiderin des Todes“ zur Nachwuchshoffnung im Horror-Genre. Nach einem Beitrag zur „Masters of Horror“-Serie („Sick Girl“) folgte im Jahre 2006 ein Film mit dem reichlich ausgelutscht klingenden Titel „The Woods“ der fürchten ließ, McKee habe sich möglicherweise der Konvention verschrieben. Jedoch stand erneut ein weibliches Wesen im Mittelpunkt des Geschehens, was zu so etwas wie seinem Markenzeichen werden sollte.

In den sechziger Jahren wird die verhaltensauffällige Schülerin Heather Fasulo (Agnes Bruckner, „Venom - Biss der Teufelsschlangen“) von ihren Eltern in das Mädcheninternat Falbum Academy gesteckt, das sich inmitten eines tiefen Walds befindet. Die stockkonservativ anmutende Lehranstalt aber birgt manch dunkles Geheimnis, wie die übersinnlich begabte und sensible Heather anhand beunruhigender Visionen feststellen muss. Zudem plagt sie die fiese Mitschülerin Samantha (Rachel Nichols, „Amityville Horror - Eine wahre Geschichte“), die es auf sie abgesehen hat. Richtig gefährlich aber wird es, als sich die Visionen bewahrheiten und Mitschülerinnen spurlos im Dickicht des Walds verschwinden...

Tatsächlich kommt einem vieles bekannt vor, wirkt „The Woods“, als habe McKee das Motiv des Hexeninternats aus Argentos „Suspiria“ mit dem einer bedrohlichen, dämonischen Eigendynamik entwickelnden Natur aus „Tanz der Teufel“ vermengt und mit etwas „Carrie“ abgeschmeckt; sogar Bruce „Ash“ Campbell schaut in einer Nebenrolle als Heathers Vater vorbei. McKee und seinem Team ist es aber gelungen, diese Melange zu einem hochatmosphärischen Gebräu aufzukochen, das Themen wie Isolation, Mobbing etc. mit einem mystischen Unterbau versieht. Eine Aufsehen erregende Bildästhetik und durchkomponierte Einstellungen sowie Perspektiven schmeicheln dem Auge und motivierte, talentierte Jungschauspielerinnen halten das Niveau mühelos. Lange Zeit sind es im Prinzip lediglich gruselige kurze Flashbacks Heathers, die für den Horroranteil sorgen – und diese Dosierung erweist sich als geschmackvoll.

Das funktioniert eine ganze Weile wunderbar, bis „The Woods“ irgendwann Timingprobleme bekommt, lose Handlungsfäden nicht mehr zurück in die Stricknadel finden und die Entwicklung der Handlung hin zu Showdown, Finale oder Auflösung arg ins Stocken gerät, weiter ein Geheimnis aus Umständen macht, die längst bekannt sind und Wendungen antäuscht, die nie eintreten. Am unverständlichsten jedoch ist es, wie McKee das Konzept im letzten Drittel zugunsten eines albernen, künstlichen CGI-Overkills vollends über den Haufen wirft und mit einem enttäuschenden Ende beinahe seinen ganzen Film zerstört. Angesichts des zuvor präsentierten Potentials ist dies nicht weniger als ein Jammer und der einzige Trost bleibt, dass McKee es mit seinem Meisterwerk „The Woman“ ein paar Jahre später wesentlich besser machte.

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