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Joseph Fiennes spielt den jungen William Shakespeare, der im Schatten des großen Christopher Marlowe steht und momentan keinerlei Inspiration für neue Werke hat. Ein Theaterbesitzer, gespielt von Geoffrey Rush, der schnell ein Stück auf die Beine stellen muss, um einen Gläubiger zu beschwichtigen, tritt an ihn heran. Shakespeare sagt ihm zu, die Komödie "Romeo und Ethel, die Tochter des Piraten" zu schreiben, kommt aber nicht voran. Doch dann verliebt er sich in eine junge Frau aus einer reichen Familie, gespielt von Gwyneth Paltrow, die verkleidet als Mann bereits am Stück mitwirkt, da Frauen zu diesem Zeitpunkt auf keiner Bühne auftreten dürfen. Als er herausfindet, dass sein Hauptdarsteller gleichzeitig die Frau seiner Träume ist, bahnt sich eine Beziehung an, die auch das Stück, an dem beide arbeiten, stark beeinflusst.

"Shakespeare in Love". Der Titel klingt nach einem Film, für den man Zeit und Muße mitbringen muss. Eine sperrige Biografie eines weltbekannten Literaten, der als der vielleicht beste Autor, Dichter und Denker aller Zeiten gilt, kann man erwarten, oder einen kitschigen, überlangen und damit mäßig unterhaltsamen Kostümfilm. Aber "Shakespeare in Love" überrascht derart angenehm, dass man ihn einfach mögen muss. Er ist schnell und rasant, er ist lebhaft und sympathisch, er ist authentisch und mitreißend, einer der wenigen Filme, die das Prädikat "einfach schön" absolut verdient haben.

Bereits das Drehbuch, das mehr von Shakespeares und "Romeo und Julia" inspiriert ist, als dass es auf diesem basiert, verdient Anerkennung für den Einfallsreichtum der Macher. Die Liebesgeschichte ist wendungsreich und tragisch, dabei aber nicht allzu rührselig und entzieht sich über weite Strecken geschickt den Handlungsbahnen des Genres, weswegen sie jederzeit interessant bleibt. Noch besser als die geschickt konstruierten Nebenfiguren ist dabei besonders die Idee, das Stück "Romeo und Julia" in die Rahmenhandlung einzubringen. Während sich die Liebesgeschichte zwischen Shakespeare und seiner Geliebten entwickelt, wird der Autor beim Schreiben seines Drehbuchs beeinflusst und inspiriert, gleichzeitig werden aber auch Parallelen vom Stück zur realen Beziehung gezogen. Das Wechselspiel funktioniert ausgezeichnet, trägt den Film und hebt ihn klar von der Masse an Genrefilmen ab.

Für den Kurzweil am Rande, aber auch für die zusätzlichen Sympathiewerte, sorgen die Nebenfiguren. Angefangen beim etwas eingebildeten Star, der seine Rolle zunächst nur deshalb übernimmt, weil er die Hauptfigur des Stücks sein soll, über die ironische Queen, bis hin zum schrulligen Theaterbesitzer, dem seine Gläubiger im Nacken sitzen, fließen viele gute Ideen und Charaktere in den Film ein, die für weitere Belebung sorgen. Unterm Strich ist hier ein hervorragendes Konstrukt gelungen.

John Madden, der zuvor bereits "Ihre Majestät Mrs. Brown" inszenierte, erzählt flüssig und geschickt, spitzt die Dramatik gekonnt zu und lässt sie in der finalen Aufführung des Stücks virtuos gipfeln. Er kreiert eine emotionale, heitere Atmosphäre, lässt Romantik und Dramatik aber zu keinem Zeitpunkt auf der Strecke, trifft meist die richtige Stimmung und lässt seinen gefühlvollen Erzählstil dabei nie in Kitsch abdriften. Die visuelle Opulenz eines Kostümfilms bleibt dabei nicht auf der Strecke, so gibt es prächtige Kleider, eine gute Ausstattung und einige schöne Bilder, wobei auch die musikalische Komponente, die ihren Teil zur gefühlvollen Atmosphäre beisteuert, zu loben ist.

Madden kann sich aber auch bei seinem Cast bedanken, da dieser einen sehr guten Film zu einem der besten aller Zeiten macht. Gwyneth Paltrow, für "Shakespeare in Love" zu Recht mit dem Oscar prämiert, liefert eine wunderbare Vorstellung ab. Wenn sie den Mann spielt, um auf der Bühne auftreten zu können, stellt sie die Unsicherheit, aber auch die Liebe zum Spiel hervorragend dar, in den Liebesszenen ist sie sympathisch und authentisch und harmoniert zudem hervorragend mit dem ebenfalls überzeugenden Joseph Fiennes, der einen jungen, lebhaften Shakespeare verkörpert und einer sperrigen historischen Figur somit gekonnt Leben einhaucht. Daneben gibt es einen amüsanten Geoffrey Rush zu sehen, der hier voll in seinem Element ist, eine enorm präsente und ebenfalls mit dem Oscar prämierte Judi Dench, einen spielfreudigen Ben Affleck, der sich Figur und Story unterordnet sowie einen herrlich unsympathischen Colin Firth und einen gewohnt überzeugenden Tom Wilkinson.

Fazit:
"Shakespeare in Love" ist weder sperrig noch zäh, er ist spritzig, lebhaft und kurzweilig, aber auch mitreißend, romantisch und dramatisch. Angefangen bei der innovativen Story, die Elemente von Shakespeare und seinem Werk "Romeo und Julia" zu etwas eigenem formt, über die gekonnte, audiovisuell gelungene Inszenierung, bis hin zum brillanten Darsteller-Ensemble ist hier einer der besten Filme aller Zeiten gelungen, der zeigt, wie gut Gefühlskino sein kann.

89% 

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