Wenn ein Regisseur namens Sergio Martino im Jahr 1973 - zur Hochzeit der Hippi-Bewegung - einen Giallo inszeniert und ihn mit dem Schulmädchenreport kreuzt, dann kommt dabei der Klassiker "Torso - Die Säge des Todes" heraus...
Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Fassung vom Label NSM Records Austria!
Die kunstvoll inszenierte Eröffnungssequenz, die gleichzeitig eine kleine Sexorgie in der Gegenwart mit einem Hinweis auf die Vergangenheit des Täters kombiniert, lässt keinen Zweifel daran aufkommen, in welche Richtung Martinos Giallo gehen wird:
jede Menge nackte Tatsachen:
vom Quickie im Auto über das frivole Hippi-Happening bis hin zu Lesbensex werden hier alle erdenklichen Spielarten der körperlichen Liebe mit den Gewaltphantasien und brutalen Morden eines psychisch gestörten, von Kindheit an traumatisierten Killers kombiniert.
Untermalt wird der erotische und blutige Reigen von einem sehr guten Score von Guido und Maurizio de Angelis, die für den Film zwei markante Melodien arrangierten, die die jeweiligen Stimmungen von Bedrohung und verspielter Erotik variationsreich begleiten.
"Torso" versucht den Zuschauer bewusst mit falschen Fährten in die Irre zu führen, macht dabei - vor allem in der deutschen Synchronfassung - den bösen Fehler, den Mörder anhand seiner Stimme zu entlarven. Der aufmerksame Zuschauer wird keine Probleme haben, die Stimme ausgerechnet mit dem unscheinbarsten aller Verdächtigen in Verbindung zu bringen.
Von diesem kleinen Fehler einmal abgesehen, gibt es bei "Torso" genug Szenen, die für Spannung und Dramatik sorgen und der Regisseur schafft es bis zum Finale, die Identität des geheimnisvollen Killers geheimzuhalten. Hier und da gönnt er seinem Publikum einen kleinen Gesichtsausschnitt des überwiegend maskierten Phantoms, doch nie genug, um mit Sicherheit auf den richtigen Verdächtigen tippen zu können.
Die polizeilichen Ermittlungen bleiben bis auf wenige Befragungen im Hintergrund und auch das Motiv wird erst zum Ende hin vom Täter selbst erläutert und in Rückblenden dargestellt. Dieser dramaturgische Kniff ist bei weitem nicht so plump, wie es sich anhört, denn den Täter verbindet mit der einzigen Überlebenden des finalen Massakers eine besondere Beziehung. Er ist geradezu entsetzt darüber, dass ausgerechnet sie es ist, die er nun als Zeugin ebenfalls töten muss um sein Geheimnis zu wahren und versucht sich ihr gegenüber für seine Taten zu rechtfertigen.
Die Morde des Killers sind sehr gut inszeniert, hier setzt Regisseur Martino vor allem auf Spannung und Dramatik. In manchen Szenen verzichtet er sogar auf die musikalische Begleitung, sondern nutzt ausschließlich die Geräusche der Umgebung und die Todesstille, um die Bedrohung der Opfer so intensiv wie möglich zu verdeutlichen. Ganz besonders wird dies bei der Ermordung des Liebespäärchens in den ersten 15 Minuten des Films deeutlich.
Die Masken- und übrigen Spezialeffekte, die aufgrund der Vielseitigkeit des Killers zahlreich vorhanden sind, sind allerdings kaum der Rede wert. Hier sind andere Regisseure wie Dario Argento mit ihren Möglichkeiten dem guten Sergio Martino qualitativ weit voraus.
Trotz kleinerer Mängel, die angesichts des durchaus hohen Unterhaltungswerts kaum ins Gewicht fallen, braucht sich der Regisseur für sein Werk nicht zu schämen.
Martino ist ein spannender und erotischer Giallo mit einigen sehr außergewöhnlichen Kameraperspektiven gelungen, die Besetzung punktet mit vielen bekannten Gesichtern und vernünftigen, schauspielerischen Leistungen. Die Dialoge sind auch nicht so einfältig geraten wie bei vergleichbaren Produktionen, die Story hat Tempo und ist bis auf kleinere Regiefehler logisch aufeinander aufgebaut.
"Torso" ist ein schmutziger, kleiner Klassiker des Genre!
7,5 von 10 Punkte!