Am Anfang war die weibliche Brust. Irgendwann, genauer: im Jahre 1973 drehte Sergio Martino einen Giallo um sie herum, achtete aber penibel darauf, dass so gut wie keine Szene ohne Tribut an die weiblichen Geschlechtsorgane auskommen muss. Während also um die zahlreichen Nacktszenen eine Geschichte gebastelt wird, die von Morden an hübschen jungen Frauen und der Ermittlung des Täters in einem Umfeld vieler Verdächtiger handelt, wähnt man sich auch aufgrund der Dialoge mitunter fast in einem Softporno. Den Genrefreund, der es gern sleazig mag, wird das freuen, denn es finden alle Giallo-Charakteristika Verwendung. Einige Szenen wurden durchaus effektvoll und atmosphärisch umgesetzt und später kommt sogar so etwas wie Slasher-Atmosphäre auf, wie ich sie aus den 80ern kenne und schätze. Die Auflösung des „Whodunit?“ ist dann im Prinzip auch gar nicht so verkehrt und das Motiv des irren Serienmörders steckt voller Frauenverachtung, die so manchem Zuschauer mit Sicherheit nicht so fremd erscheinen wird und ihm daher evtl. ein ungutes Gefühl des Ertapptwerdens bereitet. Schade ist aber, dass die Auflösung mal wieder in rekordverdächtiger Geschwindigkeit heruntergerattert wird und sich die Anspielungen und Hinweise auf sie bis zum Finale lediglich auf die immer gleichen Bilder beschränken, statt nach und nach mehr zu offenbaren und den Zuschauer zum Mitdenken einzuladen. Damit hätte man ihn aber vermutlich zu sehr von den weiblichen Geschlechtsorganen abgelenkt... Den blutigen Spezialeffekten sieht man leider an, dass kein Tom Savini am Werk war, sie bewegen sich auf unterem Niveau und werden der übrigen schauwertelastigen Inszenierung nicht gerecht. Unterm Strich ist „Torso“ sicherlich ein überdurchschnittlich unterhaltsamer Giallo, aus dem man aber mehr hätte machen können.