Ich würde “Torso“ jetzt nicht als Stinker der Giallo-Reihe bezeichnen, jedoch von einem Highlight der frühen Giallos ist Sergio Martinos Machwerk Meilenweit entfernt. Zwar hält er sich an die Regeln des Genres, was auch nicht allzu schwer ist und gilt heute noch neben Mario Bava´s “Bay of Blood“ als Vorbild für die 80er Jahre Slasherwelle, jedoch schafft er es nicht so richtig Spannung und Atmosphäre aufzubauen.
Sergio Martino versucht zwar mit dem Zeigen von nackten Tatsachen das Publikum bei der Stange zu halten und geht auch bei den „wenigen“ Mordszenen nicht zimperlich mit den Opfern um, doch was für die damaligen Verhältnisse vielleicht als hart und realistisch galt, kann heute kaum noch schocken und wirkt teilweise sogar recht dilettantisch und Sergio Martino vermag es einfach nicht aus dem schwachen Drehbuch das Optimum an Unterhaltung rauszuholen.
Das Auftreten des Mörders - unter einer Maske versteht sich - ist sehr aggressiv ausgefallen und wieder haben wir eine arme Seele, die durch ein Trauma in der Kindheit Brass auf das Weibsvolk hat. Diesmal war zwar nicht Muttern an allem Schuld, aber ein Kindheitstrauma ist immer die beste Lösung, wenn dem Drehbuchautor sonst nichts einfällt. Wie oben schon erwähnt, geht der Mörder sehr brutal vor, jedoch ist “Torso“ bei weitem nicht so explizit augefallen, wie man es sich gedacht hatte. Zwar ist der Härtegrad einer Produktion nicht ausschlaggebend über die Qualität eines Filmes, doch im Falle “Torso“ hätte ein Kännchen mehr Blut bestimmt nicht geschadet.
Eine positive Aussnahme ist die Szene, wo der Killer in einem vernebelten Sumpfgebiet auf eines seiner Opfer wartete, gespielt von der vollbusigen Schönheit Conchita Airoldi (“ Caro Diario“ 1994) und sie zum Schlammchatchen samt Augenausdrücken einlädt. Diese Szene ist atmosphärisch wirklich der Hammer und hier schafft es Regisseur Martino, der sich schon für solch Filme wie “Die Blonde Göttin der Kannibalen“ auszeichnete, einmal wirklich zu überzeugen. Doch im krassen Gegensatz dazu steht die wirklich misglückte Szene mit dem Schalverkäufer, der von dem Mörder merhfach mit dem Auto angefahren wird. Hier sieht man deutlich, dass es sich um eine Puppe handelt und das dann noch in einer Nahaufnahme, wo man sich wirklich vor dem Kopf schlägt, vorallem weil im Gegenschnitt der zerdrückte Plastikkopf, wieder ein echter Mensch mit etwas Blut im Gesicht ist. Diese Szene ist zwar die härteste vom Gezeigten her, man hätte dort aber etwas mehr Sorgfalt walten lassen können, denn so wirkt es nur kitschig.
Der Zuschauer wird ständig hin und hergerissen, wenn es um die Suche nach dem Mörder geht, denn hier werden genug Leute in die Riege der Verdächtigen erhoben, aber zum Ende hin ist es immer der, den man es nun wirklich nicht zugetraut hätte. Wo wir gerade beim Ende sind, das kommt hier Schlag auf Schlag, als der Mörder in die Villa der Mädchen eindringt und man nach einer Abblende alle bis auf die hübsche Suzy Kendall als Jane tot auffindet. Suzy Kendall ist im übrigen die einzige Frau im Film, die nicht ihre Hüllen fallen lässt, alle anderen Damen werden sehr freizügig ins Licht gerückt.
Jane muss sich von nun an alleine im Haus vor dem Mörder verstecken. Hier versucht Sergio Martiono nochmal richtige Atmosphäre aufzubauen, dies kränkelt aber an dem etwas schleppenden Tempo mit der “Torso“ inszeniert wurde und nachdem der Mörder sein potentielles Opfer gefunden hat und ihr sein Leidwesen beichtet, kommt auch schon die Rettung herbei...
Das Finale fällt hier leider viele zu hektisch und unspektakulär aus und lässt den Eindruck erwecken, man wäre ein wenig unter Zeitdruck gewesen und hätte sich deshalb für dieses Ende entschieden.
Eingefleischte Giallo-Fans werden bestimmt mehr an diesem Film finden, jeodch muss man sich eingestehen, dass es wahrlich bessere Genre-Vertreter gibt und vorallem Genre-Neulinge sollten sich nicht sofort von “Torso“ abschrecken lassen, denn das Genre hat noch viele andere Perlen zu bieten. “Torso“ ist stellenweise unterhaltsam und zumindest an einer Stelle wirklich hervorragend, der Rest ist leichte Slasherkost, die viel zu viele Längen hat und nur noch durch den tollen und atmosphärischen Soundtrack der Gebrüder Guido und Maurizio de Angelis (“Mannaja“, La Montagna del dio cannibale“, “Keoma“ und “Banana Joe“) sowie den Locations der schönen grünen italienischen Provinz überzeugen kann.