Man kann nicht genug Werkzeug im Schuppen haben. Oder im Filmregal. Da mir aber gerade nicht der Sinn nach Abel Ferraras Borhmaschinen-Psychooper oder einem schundigen Nagelpistolenmassaker steht (Seh dich später, Abel - was für den anderen Film nicht zwangsläufig auch gilt) muss halt mal wieder Sägenhorror ran, dieses mal in Gestalt der guten alten Laubsäge. Oder Knochensäge, da ist "Torso Die Säge des Teufels" nicht wirklich einig. Was aber auch kein Problem ist, wenn die Säge ohnehin nur Post mortem- Beiwerk ist.
Die Werkzeugwahl ist allerdings nicht der Hauptgrund, der für den Film spricht. Der Hauptgrund für den Film hört auf den Namen Sergio Martin und unterhielt mich bereits mit "Paco - Die Kampfmaschine des Todes", "Fireflash - Der Tag nach dem Ende" und "Die weiße Göttin der Kannibalen" mehr oder minder köstlich. Während die genannten Filme aber eher sympathische Trasher sind handelt es sich bei "Torso" um einen roh gezimmerten Landstilschrank von einem Film. Der dann auch noch der altehrwürdigen Tradition des Giallo folgt, einer Stilrichtung des italienischen Filmes, in die ich ohnehin tiefer als per Flachköpper eintauchen wollte. Also noch ein Grund, den Film zu schauen.
Im Umfeld des Campus der Universität Perugia nimmt ein Killer den beuys'schen Ansatz, dass jeder ein Künstler und alles ein Akt der Kreativität sei etwas zu ernst und übt sich als Kunstschnitzer am menschlichen (meist weiblichen) Leib. Während unter den Studierenden das Gangster füllte Flüstern über den Würger mit dem markanten Schal umher geht und weitere Opfer diesem in die Falle gehen bekommt Künstlerin Daniela es als mögliche Zeugin, die ihn identifizieren könnte ungewollt dessen ungeteilte Aufmerksamkeit.
Um dem zu entfliehen versteckt sie sich über einige Tage mit ein paar Freundinnen im Landhaus ihres Onkels. Was kein Garant für psychische oder gar körperliche Unversehrtheit ist...
Im bester Giallotradition ist die Geschichte eher funktional und die Leimwand, auf der Martin seinen Film malt, aber der hat es dafür in sich. Wie er Kameramann Giancarlo Ferrando seinem Mörder und dessen Opfer als Spion hinterherhetzt ist eines Argento durchaus würdig. Zudem wartet Martini hier mit geschickten Schnitten und Übergängen auf, die dem Film einen surrealen Touch verleihen und effektive Jumpscares jenseits der typischen "BUH!" - Momente heutiger Slasher ermöglichen. Positiv überrascht auch der Soundtrack der DeAngelis-Brüder, der ungeahnte düster ist und durchaus beweist, dass nicht nur Goblin den Goth - Prog-Rockspagat beherrschen. Lange bevor ersteres ein eigenständiges Genre war.
Politische Korrektheit ist wie üblich nicht erwartbar. Immerhin gibt es hier etwas ausgleichende Gerechtigkeit dadurch, dass fast alle Männerrollen negativ belegt sind: Danielas besitzergreifender Ex-Macker, ihr Onkel der Schmierprofessor vom Campus, der pervers Trödelhändler von nebenan, die Dorftrottel im Urlaubskaff - allesamt fiese Psychos und Sexlumpen mit dauerblauen Eiern und einer Vielfalt an Lustneurosen. In einen Filmgenre, dass größtenteils Frauen in Opferrollen castet durchaus gerecht. Die einzigen Charaktere, die dem Klischee nicht entsprechen sind komische Neben Charaktere sowie ein wandelnde roter Hering in der Gestalt Luc Merandas. Sorry, kein Fan. Suzy Kendall ist mir da deutlich lieber. Wobei Ich zugeben muss, dass hier keine Rolle wirklich fehlbesetzt und Herr Meranda leider auch vollkommen verschwendet ist.
Aber sonst? Glatte 10 von 10. Der Film hat Stil, Tempo und einen guten Schuss Erotik und überspielt geschickt den Mangel an Handlung sowie die lächerliche Kuchentischpsycholigie hinter den Taten. Und selbst das ist mit den sich wiederholenden Puppen Bildern noch recht geschickt eingestreut. Wieder einmal ein sehr undankbar behandelte verkapptes Meisterwerk, dass nach der Videoverwurstung für Jahre im Indexkerker landete, wobei ersteres fast noch die größere Schandtat ist. Wer nicht mit Argento ins Genre einsteigen will ist hier bestens bedient.