Review

Weit mehr als eine Kopie…

Der Okkulthorror boomte, mit „Rosemaries Baby“ und vor allem Friedkins Meilenstein „Der Exorzist“ hatte Hollywood weltweit die Massen gleichermaßen in Verzückung und Entsetzen versetzt. Da wollte Italien mit Schlägen in dieselbe Kerbe nicht ewig warten. Und Alberto De Martino ließ sich nicht lange (und nicht nur einmal!) bitten und schuf mit „L'Anticristo“ einen echten Brecher, der viel mehr ist als nur Abklatsch oder Italo-Ripoff… Über eine unschuldige und anfangs total liebe und ungefährliche Frau im Rollstuhl, die nach und nach teuflischer wird und vom Bösesten des Bösen besessen scheint…

Von allen guten Geistern verlassen

Ich kann nicht genug betonen, wie sehr mich „L'Anticristo“ beeindruckt, angefasst und überrascht hat. Klar, einige Elemente (Kotzen, Fluchen, Weihwasser, Exorzismus, Rauben der Unschuld, verrückt spielendes Zimmer) werden deutlich von Friedkins Megahit übernommen. Aber wer eine reine Kopie in italienisch und schlechter erwartet, wird sehr schnell eines Besseren belehrt. Allein die losen ersten Minuten von „L'Anticristo“ gehen auf den Magen, liegen näher an sowas wie Russells „The Devils“ als an „Der Exorzist“. Dazu die beeindruckende und schmerzhafte Tour-de-Force von Frau Gravina, dazu Rom als eigenständiger Protagonist (samt Kollosseum im Finale!), dazu eine wirklich ungemütliche Soundkulisse, dazu der gewisse Italo Sleaze. Die Liste geht weiter und weiter, das Unbehagen und meine Bewunderung wachsen und wachsen. Daher ist „L'Anticristo“ eine uneingeschränkte Empfehlung und mehr Sein als Schein! 

Fazit: verstörend, beunruhigend, eigenartig… „L'Anticristo“ ist ein teuflisches Bömbchen und italiano vero!

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