Es gibt die kurzen Momente in denen ich eine Art Hassliebe zum koreanischen Kino entwickle, Momente in denen ich mich frage, weshalb ich mir diese Tortur überhaupt antue. Gut gemachte Melodramen sind immer wie eine Hassliebe, man sieht eine Lovestory und man glaubt den beiden Protagonisten ihre Gefühle. Eine junge und unverbraucht scheinende Liebe flackert über den Bildschirm, junge und gut aussehende Schauspieler hauchen der Story die notwendige Wärme ein und alles scheint sorgenfrei. Und dann weiss natürlich der Korea-abgehärtete Zuschauer längst was kommen wird, er muss es wissen da es ja scheinbar immer so kommen muss. Darf eigentlich keine Geschichte dort mal glücklich ausgehen? Warum blos kommt nach soviel Glück diese grosse Qual? Jedenfalls werden wir auch bei "A Moment To Remember" aus unseren süssen Träumen gerissen und das Schicksal schlägt in unbarmherziger Härte zu. Aber diesmal nicht dachte ich, diesmal schaust du ohne ein Zucken im Gesicht bis zum Ende durch und alle Bemühungen dich zum Taschentuch greifen zu lassen werden vergeblich sein. Nein diesmal nicht dachte ich noch... und habe wieder verloren. Ich hasse euch dafür, ihr Perfektionisten des Melodrams aus Südkorea.
Die junge und erfolgreiche Modedesignerin Kim Su-jin ( gespielt von Son Ye-jin ) hat eigentlich alles was man sich wünschen kann. Ein reiches Elternhaus und einen guten Job, ein attraktives Äusseres und einen verheirateten Liebhaber. Dieser Liebhaber ist Seo Yeong-min ( gespielt von Baek Jong-hak ) und arbeitet natürlich in der gleichen Firma. Der Film beginnt mit einer Szene am Bahnhof. Su-jin wartet dort auf Yeong-min und als dieser nicht kommt, scheint die Affäre beendet. Das übliche Spiel des verheirateten Mannes der seine Frau niemals verlässt? Später werden wir erfahren dass nicht alles so war wie es uns erscheint, dieser Handlungsstrang ist aber für die weitere Story nicht wirklich wichtig.
Vielmehr kommt es zu einer schicksalshaften Begegnung. Su-jin betritt immer noch verletzt und verwirrt einen Laden und kauft sich eine Cola. Nach dem Bezahlen lässt sie allerdings gedankenverloren die Cola und ihre Geldbörse liegen und verlässt das Geschäft. Nach einigen Metern bemerkt sie ihre Verwirrtheit, dreht um und in der Türe des Geschäfts steht ein junger Mann mit genau der gleichen Coladose. Keiner macht dem anderen Platz und ein kurzes Augenspiel wird durch das Zischen des Verschlusses beendet. Doch Su-jin ist taff und nimmt dem Kerl die Dose aus der Hand, leert sie in einem Zug und lässt danach ihren Bedürfnissen freien Lauf. Mit einem Grinsen lässt sie ihn stehen und dreht wieder um. Ihre Geldbörse hat sie wohl wieder vergessen? Diese holt sie aber noch in der gleichen Nacht und muss verblüfft bemerken, dass ihr auch die bezahlte Cola vom Verkäufer ausgehändigt wird. Der Typ in der Türe war also vollkommen unschuldig. In der Folge vergisst sie wohl wieder vieles, nicht aber diese nächtliche Begegnung.
Natürlich hat Su-jin durch ihre Affäre und die nicht stattfindende Hochzeit den Familiennamen beschmutzt, doch ihr Vater reagiert überraschend milde. Er ist erfolgreicher Bauunternehmer und nimmt seine Tochter bei einer kurzen Besichtigung einer Grossbaustelle mit. Dort treffen wir dann den unbekannten Typen mit der Coladose wieder. Er ist Zimmermann und arbeitet für Su-jin´s Vater. Besagter Zimmermann Choi Cheol-su ( gespielt von Jung Woo-sung ) ist ein störrischer Einzelgänger und kommt rauhbeinig und etwas unnahbar rüber. Seine Art wirkt rebellisch und bei schwülstiger südländischer Musik läuft er dann am Auto mit der wartenden Su-jin vorbei. Diese erinnert sich und steht ziemlich in Flammen. In der Folge sorgt sie für ein Wiedersehen und ebenso für eine immer enger werdende Liebesbeziehung der zwei. Alle Hindernisse räumen die zwei gemeinsam aus dem Weg und dürfen das gemeinsame Glück einer Hochzeit erleben. Dann jedoch vergisst Su-jin immer öfter die einfachsten Sachen und bei einem Arztbesuch wird ihr die grausame Diagnose gestellt. Die junge und lebensfrohe Su-jin leidet an einer seltenen und vererbaren Variante von Alzheimer. Der Film kippt und das Leiden beginnt.
Diese koreanischen Melodramen bringen eigentlich schon lange nichts wesentlich neues mehr in die Kinos. Der Ablauf ist ähnlich und nur die Krankheiten unterscheiden sich noch. Hier allerdings gibt es neue Aspekte. Der Film ist fast schon eine Komödie und die beiden Hauptdarsteller sind nahezu perfekt aufeinander abgestimmt. Der Film spielt sehr oft mit seinem Thema, Gedächtnis und Erinnerung und was ist es wert? Daneben ist er zu Beginn eine ziemlich wunderbare Lovestory. Son Ye-jin als taffe junge Frau mit Witz und Schmiss hat richtig Charme. Man achte auf die Szene der zwei mit dem Soju beim nächtlichen ersten Date ; danach die Fahrt in seinem Jeep und den ungewöhnlichen Kopfbedeckungen. Beide sind authentisch und geben dem Film zusammen mit der Musik eine schwüle fast schon südländische Note. Diese Aspekte geben dem Film in gewisser Weise eine Eigenständigkeit.
Auch Jung Woo-sung trägt seinen Teil zum Gelingen bei. Eigentlich haben es solche Macho-Figuren beim männlichen Publikum nicht immer leicht. Man(n) gönnt ihnen den Erfolg bei der Filmfrau nicht und entwickelt eine Antipathie. Gelingt es dem männlichen Part allerdings Sympathie für seine Person zu erzeugen, so liebt und leidet man viel intensiver mit. Die Personen lassen einen nicht kalt und die Rolle berührt den Zuschauer. Das alles schafft Jung Woo-sung und sorgt damit für ein leidendes Ende auch beim Zuschauer.
Wenn es bei den Schauspielern einen Schwachpunkt gibt, dann ist das der Arzt Doktor Lee ( gespielt von Kwon Pyeong-kir ) . Mit zuviel Klischee beladen sieht er aus wie ein Einstein-Klon und verkommt zu einer komödiantischen Figur. Es fällt schwer ihn ernstzunehmen und die Tragik des Films hätte durch eine ernsthaftere Arztrolle sicherlich noch gesteigert werden können. Doch auch hier zeigt sich der komödiantische Aspekt des Films, diese Deutung scheint mir fast schon gewollt.
Die Musik ist neu und durchaus gewagt. Latinarhythmen in einem südkoreanischen Melodram waren mir neu und passten erstaunlich gut ins Gesamtbild. Allerdings hätte man auf das "Nessun dorma" zur Hochzeit verzichten können, erstens ist es Schmalz pur und zweitens sollte es weiterhin von Pavarotti gesungen werden und nicht von einer leiernden Frauenstimme. Alles in allem bietet "A Moment To Remember" sehr solide und gut gemachte südkoreanische Melodramunterhaltung. Die gute Platzierung von Werbeträgern ( Coca-Cola hat halt viel Kohlensäure ) und die nicht zu unterschätzende Starpower werte ich mal neutral weil in jeder Majorproduktion vorkommend. Es bleiben am Ende aber immer noch starke 8 Punkte übrig und als sich meine Wut bzgl. meiner kleinen Niederlage gelegt hatte war ich mir sicher... ich liebe diese Koreaner für ihre Melodramen wieder.