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Wahrscheinlich sollte es ein Abgesang mit und über Vincent Price werden, der besonders in den Jahren 1971/72 als Dr. Phibes und Lionheart 1973 in „Theater des Grauens“ als eiskalter Killer brillierte. Doch Regisseur Jim Clark, der nach vorliegendem Werk nur noch als Cutter tätig war, schöpft zu wenig aus dem vorhandenen Potential und bastelt stattdessen eine hauchdünne Geschichte um einen Killer im Filmmilieu.

Paul Toombes (V. Price) bekleidet seit einiger Zeit die Rolle des Dr. Death. Doch gerade als er seine Hochzeit bekannt gibt, wird seine Geliebte ermordet, woraufhin sich Paul für einige Jahre aus dem Filmgeschäft zurückzieht. Als sein alter Freund Herbert (Peter Cushing) ihn bittet, in London für ein Comeback anzutreten, kommt es erneut zu brutalen Morden…

Der Streifen wirbt in gewisser Weise mit der Präsenz von Basil Rathbone und Boris Karloff, doch in Wirklichkeit handelt es sich lediglich um Archivaufnahmen, bei denen Price mit beiden gezeigt wird. Ausschnitte aus Edgar A. Poe Verfilmungen bilden zwar einen amüsanten Querverweis, den eigentlichen Witz kitzelt das Drehbuch jedoch nie wirklich heraus. Nur äußerst selten überzeugen leicht zynische Anspielungen, etwa als Paul eine Assistentin erhält, damit der zeitgenössische Sexappeal eingebunden wird oder ein junges Ding vehement um eine Nebenrolle bettelt. Die Pointen liegen auf der Hand, ausgespielt werden sie jedoch viel zu selten.

Stattdessen gibt es zwar einige interessante atmosphärische Ansätze, doch diese haben zuweilen rein gar nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun, zumal manche Nebenhandlungsstränge nur wenig Sinn ergeben. So lungert Pauls ehemalige Filmpartnerin als entstellte Spinnenfrau in einem Gewölbe, während geldgierige Eltern einen plumpen Erpressungsversuch starten. Auch die Polizei hat offensichtlich sehr viel Zeit und hält sich über Stunden am Filmset auf, obgleich dort nur wenig geschieht und wenn, dann sind die beiden Holzköpfe mit anderen Dingen beschäftigt.

So stellt sich letztlich nur die Frage, ob Paul, vielleicht auch bereits im traumatischen Delirium, in die Rolle des Dr. Death schlüpft oder ob ihn jemand auszuspielen versucht.
Da die Konstellation der relevanten Figuren recht überschaubar bleibt und Verdächtigungen viel zu überdeutlich eingestreut werden, dürfte dies für Ratefreunde keine schwere Aufgabe darstellen.

Price ist es immerhin zu verdanken, dass die Chose trotz einiger Unzulänglichkeiten des Drehbuches nie langweilig wird. Seinen Paul zeichnet eine leichte Überheblichkeit aus, ist gekoppelt mit Arroganz und Selbstverliebtheit, er offenbart allerdings auch traumatische Angstzustände, welche Price in gut performten Nuancen transportiert. Sein Filmpartner Cushing hat da weitaus weniger zu tun, ein paar Highlights sind jedoch auch ihm vergönnt.

So wird eine im Film tödliche Falle manipuliert, ein Verhör untermauert die Schwachstellen der Polizeiarbeit, ein paar Morde sind recht ordentlich in Szene gesetzt, der Score ist gut ausgearbeitet, nur die Kamera zeigt einige Schwächen, da diese zuweilen etwas willkürlich positioniert scheint. Leider bilden atmosphärisch dichte Momente und mitreißende Auseinandersetzungen Mangelware und auch der Showdown mit dem obligatorischen Großbrand liefert kaum Überraschungen, doch aufgrund der Präsenz eines Vincent Price ist der Streifen für Gruselfreunde der alten Schule ein flüchtiger, wenn auch nicht mehrfacher Blick wert.
Knapp
6 von 10

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