Das frisch verheiratete Paar Isa und Anton will seine Flitterwochen in dem Schloss von Isas Cousins verbringen. Als sie dort ankommen, tragen ihnen die Dorfbewohner zu, dass die Beiden kürzlich verstorben sind. Isa und Anton nisten sich dennoch im Prunkschloss der Verstorbenen ein und stellen fest, dass die Beiden gar nicht tot sind. Die Brüder geben zu verstehen, dass sie sich nur für Studienzwecke zurückgezogen haben und das Gerede im Dorf nur unwahres Geschwätz sei. Anton traut der Geschichte nicht und findet heraus, dass die Brüder mit Vampiren und finsteren Mächten im Bunde stehen. Doch zu spät: Isa ist den Blutsaugern bereits in die Falle gegangen…
Jean Rollin und erotische Vampirfilme – beinahe so untrennbar wie Kachelmann und das Wetter. Wer ein paar Filme des französischen Regisseurs kennt, wird bemerken, dass SHIVER OF THE VAMPIRE – ich benutze natürlich lieber den völlig bescheuerten, aber neugierig machenden deutschen Titel SEXUAL-TERROR DER ENTFESSELTEN VAMPIRE – ein bisschen aus der Art schlägt. Die Handschrift Rollins ist zwar zweifelsfrei erkennbar, scheint jedoch noch nicht die Ausgeprägtheit zu haben, wie wir sie aus späteren Werken Mitte bis Ende der 70er-Jahre kennen. Denkt man z.B. an REQUIEM FOR A VAMPIRE oder LIPS OF BLOOD, so liegen einem düstere, pessimistische Vampirdramen vor, in denen kaum geredet wird, viel lebensverneinende Atmosphäre herrscht, zwar nicht mit nacktem Fleisch und Erotik gegeizt wird, aber stets eine durchweg ernste Stimmung herrscht. SEXUAL-TERROR fällt, verglichen mit späteren Werken, beinahe heiter aus… Nein, das ist übertrieben. Diese kompromisslose Ernsthaftigkeit und Tristesse aus den späteren Filmen findet man hier jedenfalls nicht vor.
Geboten werden freilich wieder schaurige Friedhöfe, ein altes, von Rankengewächsen eingewuchertes Schloss, Kronleuchter, Fackeln und auch Rollins Lieblingsstrand, der überaus oft in seinen Filmen auftaucht. Besonders reizend fallen mal wieder die Vampire aus: Die vornehmlich weiblichen Vampire (allesamt junge, sexy Chickas) kommen aus Särgen, Gräbern oder Standuhren gekrochen, laufen vorzugsweise in durchsichtige Schleier gehüllt oder ganz nackt durch die düstere Szenerie und haben Kuschelsex auf einem Bärenfell. Besonderes Lob gilt den Schauspielerinnen Sandra Julien (SCHIFF DER GEFANGENEN FRAUEN) und Marie-Pierre Castel (LIPS OF BLOOD, REQUIEM FOR A VAMPIRE) – sie machen den Film gleich um 60% sehenswerter.
Minuspunkt: In SHIVER OF THE VAMPIRE wird teilweise übertrieben viel gelabert, zudem meist noch ziemlicher Stuss, was ernsthaftes Gruselfeeling beinahe im Keim erstickt. Ferner ist die Story um die beiden Honeymooners, die wider Erwartens auf ihre scheintoten Verwandten stoßen, die wiederum in Studien über ägyptische Mythologie vertieft sind (Wie passen da nur später die Vampire ins Spiel?), …schon grober Unfug.
Dickes Plus dagegen: der Soundtrack. Dieser besteht aus coolem 70er-Jahre-Rock, ist sehr funky, mitunter total abgespaced und psychedelisch und erinnert an Bands wie Led Zepplin, Can und The Jimi Hendrix Experience.
Mit Werken wie REQUIEM FOR A VAMPIRE, LIPS OF BLOOD oder FOLTERMÜHLE DER GESCHÄNDETEN FRAUEN sollte man SHIVER OF THE VAMPIRE nicht vergleichen. Wenn man sagt „Der Meister übt noch“, trifft man nicht des Pudels Kern, ist SHIVER OF THE VAMPIRE einfach anders als Rollins Folgefilme. Er ist erotisch, düster, aber nicht 100% konsequent. Schrullig, teilweise sogar zum Schmunzeln. Irgendwie ein Hippie-Vampirfilm mit vermoderten Grabsteinen und vielen blanken Busen.
Story: (+)(-)(-)(-)(-)
Nacktheit: (+)(+)(+)(-)(-)
Soundtrack: (+)(+)(+)(+)(-)
Fazit:
Story mies, aber optisch und akustisch sehr einladend. Nicht Rollins Bester, macht auf seine Weise trotzdem enorm Spaß.