Was passiert wenn man eine eigentlich pupertäre Story mit einer Hauptdarstellerin des Jahrgangs 1975 besetzt? Richtig, der Film bleibt trotz aller Bemühungen unglaubwürdig und wirkt unfreiwillig komisch. Eine erwachsene Frau als Schulmädchen hatten wir mit Ha Ji-won zwar zu Beginn des Jahres schon einmal ; dort klappte "100 Days..." verblüffenderweise für mich erstaunlich gut, doch hier will es nicht gelingen.
Wenn auch besagte Kim Seon-ah im Jahr 2005 mit "My lovely Sam-soon" den TV-Serien-Blockbuster des Jahres ablieferte, in "S-Diary" ist sie viel zu erwachsen für ihre Rolle.
Na Jin-hee ( gespielt von Kim Seon-ah ) hat kein Glück mit den Männern. Ihre ersten drei Liebschaften waren schon unglücklich und auch ihr neuester Freund trennt sich von ihr. Er wirft ihr vor erdrückend und besitzergreifend zu sein, sie will ihrerseits nur Zuneigung und Liebe. Der Ring wechselt sofort wieder den Besitzer und ihre Geschenke an ihn kommen Tage später in einem Karton zurück. Jin-hee ist wieder mal allein und langsam verzweifelt sie bzgl. ihrer Situation. Zumal ihr Ex-Freund ihr auch noch jegliches Verständnis bzgl. Männern abspricht und behauptet, keiner ihrer früheren Freunde habe sie ernsthaft geliebt. Nach kurzer Zeit des Grübelns beschliesst sie tatsächlich seinen Rat anzunehmen und den drei Verflossenen diese Frage zu stellen.
Zuerst erfahren wir als Zuschauer, wer denn mit Jin-hee schon einmal knuddeln durfte. Ihre erste Liebe war ein Priesteranwärter ; als Leiter des Kirchenchores in der heimischen Gemeinde tätig, verliebte sich Jin-hee in den schüchternen Gu-hyeon ( gespielt von Lee Hyeon-woo ) und beim gemeinsamen Nachhilfeunterricht kam es dann zum Nahkampf zwischen den beiden. Bei dieser für den jungen Mann unbeabsichtigten "Sünde" blieb es allerdings auch und er verschwand recht schnell wieder aus ihrem Leben.
Danach gab es da noch den zugegeben unsympatischen Lee Heong-seok ( gespielt von Kim Soo-ro ) ; mit ihm verliert sie ihre Jungfräulichkeit und in der Folge scheint er deutlich mehr Spass am Sex als am Lernen zu haben. Sie macht seine Arbeiten, sie kauft für ihn ein und genau gesagt wird sie ziemlich ausgenutzt. Letztendlich heiratet er eine andere wohlhabende Frau und wird Polizist.
Der dritte Partner von Jin-hee ist der undurchsichtige und vor allem jüngere Yu In ( gespielt von Gong Yoo ). Er drückt sich vor dem Militärdienst und lebt in einem von Mama finanzierten Appartement. Auch für Yu-in wird Jin-hee kochen und putzen und einkaufen, sie wird mit ihrem Geld bezahlen und mit ihm guten und häuffigen Sex haben, doch er wird niemals aufhören, auch nach anderen Frauen zu schauen. Sie wird zwar den Graffiti-Künstler Yu-in verlassen, doch nach Beendigung der Beziehung ist sie dennoch diejenige die allein ist.
Somit konfrontiert sie alle drei mit ihrer plötzlichen Anwesenheit und mit ihrer Frage, ob sie tatsächlich geliebt worden ist. Die Antworten bzw. Reaktionen sind für Jin-hee ernüchternd ; sie wird entweder belächelt oder ihr Auftauchen wird als unpassend und peinlich empfunden. Gedemütigt und verletzt stellt sie den drei Männern ihre Seelenpein in Rechnung ; sie sollen bezahlen für ihre Lieblosigkeit und sie fordert ihren finanziellen Verlust zurück. Die drei Rechnungen sind der Beginn einer aberwitzigen Rache und eines Reifeprozesses für Jin-hee.
Vielleicht wäre wohl jede Schauspielerin oberhalb der Volljährigkeit für diese Rolle zu erwachsen gewesen und es liegt nicht an Kim Seon-ah sondern am beknackten Drehbuch. Der erste Kuss bedeutet keine Verlobung und der erste Sex auch keine Heirat mehr ; dort sollte auch Südkorea mittlerweile angekommen sein. Wenn Frauen dennoch als komische Rachenegel auftreten und Männer als sexistische Schweine dargestellt werden, dann zeugt das einfach von einem weltfremden Drehbuch.
Auch die Racheaktionen sind nicht witzig sondern einfach nur peinlich und wie schon gesagt pupertär. Die Viagra-Kur für den Priester oder die Graffiti-Attacke auf einen Polizeiwagen sind ebenso peinlich wie ein mit Eiklar gefülltes und verstecktes Kondom in der Sitzspalte eines Sofas. Diese Aktionen passen eigentlich überhaupt nicht zu unserer Hauptdarstellerin und lassen sie überaus kindlich naiv erscheinen.
Ein paar gelungene Situationen hat der Film dann doch ; eine lustige Aktion beim gemeinsamen Bad sei hier erwähnt. Überhaupt ist Kim Seon-ah der Grund für den fünften Punkt, sie ist trotz der Schwächen ihrer Figur einfach süss und niedlich anzuschauen und man kann schon ein wenig Mitleid mit ihr haben ; sowas nennt man wohl einen hohen Knuddelfaktor.
Dennoch kommt der Film auf keinen ernsthaften grünen Zweig, die Story ist dümmlich und die melodramatische Reifung am Schluss aufgesetzt. Jeder vernünftige mitteleuropäische Teenager hätte diese Erkenntnis schon nach fünf Minuten gehabt. Jin-hee allerdings braucht lange 100 Minuten dafür und präsentiert dem Zuschauer ihren Geistesblitz bei einer leisen Klaviereinlage.
Oh je... absolut oberflächliche und in ihrer Aussage fragwürdige Romcom-Revenge-Kost aus Südkorea mit einer unterforderten Kim Seon-ah. Nur wegen ihrem Charme und der fast schon typischen soliden Machart werden das ganz knappe 5 Punkte.