Schicksalskampf
Bei einem WM-Kampf der Amateure im Jahre 1988 war's, als einer der Boxer wie vom Blitz getroffen zu Boden stürzte. Hatte sein Gegner einen gefütchteten Tiefschlag gelandet? Die Zeitlupe im Fernsehen bewies, was der Reporter mehrfach feierlich wiederholte: " Kein irregulärer Schlag, liebe Zuschauer, sondern ganz sauber auf die Leber."
Ganz sauber auf die Leber - so ist Boxen: martialisch, brutal und vor allem ungesund.
Das weiss auch Trainer Frankie Dunn (Clint Eastwood). In der Boxszene gilt er als zögerlich. Man kann von ihm alles lernen, um Champion zu werden, zum Weltmeister krönen, kann er seine Schützlinge nicht. Warum Dunn Titelkämpfe meidet, ist eins von vielen Geheimnissen, die der alte Ringfuchs hinter seiner Doppeldeckung aus zynischen Sprüchen und literarischer Bildung verbirgt. Einmal war Frankie Dunn Zeuge, als ein Boxer von den Verantwortlichen verheizt wurde. Wie ein Mahnmal, alt und halb blind sorgt Eddie "Scrap" Dupris (Morgan Freeman) seither für Sauberkeit im "Hit Pit". Eddie ist es auch, der in unnachahmlicher Weise von jenem Tag erzählt, als Maggie Fitzgerald (Hilary Swank) die Boxhalle betrat. Maggie, die Kellnerin mit dem strahlenden Lächeln, war von anfang an die härteste Gegnerin, die Dunn in seinem Leben gehabt hatte. Mit ihrem Dickschädel, ihrer unschlagbaren Naivität, ertrotzte sich Maggie vom alten Skeptiker Dunn alle Zugeständnisse; zuerst die Boxbirne, dann seine Ratschläge und zuletzt managte Frankie sie gar im Kampf um die Weltmeisterschaft. Aber in der Stunde ihres größten Triumphes, traf sie der Hammer. Und dieser Schlag, soviel sei verraten, ging nicht sauber auf die Leber.
Mit "Million Dollar Baby" zelebriert Clint Eastwood ("Die Brücken am Fluss") ein weiteres Mal die Kunst des Erzählens. Weder im Leben, noch im Ring wollte die strebsame Maggie erkennen, dass es Tiefschläge gibt. Hier wird uns gezeigt: "Mut und Ehrgeiz zahlen sich zwar aus, werden aber nicht immer belohnt." In nur einer einzigen Sekunde kann sich das Leben eines jeden Menschen rapide verändern.
Natürlich weiss auch der Regiegroßmeister, was der Zuschauer von einem Boxerdrama erwartet und inszenierte, ganz klar, auch mitreißende Fights. Doch letztendlich ist es nicht der Kampf, sondern es sind die Kämpfer, die im Mittelpunkt seines Meisterwerks (gewann 4 Oscars und 2 Golden Globes) stehen. Man muss genau hinsehen und hören, um die vielen Feinheiten, die Geschichten hinter der Geschichte aufzuspüren.
Fazit: Tief bewegendes Drama, das einen zu Tränen rührt.
9,5/10