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Es gibt sie noch, die großen Geschichtenerzähler Hollywoods. Und wer hätte das früher gedacht - Clint Eastwood ist unter ihnen einer der größten. Fast hat man den Eindruck, dieser Mann ist wie ein guter Wein, der im Alter immer besser wird. Alle seine Filme der letzten 8 Jahre konnten überzeugen, und alle diese Filme folgten einem heutzutage geradezu anachronistisch wirkendem Muster: Ganz ohne Effekthascherei werden Geschichten erzählt. Und diese Geschichten sind auch noch gut.

Am besten indes sind immer jene Filme, in denen Eastwood nicht nur Regie führt, sondern auch als Hauptakteur auftritt. "Erbarmungslos" war der erste Vertreter seiner Filme, der mir in diesem Zusammenhang aufgefallen ist. "Million Dollar Baby" ist recht ähnlich gestrickt, ein klassisches Drama, ebenfalls neben Clint Eastwood persönlich abermals mit Morgan Freeman als Kompagnon glänzend besetzt. Und ebenfalls wie in Erbarmungslos fügt sich eine Jungactrice glänzend in das Ensemble der weisen alten Männer ein, diesmal in Gestalt von Hilary Swank.

Million Dollar Baby ist ein Film über das Boxen. So sieht es jedenfalls auf den ersten Blick aus. Auf den zweiten Blick ist er vielmehr ein Film über Hingabe, Treue, Einsamkeit, Projektionen, Vergangenheitsbewältigung und die gemeinsame Realisierung eines Traumes. Was Eastwoods Filme stets auszeichnet, sind die Beziehungen der Charaktere untereinander. Was sie oft ebenfalls auszeichnet sind Geschichten, die irgendwie immer anders ablaufen, als man es anfangs vermutet. Million Dollar Baby kann hier als Paradebeispiel gelten.


Die Handlung:
Frankie Dunn (Clint Eastwood) ist ein alternder Boxprofi, der sich im eigenen Boxstudio mehr schlecht als recht mit seinen Nachwuchstalenten herumschlägt. Eines Tages platzt die junge Maggie Fitzgerald (Hilary Swank) in seinen Laden und bittet ihn, sie zu trainieren. Doch Dunn, bärbeißig und abgebrüht, mag keine weibliche Boxerin trainieren und verweist sie an einen jungen Kollegen, der natürlich alles was geht falsch macht und Maggies Talent nicht einmal ansatzweise erkennt.

Im Boxstudio lebt Eddie Scrap-Iron Dupris (Morgan Freeman), der Hausmeister und ein alter Buddy von Frankie. Er erkennt den Kampfgeist in der fürs Boxenlernen eigentlich bereits zu alten Maggie und beginnt, sie heimlich zu trainieren. Als Frankies angehender Nachwuchsstar aufgrund von Geld die Seiten wechselt und Frankie hängen lässt, und Maggies Trainer alles versiebt, so dass es kaum noch anzusehen ist,
erbarmt sich Frankie schließlich Maggies und erklärt sich bereit, sie zu trainieren. Maggie ist bereit, sich ihrem Traum vom Boxen völlig zu unterwerfen, solang Frankie sie nur trainiert, und so hat dieser endlich die Gelegenheit, einen Boxer zu formen, der nicht dauernd querschießt. Schon bald stellen sich die ersten Erfolge ein, und Maggies wahres Talent zu Boxen wird offenbar.
Schließlich kommt der Tag des großen Kampfes, doch dann nimmt die Handlung eine unerwartete Wendung.

Mehr sei an dieser Stelle über die Handlung nicht verraten. Nur soviel: Wer am Ende des Films keinen dicken Klos im Hals hat, sollte künftig um das Thema Drama besser einen weiten Bogen machen.


Meinung:
Technisch und handwerklich spielt Million Dollar Baby auf höchstem Niveau. Beleuchtung, Set und Kamera liefern poetische Bilder, die Akteure spielen allesamt ganz hervorragend, auch wenn Maggies Familie in ihrem kurzen Gastauftritt allzu klischeehaft herüber kommt, und das Ensemble der Hauptfiguren agiert harmonisch und überzeugend. Hilary Swank schafft es, durch leises Spiel neben den Giganten Eastwood und Freeman bestens zu bestehen.

Was bleibt ist die Story, und die ist einmal mehr eine einfühlsam erzählte Geschichte, die auch zu fesseln vermag, wenn man mit Boxen so gar nichts am Hut hat. Million Dollar Baby ist auf jeden Fall einer von den Filmen, die einem lange Zeit im Gedächtnis bleiben.

Ich bin jedenfalls sehr gespannt, was dieser Grandsigneur des Erzählkinos uns in den nächsten Jahren noch bescheren wird.

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