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Clint Eastwood spielt einen ehemaligen Boxer, der zusammen mit seinem ehemaligen Schützling, gespielt von Morgan Freeman, eine kleinere Boxschule betreibt. Eine junge Kellnerin, gespielt von Hilary Swank, kommt schließlich auf ihn zu und will, dass er sie trainiert. Nach langem Widerstand entschließt sich Eastwood dann doch, sie zu trainieren. Er formt aus ihr eine Gewinnerin und bringt sie bis zu einem Weltmeisterschafts-Kampf. Im Kampf wird Swank jedoch niedergeschlagen und ist danach querschnittsgelähmt. Sie bittet Eastwood, ihr das Ableben zu erleichtern und dieser steht nun vor der schwersten Entscheidung seines Lebens.

Die Story ist gut. Die Handlung und der Plot an sich sind recht banal. Der Film beginnt wie ein normaler Sportfilm und geht zum Ende hin in ein Drama über. Dennoch ist es genial, was Drehbuchautor Paul Haggis aus dem Plot herausholt. Es gibt im gesamten Film im Prinzip nur eine richtige Wendung und zwar, wenn Swank querschnittsgelähmt wird. Statt also auf Wendungen zu setzen, setzt Haggis auf charakterliche Tiefe und bemüht sich sehr die Umfelder und die Einstellungen seiner 3 Hauptfiguren im Film gebührend darzustellen. Er versieht jede seiner Figuren mit Ecken und Kanten und liefert somit viel emotionale Tiefe. Darüber hinaus glänzt die Story vor allem durch die Monologe des Erzählers, in diesem Fall Freeman. Die Monologe sind tiefgründig und versuchen eine Art Parabel zwischen dem Boxsport und dem menschlichen Leben darzustellen. Dabei variiert er die stereotypen Muster des Genres perfekt. Alles in allem liefert Haggis eine bewegende Story, die sich anfangs mit Hoffnungen und Träumen beschäftigt und zum Ende hin den Sinn des Lebens anschneidet. Die Story ist förmlich ein Steilpass an Regisseur Clint Eastwood.

Und Eastwood nutzt diesen. Nachdem er bereits mit "Erbarmungslos" und "Mystic River" unter Beweis stellte, dass er nicht nur als Darsteller zu den ganz Großen gehört, leistet er auch hier hervorragende Arbeit und verdient sich seinen zweiten Oscar für die beste Regie redlich. Die Filmmusik gestaltet er meist melancholisch, sodass sie perfekt zur Handlung und vor allem zur zweiten Hälfte des Films passt. Er spielt hervorragend mit den Farben und lässt vor allem die emotionale und bewegende zweite Hälfte des Films hauptsächlich im Dunkeln ablaufen. Auch die Kulisse ist passend und realistisch. Er setzt nicht auf größere Hollywood-Effekte, noch auf übertriebene Darstellungen und überlässt durch diese stilsichere und relativ schlichte Umsetzung den hervorragenden Darstellern das Feld. Einmal mehr beweist der Jahrhundertdarsteller sein Talent als Regisseur und Produzent.

Der Unterhaltungswert ist ebenfalls hoch. "Million Dollar Baby" läuft zwar relativ langsam an, steigert sich dann aber zunehmend. Fans von Sportfilmen werden sich vor allem in der ersten Hälfte des Film hervorragend unterhalten. Bis zu der 180°-Wendung nimmt der Film dann zunehmend an Tempo zu und kann vor allem durch intelligente und vielschichtige Dialoge und durch perfekt choreographierte Kampfszenen bestens unterhalten. Nach dem Bruch in der Story wirkt es fast wie ein neuer Film. Es wird zunehmend bewegender und emotionaler. Die hervorragenden Darsteller, die echte Gefühle vermitteln können, verhindern dabei, dass der Film in den Gefühlskitsch abgleitet. Das Ende ist hervorragend und hinterlässt im Zuschauer einen bleibenden Eindruck.

Da die Handlung nicht sonderlich viele Wendungen enthält und Eastwood seine Umsetzung stilsicher aber schlicht gestaltet, steht und fällt der Film mit den Leistungen seiner Darsteller; und diese sind perfekt. Oscar-Preisträgerin Hilary Swank läuft nach "Boys Don`t Cry" erneut zu alter Hochform auf und nimmt zu Recht ihren zweiten Oscar entgegen. Sie meistert den schauspielerischen Kraftakt und kann durch ihre bewegende Darstellung sehr beeindrucken. Es ist eine der besten Darstellungen, die ich jemals gesehen habe und stellt sogar die ihrer beiden männlichen Kollegen deutlich in den Schatten. Auch Clint Eastwood zeigt einmal mehr eine starke und routinierte Leistung und kann trotz seines hohen Alters der Dreifachbelastung des Regisseurs, des Darstellers und des Produzenten gerecht werden. Morgan Freeman, dessen Part der kürzeste ist, zeigt sich ebenfalls sehr stark. Auch er spielt überzeugend und bewegend und beeindruckt einmal mehr mit seiner hervorragenden Mimik und seinem beiläufigen Humor und nimmt zu Recht den Oscar als bester Nebendarsteller in Empfang.

Fazit:

Trotz des simplen Plots kann Clint Eastwoods Meisterwerk "Million Dollar Baby" tief beeindrucken, fesseln und bewegen. Aufgrund der genialen, aber schlichten Umsetzung, werden die hervorragenden Leistungen der überragenden Darsteller noch einmal unterstrichen, wobei vor allem Hilary Swank mit ihrem schauspielerischen Kraftakt beeindrucken kann. Darüber hinaus beeindruckt der Film mit ungeahnter emotionaler Tiefe und kann durch beinahe philosophische Dialoge über den Sinn des Lebens und diverse Parabeln zwischen dem Boxsport und dem menschlichen Leben glänzen. Jahrzehnte nach "Wie ein wilder Stier" und "Rocky" wurde es ja noch mal Zeit, dass das Genre ein neues Meisterwerk hervorbringt, das Boxfans und normale Zuschauer gleichermaßen beeindrucken kann.

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