Review

“Boxing tempts writers.

It bids them to riff on the contained sav-agery of the prizefight. It entices them to ex-plore the endeavor in terms of masculinity, race, and class. It lures them into an unapolo-getically all-male world. It taunts them with the knowledge that they do not and will not ever belong. It humbles them with the knowl-edge that they must remain circumspect and explicate that world from an outsider's perspective.

Writers approach boxing as idolaters, in-quisitors, wannabes, and manqués. They see boxing as an enclosed society and a groovy, blood-and-guts lifestyle. The entry price is high. Non-combatants endure tedium and hitch themselves to stars that never shine. The fighters themselves chase an always-fleeting glory through the sustained cultiva-tion and infliction of pain. Boxing levies high dues in return for short payoffs. Writers want to visit, but not live there. They come for the pathos and drama, then move on.

F. X. Toole was the exception.“

~ James Ellroy

Zum Entstehungszeitpunkt ein eher ungewohntes Projekt für Clint Eastwood, der zwar zuvor schon einige persönlichere Werke zustande gebracht hat, meistens aber kleinere Produktionen wie Bird (1988) oder Bronco Billy (1980); Eastwood hat direkt hiervor auch Genre abgeliefert und galt mit den kommerziellen, und dennoch konventionellen Blood Work (2002) oder Ein wahren Verbrechen (1999) auch fast wie als abgeschrieben, der neuen Generation zu altmodisch, zu altertümlich, zu archaisch. Dass er hier ausgerechnet mit einem Sportlerdrama und dies mit einer starken Frauenrolle im Fokus dessen gesetzt 'zurückkehrt', wird die meisten Zuschauer eher verwundert haben. Ein weltweiter Erfolg zudem, sowohl bei den Kritikern als auch dem Publikum, was den Filmemacher dahinter eher in die 'falsche' Richtung angespornt haben dürfte, wurden doch danach eine ganze Reihe von Biografien auf den Markt geworfen oder Adaptionen wahrer Geschichten, die die bisher treuen Fans vergrault haben, dafür neue gefunden und ein neues Kapitel Eastwood, mit neuer Ernsthaftigkeit eröffnet; nebenbei hat es den Drehbuchautoren Paul Haggis zu einem kräftigen Schub in der Karriere verholfen.:

Margaret "Maggie" Fitzgerald [ Hilary Swank ], eine Kellnerin aus den Ozarks, möchte ihm sogenannten 'Hit Pit', einem heruntergekommenen Boxstudio in Los Angeles, unbedingt vom Betreiber Frankie Dunn [ Clint Eastwood ] trainiert werden. Dieser hat schon genügend mit den anderen Boxern wie dem einfältigen 'Danger' [ Jay Baruchel ], Shawrelle Berry [ Anthony Mackie ], Omar [ Michael Peña ] oder seiner Hoffnung Willie "Big Willie" Little [ Mike Colter ] zu tun, wird aber von seinem Freund und Assistenten Eddie "Scrap-Iron" Dupris [ Morgan Freeman ] überredet, der Frau eine Chance zu geben.

Haggis, welcher von zwei Kurzgeschichten des Autors begeistert war, hat sein Drehbuch auf "Burn Ropes" aufgebaut, eine Sammlung, welche nach der Veröffentlichung des Filmes und der Popularität dessen natürlich zuweilen umbenannt wurde für die neuen Auflagen; der Schreiber selber hatte nicht mehr viel davon, der Rest der Truppe um Eastwood umso stärker, die Nominierungen und Auszeichnungen en masse, auch der Zuspruch an der Kinokasse, nach Mystic River (2003) der zweite Hit in dem Jahrtausend, es kommen noch mehr. Malpaso Productions wird hier relativ spät erwähnt, dafür geht man gleich in den Kampf, gleich in den Boxring, die Schläge prasseln ein, eine Erzählung auch mit Voice Over, über den Cut Man hier, den Mann, die die Blutungen stoppt, die aufgerissenen Wunden im Gesicht versorgt; "Die Menschen lieben Gewalt.", sie wird hier präsentiert.

"Ich trainiere keine Frauen.", eine erste Absage, eine deutliche Ansage, vom Trainer und Manager hier, vom Profi, vom Experten, "Wenn du das sagst, Frankie.", es wird in die Zeichnung eines Profils gegangen, den Kampf des Lebens, nicht bloß die Minuten im Viereck, sondern die ganzen Jahre. Ein Mann, ein Vater auch, bald eine Art Ersatzvater, die Kommentare eher über der Tonspur als mitten im Film, es gibt auch Rückblenden, Erzählungen von damals, von früher, der Erzähler wird auch vorgestellt, es ist Freeman, die zweite männliche Hauptrolle. Die Umgebung wird vorgestellt, die weiteren Figuren, viele erste Informationen, viele Präsentationen. Rasch geht es voran, Wahrnehmungen sind wichtig, es geht über die volle Distanz, nicht das K.O. in der ersten Runde, sondern der vollen Laufzeit, "Ich möchte hier in Ruhe lesen.", in gedämpften Bildern wird das vorbereitet, manchmal in schnellen Montagen, oftmals in ruhigen Schnitten, in doppelter Aufmerksamkeit, mehrere Beobachtungen hier. Um Reichtum geht es hier nicht, auch wenn man aus der Armut kommt, Eastwood gleichzeitig Schauspieler und Regisseur, keine Ermutigung hier, nur viel Brüskierung, mal wird bezahlt, mal nicht, je nach Herkunft und Persönlichkeit, die Details sind wichtig.

Freeman als zweite Stütze des Filmes, Swank im Mittelpunkt, die beiden älteren Männer an ihrer Seite, als Stütze von der Flanke aus, sie muss in den Fokus, sie muss in den Ring. Mal ist das eine Art Schattenspiel, es gibt viele Lektionen, viele Beiträge, es ist wie ein (böses) Märchen, es gibt Personen, zu denen man aufsieht und Personen, von denen man sich lösen muss, die Lektionen des Lebens eben. Die ersten vielen Minuten sind meist im Boxstudio, eine Aufstiegsgeschichte, in grau und braun und beige meist, scharfkantig gehalten, "Arbeitest Du auch manchmal hier?", es wird protegiert und lektoriert, es braucht etwas Zuspruch, es gibt Beleidigungen, es gibt schmerzhafte Ehrlichkeit, es gibt raue Worte und weiche Emotionen, es wird um Gefühle gestritten und um das Dasein, ums Überleben, um Training und Prüfung, um Pflicht und Kür, um Offerten und Absagen, um Möglichkeiten und Bedingungen, um Schicksal und dessen Schläge. "Es gibt Dinge, die die Leute einfach nicht hören wollen.", vielem Weissagen, viele Wahrheiten, viele Treffer, viele Wirkungen, mehrere Personen im Licht der Kamera, auch die Außenstehenden, die anderen Beteiligten, eine Art Vorbau für Haggis' Crash, alles miteinander verbunden, die Welt als Mikrokosmos, darüber eine einzelne abgeschlossene Erzählung. Wiederholungen im Tagesgeschehen werden dargereicht, Veränderungen auch, manches ist Routine, manches bleibt stets gleich, manches verändert sich, ein Neuanfang und eine Struktur, narrativ ein Schutz und eine Überforderung gleichzeitig, die Eröffnung von Chancen und eine Verweigerung, eine Vereitelung; "Hast Du einen Kampf, wovon ich nichts weiß?"

Alte Männer, junge Männer, junge Frauen, jeder als Mensch hier gezeigt, mit mehr oder weniger Zuversicht, mit mehr oder weniger Vertrauen, Eastwood auch als Komponist, seit Mystic River auch musikalisch verantwortlich für seine Filme, eine zusätzliche Funktion der Verantwortung, es wird oftmals leiser in der Runde, "Sie atmen nicht richtig.", zuweilen sprudelt es auch heraus aus einem, wird mit dem Drama und "aus Mitleid" agiert, wird über-agiert, manche Szenen doppelt und dreifach oder darüber hinaus, es gibt ein Geburtstagsgeschenk. Der Unterricht beginnt im zweiten Viertel, dann hört man auch die Musik, den soften Jazz, den zuvor Lennie Niehaus oder Lalo Schifrin komponiert haben, es kommt der Aufbau der Geschichte, die Weiterführung, ein Vater-Ersatz, ein Tochter-Ersatz, die Entwicklung der Geschichte, das Erlernen und das Üben, "wieder und wieder und wieder", der 'Boss' möchte lieber nur seine Bücher und seine Ruhe, er bekommt viele Fragen aufgedrückt, zu viele auf einmal, er bleibt dennoch interessiert, obwohl er es verneint, obwohl er sich dagegen strebt. Streitgespräche gibt es genüge, es gibt Einsätze und Ratschläge und Nachhaken, es gibt Talent vor und hinter der Kamera, der Film als Instrument, auf dem perfekt gespielt wird, auch manövriert und manipuliert, eine Gegnerin (und die Familie) dämonisiert, "Du lieber Gott", beim Anblick nur.

Manches ist scheinbar unnötig, wie die Starrheit gegenüber dem Priester, welcher später noch gebraucht wird, gewinnend ist das Spiel zwischen Eastwood und Freeman, zwei ältere Herrschaften, ein Buddy Picture zweier verlorener Seelen, auch das Sozialporträt, die kleinen Aufnahmen, der Boxerfilm selber ist lange mäßig interessant, es geht um Licht und Schatten, um Gewinnen und Verlieren, um Schuld und Sühne, um Niederschläge und das Wieder aufstehen, die Erzählung ist nicht in der Gegenwart, sie ist in der Vergangenheit, vom Rückblick aus gehalten. Warum, weiß der Zuschauer, der die Geschichte kennt dann später, das Krankenhaus sieht man zuerst nur wegen einer gebrochenen Nase, es werden Kämpfe arrangiert und gecancelt, es wird gefeilscht und verhandelt, es wird Geld gemacht und Geld abgelehnt, es geht um Einladungen und Ausschlagungen, um Annahme und Verweigerung, um Einsamkeit und Zweisamkeit, um Glück und Unglück, es geht in die Öffentlichkeit und spielt doch im Stillen; die Stärke des Filmes, seine Reserve, die Trumpfkarte vor dem Drama, welches noch kommt und trotz aller Gewinne vorher existiert, "Dann ging er hinaus. Ich glaube nicht, dass er noch irgendetwas fühlte."; ein Wunschdenken und eine Analyse hier.

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