„Blair Witch Project“ räumte ja, Internet-Propaganda sei dank, wahnsinnig ab, doch sieht man den Film und weiß, dass es sich um eine komplett fiktive Geschichte handelt, so lässt das Filmchen doch deutlich zu wünschen übrig.
Die scheinbar wahre Geschichte dreht sich um drei Filmstudenten, die im dunklen Tannenwald von Burkittsville nach der Blair Hexe suchen, welche angeblich für das Verschwinden von Kindern verantwortlich sein soll. Flugs schnappt man sich Sack und Pack, stapft durch den Wald, erlebt gruselige Dinge und verirrt sich da.
Gut, eine echte Handlung erwartet hier niemand, doch spannend könnte die Chose trotzdem sein. Doch ein paar seltsame Gebilde aus Stein und Holz erschrecken kaum jemanden, vor allem wenn man weiß, dass das hier alles nur Fake ist. Da hilft auch die ziemlich originelle Machart nichts, denn so anstrengend das Handkamera-Gewackel auch ist: Stellenweise sorgt man damit für eine wirklich dufte Atmosphäre. Vor allem gegen Ende kommt noch mal Stimmung auf und die letzten Minuten in dem Haus sind sogar wirklich gruselig.
Doch entschädigt ein gruseliger Schluss für einen sonst komplett mauen Film? Nicht wirklich. Da verwandeln sich halbwegs erwachsene Menschen in kürzester Zeit zu Heulbojen, die gar nichts mehr auf die Kette kriegen und nur noch nervliche Wracks abgeben. Da dürfte der Realismus selbst zu dem Zeitpunkt flöten gegangen sein, als man die Geschehnisse noch für wahr hielt. Doch um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, wird hier von den Dialogen her sämtliche Nähe zur Realität abgeschaltet: Im O-Ton ist quasi jedes dritte Wort „fuck“, sodass das überzogene Gefluche nach einer Weile eher unfreiwillig komisch wirkt.
Den Darstellern merkt man auch ziemlich deutlich an, dass sie Laien sind, denn ihre Darbietungen wirken nur selten überzeugend. Erst gegen Ende wird ihr Spiel besser, was aber daran liegen dürfte, dass sie hier teilweise wirklich Angst hatten: Oft hatten Daniel Myrick und Eduardo Sánchez, die Regisseure des Films, ihren Darstellern nicht gesagt, was auf sie zukommen würde und konnten sie so erschrecken.
Nimmt man den ganzen Marketing-Hype weg, so ist „Blair Witch Project“ ein wenig gruseliges Filmchen. Gegen Ende wird es zwar spannend und teilweise hat der Film Atmosphäre, doch die meiste Zeit über präsentiert sich der Streifen als ziemlich langweilig und stellenweise sogar unfreiwillig komisch.