Blair Witch Project ist mal wieder einer dieser Filme die deutlich polarisieren, für die einen ein billig hingerotzer Amateurfilm, für die anderen ein atmosphärischer Oberhammer. Ich denke, wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte. Eines muß man dem Film auf alle Fälle lassen, nimmt man das äußerst knappe Budget von ca. 40000 Dollar und hält das weltweite Einspielrgebnis in den Kinos dagegen, so dürfte BWP wohl mit Abstand der deutlich erfolgreichste Film aller Zeiten sein. Geschickt wurde ein organisierter Internethype lanciert, in dem Echtheit unterstellt wurde, und schon strömten die Massen und die Einnahmen. Wer auch immer der Marketingstratege dahinter war, viel besser kann man seinen Job nicht erledigen.
Von der Story her ist BWP relativ simpel gestrickt. Drei Studenten wollen eine Reportage über eine Hexe in Maryland drehen und verlaufen sich auf der Suche im Wald. Als sie nach tagelangen Irrwegen immer verzweifelter werden, erreichen Sie tatsächlich, das Haus in dem vorgeblich die damaligen Missetaten begangen wurde (irgendwie fallen mir gerade Parallelen zu Hänsel und Gretel ein). Viel mehr passiert hier eigentlich auch nicht, des morgens findet man seltsame Steinhaufen rund um die Zelte, in den Ästen hängen gelegentlich geheimnisvolle Figuren, aber von der ominösen Hexe bekommt man nicht mal den Besenstiel zu sehen.
Da der Film unter FSK 12 firmiert darf man natürlich auch keine Schlachtplatte erwarten, es gibt einmal sekundenkurz etwas Blut zu sehen, ansonsten wars das auch schon wieder. Der Grusel entsteht eigentich immer durch die Situationen, entweder aus Angst, Ungewißheit oder einfacher Ermüdung, plakativen Horror sucht man hier jedenfalls vergebens. Die Bilder aus der verwackelten Kamera tun ihr übriges um den Zuschauer bei Interesse zu halten, da man ja speziell nachts eigentlich nichts erkennen kann, außer mal eine Taschenlampe oder einer der Freunde der durch die Nacht brüllt.
Die damals unbekannten Darsteller machen ihre Sache dabei recht ordentlich, die Charaktere sind sowohl glaubwürdig als auch aus dem Leben gegriffen. Die Dialoge wirken ungestellt, auch wenn in der zweiten Hälfte hauptsächlich nur noch geschrien wird. Zumindest gewinnt man den Eindruck das die drei Waldspaziergänger Menschen wie du und ich sind und keine Retortenfiguren, die ein übermotiviertes Drehbuch konstruiert hat.
Insgesamt hat Blair Witch Projekt in der Filmwelt doch einiges bewirkt. Nicht nur das Kameraleute mit zittrigen Händen auf Jahrzehnte einen sicheren Arbeitsplatz haben, sondern wenn man bedenkt wie viele Filme sich des Stilmittels der Wackelkamera bedienten (Rec, St. Francisville Experiment, Cloverrfield, Dark Area uvm), kann man beinahe von einem neuen Genre Sprechen, das sich auf BWP gründete. Das der Film ein pseudodokumentarischer Fake ist, dürfte sich mittlerweile ja rumgesprochen haben, allerdings finde ich BWP mit jedem anschauen immer ein wenig schlechter. Wenn man mal weiß welche Pointe am Ende wartet, ists irgendwie nur noch halb so interessant. Einmal sollte man die Blair Hexe allerdings gesehen haben und sei es nur zur eigenen Meinungsbildung. Beim ersten anschauen hätte ich locker ne sieben gegeben. Jetzt nach dem dritten Mal reichts nur noch für 6/10.