Review

1978 brachte John Carpenter seinen Film "Halloween" in die Kinos, der nicht nur das Slasherkino der 80er (etwa 200 Filme, in denen Teenager an irgendwelchen Feiertagen aus irgendwelchen Gründen geschnetztelt werden) begründete (ja ja, Black Christmas...), sondern auch zum erfolgreichsten Film ohne großes Studio / Vertrieb dahinter wurde. Bis 1999 dieser Film in die Kinos kam. Vorher hatte man über das Internet (damals wirklich noch "Neuland") Schnipsel und Hinweise verteilt, die den Film als "authentisch" dargestellt haben. Diese Werbekampagne (Found-Footage-Look + virale Werbung) konnte wahrscheinlich nur einmal funktionieren - eben hier.
2 Filmstudenten schaffen es, ohne großes Budget einen Film zu schaffen, der millionenschwere Blockbuster an der Kasse versenkt, indem sie Geld durch Kreativität ersetzen. Mittlerweile hat man den Found-Footage-Look (also Videomaterial, das "authentisch" aussieht) tot geritten. [REC] hätte auch ohne dieses Gimmick funktioniert, bei "Cloverfield" ist es nur visuelle Spielerei, viele andere Filme machen gar nix aus dem Ansatz.
Und nach dem großen Erfolg des Films ist die Euphorie ziemlich schnell abgeflacht, viele halten den Film für langweilig oder finden ihn "sinnlos". Das stimmt objektiv betrachtet auch - nichts passiert, und das Ende steht nicht nur von der ersten Minute an fest, sondern liefert auch keine Antworten. Wenn der Film funktioniert, ist das auch der richtige Ansatz. Bei mir tut er das fast uneingeschränkt. Die wacklige Kamera, die ich eigentlich hasse wie die Pest (und die mich im Kino aus dem Raum getrieben hätte - schon der große Fernseher war fast zu viel) schafft hier genau die Nähe und Distanzlosigkeit, die das Geschehen braucht. Für mich funktioniert die Bindung an die Figuren, und als die kleine Gruppe auseinanderbricht, tut das Anschauen fast körperlich weh. Auf mich überträgt sich das Gefühl der Bedrohung, wenn nur die Blätter auf dem Boden beim Rennen gefilmt werden, das Wackeln der Kamera saugt einen in das Geschehen, statt mich heraus zu reißen (wie das bei Hochglanzproduktionen passiert).
Es gibt übrigens eine Fortsetzung, die einen faszinierenden Grundgedanken (Video vs Film vs Wahrheit) kolossal gegen die Wand fährt, einer der unebensten Filme, die ich kenne, bei dem ich echt nicht sagen kann, ob er mir gefällt oder nicht. Blair Witch Project tut es. Zwei Filmstudenten deklassieren Hollywood - ohne Budget, sondern mit einer einfachen, aber in dem Moment neuen Idee (Cannibal Holocaust war erstens 20 Jahre her, zweitens relativ unbekannt und drittens hielt er den Ansatz nicht konsequent durch), die dann geschickt und intensiv umgesetzt wird. Ob das funktioniert, ist offensichtlich extrem subjektiv. Bei mir hat der Film, als ich ihn 2000 auf Video, auf einem winzigen Fernseher, allein gesehen habe, tierisch reingekracht und er funktioniert bei mir heute noch.

Details
Ähnliche Filme