Review

Dieser Film ist erstaunlich. Menschen (vor allem männliche), die so um die 30 sind, werden den Film kennen, denn die Abenteuer von Bandit (Burt Reynolds) von 1977 waren gerade in den 80’er Jahren sehr beliebt und wurden auch oft im Fernsehen gezeigt. So etwas prägt ja junge Menschen. Wenn man sich „Ein ausgekochtes Schlitzohr“ heutzutage voller Vorfreude anschaut, merkt man, wie erstaunlich dieser Film ist. Erstaunlich, wieviele dumme Sprüche man in 90 Minuten reißen kann (vielen Dank auch für die deutsche Synchro), erstaunlich, mit wie wenig Schauspielkunst man einen Film bestreiten kann und erstaunlich, wie wenig Story man brauchte, um einen veritablen Hit zu landen, der immerhin zwei Fortsetzungen nach sich zog. Aber am erstaunlichsten ist, dass man diesen Mist mal richtig gut gefunden hat.

Völlig ohne Hintergrundgeschichte oder Story beginnt eine stupide und hirnlose Hatz auf den Highways. Vorzeigemacho und Schnauzbartträger Burt Reynolds gibt den Bandit, Vorbild aller rücksichtslosen Verkehrsraser, dem völlig ohne Grund eine Wette angeboten wird: Er und sein truckfahrender Kumpel sollen Bier von einem Ort zum anderen bringen, natürlich in der fast nicht schaffbaren Zeit von 48 Stunden. Gejagt werden sie von einem schrecklich chargierenden Jackie Gleason, der als Sheriff Justice (cleverer Rollenname auch) Bandits (ebenso cleverer Rollenname) Nemesis darstellt. Unterwegs trifft Bandit noch eine Braut, die vom Altar geflohen ist und von Sally Field dargestellt wird. Das ist definitiv nicht ihre anspruchvollste Rolle. Die Action ist dabei genauso platt, wie das Drehbuch. Es wird geheizt, über Schanzen gesprungen und Autos verschrottet, bis die Schwarte kracht. Die ganze Soße wird noch mit einer unerträglichen Truckerromantik verquirlt und oben drauf gibt es einige (vorsichtig ausgedrückt) sehr amerikanische Momente.

Es gibt Filme, die man als Kind oder Jugendlicher geliebt hat, dann lang nicht mehr gesehen hat und die man sich z.B. aufgrund der DVD-Veröffentlichung wieder ins Wohnzimmer holt. Einige dieser Filme lernt man wieder lieben, spürt diesen angenehmen Schauer und fühlt sich zurückversetzt in eine Zeit, in der man sich einem Film völlig hingeben konnte. Zudem merkt man, wie gut dieser Film doch eigentlich ist. Beispiele gibt es reichlich. Dem Rezensenten erging es so mit „Zurück in die Zukunft“ oder „Stand By Me“. Dann gibt es aber auch Filme, die man sich wieder mal reinzieht, in der Hoffnung auf den eben beschriebenen Retrokick, die einen dabei aber bitter enttäuschen. Da merkt man, was für einen Müll man sich früher angeschaut hat und sogar gut gefunden hat. „Ein ausgekochtes Schlitzohr“ ist da ein Musterbeispiel. Wobei der Film sicherlich in einer bierseligen Männerrunde noch am besten funktioniert und wohl auch seine Qualitäten hat, wenn alle Teilnehmer das richtige Alter haben, um mit diesem Film aufgewachsen zu sein. Dann könnte er funktionieren. Wer dieses Wagnis eingehen möchte, bekommt an dieser Stelle noch einen Tipp: Nicht mit diesem Film anfangen, sonst besteht die Gefahr, dass man noch zu nüchtern ist. Insofern ist „Ein ausgekochtes Schlitzohr“ ein Film, den man sich schöntrinken kann. Aber da kennen sich ja viele Männer eh gut aus...

Fazit:

4 / 10

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