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In einem deutschen KZ werden zu so genannten medizinischen Forschungszwecken Kriegsgefangene misshandelt, gefoltert und getötet. Ilsa, die Lagerkommandantin und Angehörige der SS führt dabei dubiose Experimente mit ihren weiblichen Opfern durch, während sie die männlichen Gefangenen zu ihrem eigenen Vergnügen benutzt. Damit sind, anders als bei anderen Lagerfilmen, sowohl Männer als auch Frauen anwesend, was im Endeffekt allerdings auch hier auf Hetero-, lesbischen und ein bisschen S/M-Sex hinausläuft. Eine großartige Rahmenhandlung gibt es nicht, die Charaktere sind austauschbar, mal abgesehen von dem Amerikaner, der Meister im Nichtejakulieren ist und der tapferen Gefangenen, die Unmengen von Schmerzen ertragen kann, ohne zu sterben. Typisch für die damalige Nazi-Exploitation-Welle wird das Augenmerk auf Sex und Gewalt gelenkt, wobei letztere blutig und vor allem sadistisch vorgeführt wird. Nicht nur Vergewaltigung, auch Auspeitschungen und zum Ende hin ein paar recht splatterige Fiesheiten gibt Billigdreher Dave Edmunds zum Besten. Technisch rangiert das oftmals auf einfachem Niveau, kann jedoch in einzelnen Szenen durchaus schockieren. Wie auch die meisten italienischen Pendants kommt dieser Nazi Nasty nicht ohne den pseudodokumentarischen Touch daher, worauf im Vorspann hingewiesen wird, was angesichts von Hitlers Gebrüll im Hintergrund und dem nachfolgenden, in nur neun Tagen abgedrehten, Trash zweierlei ist: zum einen natürlich mal wieder hanebüchener Unfug für den moralisch eingebundenen Betrachter, zum anderen Exploitation in Perfektion vorgetragen für den Liebhaber solchen Schundes. Wer über die Ausschlachtung eines solch heiklen Themas nicht ethisch nachdenkt, bekommt mit Ilsa (oder "Fräulein Doktor", wie man in Kanada sagt) wohl einen der interessantesten Vertreter zu sehen, was nicht zuletzt an der drallen Dianne Thorne liegt, die zwar nicht mehr taufrisch ist, allerdings perfekt in die Dominarolle passt, die sie in ihrer schwarzen Uniform oder mit Arztkittel spielt. Ihren männlichen Opfern scheint das zunächst auch zu gefallen, bis die Kastration danach naht, die Frauen trifft es mit Typhus, Syphilis und ähnlichen Sauereien auch nicht besser. Die sinnlosen Experimente wie auch das Gehabe der Nazis sind zwar in ihrer dekadenten, menschenverachtenden Art allgegenwärtig, jedoch niemals explizit angeprangert, sondern ausgeschlachtet, was das Zeug hält. Was bleibt ist ein Folterfilm mit einem hohen Anteil Nuditäten und einige unfreiwillig komische Passagen, wenn die Darsteller einige Brocken deutsch einwerfen. Sehr schön der General, wenn der beim Betrachten eines nackten Beines bemerkt "Dies ist kein Schnitzelbein". Die in englischer Sprache belassenen Dialoge sind offen gesagt auch nicht viel gehaltvoller, die Komik der folgenden Sequels ist hier noch nicht so ausgeprägt.

Fazit: Entweder man hält "Ilsa - She Wolf of the SS " für ein Referenzwerk seines zweifelhaften Genres, oder man tut das als politisch unkorrekten Nazisch***ß ab, der wider der Vergangenheit, unbekümmert explizite Gewalt, sleazige Ansichten und möglichst schockende Hakenkreuzsymbolik miteinander verbindet. Verkehrt ist beides nicht, also vorher das Gewissen abschalten oder gar nicht erst reingucken. 7/10 Punkten

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