Review

Als Luo Tianguang [ Yueh Hua ] das örtliche Casino betritt, erweckt er sehr schnell Aufsehen. Zum einen räumt mit seinen Spielkünsten fast die Bank leer; als er der Besitzerin Miss Cui [ Lily Ho ] vorgestellt wird, erwähnt er, dass er wegen ihr hier ist. Im folgenden Kampf kann er sich auch beweisen; letztlich stellt er sich als der vor Jahren von beiden Elternteilen versprochene zukünftige Mann von Miss Cui heraus. Die beiden heiraten auch; das Casino wird auf seinen Willen stillgelegt und es könnte ewig so weitergehen, würde Luo durch sein Verhalten nicht die örtliche Spielgemeinschaft brüskieren, zu denen auch die korrupte Polizei gehört.

Die Geschichte ist nicht wirklich ausschweifend, was letztlich auch die relativ kurze Laufzeit von 77min ergibt. Es ist dann aber ein Unterschied, ob weniger Wert auf das Drehbuch gelegt wird oder der Plot nicht mehr hergab ohne in Verästelungen abzuschweifen. Bei The Casino trifft in Teilen irgendwie beides zu.
Der Plot ist zwar schön schlicht und gradlinig, aber es fehlt vor allem eine innerliche Notwendigkeit für das Geschehen; ein Sog, der einem die wirkliche Verbindung zu dem Film herstellen lässt. Alles was passiert ist irgendwie nicht so wirklich wichtig und aufregend; man ist nie mittendrin. Etwaiges Drama, Emotion, Tension fehlt; obwohl die Zutaten dafür durchaus gegeben wären, aber man untermauert sie nicht.

Die Liebesgeschichte beruht auf einem uralten Versprechen statt auf wahren Gefühlen und sieht trotz gegenteiliger Dialoge auch so aus, was das Fundament für das spätere Racheelement nach Cui’s Tod sehr weich werden lässt. Ähnlich wenig glaubhaft sind auch die Bösewichter, die halt einfach so gegeben sind und nur sehr simpel mit dem Motiv „Geldgier“ ausgestattet werden.
Einzig bei Hao Lishan [ Sek Kin ] – der anscheinend eine Schule für Schummler und Betrüger unterhält – kommt noch gekränkte Ehre hinzu; wurde er doch auch von Luo vorgeführt und um sein erschlichenes Geld gebracht. Aber das ist auch nur reininterpretiert, nur in Ansätzen aufgezeigt.
Auf der anderen Seite ist Luo’s einziger Freund Lun Liu [ Chin Feng ] auch nicht so wirklich glaubhaft gezeichnet. Lun wurde zum Beispiel nicht zur Hochzeit eingeladen und Luo reagiert bei dessen Besuch dann auch wenig begeistert. Man weiss auch nur, was Lun an Luo hat, nie umgekehrt; und selbst das geht über einen materiellen Nutzwert auch nicht hinaus.
Allein dafür sind aber spätere, sehr hilfreiche Aktionen von Lun auch nicht verständlich; sie kommen beinahe aus heiterem Himmel. Drehbuch und Film machen sich da nicht die ‚Mühe’, die Figuren richtig einzuführen und umfassend vorzustellen, sondern kennzeichnen sie einfach nur platt. Die Charaktere bleiben blass und einzig als Alibi fungierend, was ebenso für die schnell aufgestellte Rahmenhandlung gilt. Es halt alles schon irgendwie seine Logik, aber in seiner Eintönigkeit und Simplizität eine wenig aufregende.

Ohne spürbares Gefühl und dadurch mangelnder Substanz muss die Inszenierung auf einer anderen, rein visuellen Ebene funktionieren, was hierbei auch nicht so deutlich wie nötig kristallisiert wird. Die technische Umsetzung ist nur selten und dann verspätet spekulativ; lange Zeit findet weder narrativ noch grafisch ein Wettkampf um eine wirklich gelungene Einstellung statt.

Dabei ist der Einstieg ganz gelungen. Ohne Vorbereitung und Schnörkel mitten rein, dort stimmen auch die Pointierungen filmischer Mittel; es sind zumindest welche vorhanden. Aber die Steigerungen fehlen, das Konzept lässt nach und wird nicht durchgehalten. Die Grammatik ist begrenzt, in der Erzählung werden keine Ausrufezeichen gesetzt; die Bewegungen nicht fortgetrieben, sondern an Ort und Stelle festgesetzt.
Es ist kein Fernsehspiel, dafür ist die übliche Shaw Brothers Architektur noch zu edel und die Menge an Close Ups zu auffällig, aber in dem gleichförmigen Erzählstil sind Spannungselemente entweder nicht aufgebaut oder werden verschenkt. Die einzigen effektiven Variationen sind dann ausgerechnet beim Showdown im Casino [ und damit den Gewaltszenen ] eingesetzt; dort ist dann endlich mal etwas Schwung und sei es nur in Effekthascherei.
Die Brutalität kommt dort nicht materiell überraschend, da schon in 1,2 Szenen angedeutet, aber die formalen Ideen sind dann doch auf einmal kreativ genug, um zu wirken. Da werden Würfel in die Augen gebohrt, Münzen als Schneidewaffen durch den Raum geschleudert; dass gleiche passiert mit den durchtrennten Hälfen eines Kruges, der sich in die Gesichter der Angreifer schlitzt.

Regisseur Chang Tseng-chai erregt also zum Schluss noch etwas Aufsehen, was nicht der schlechteste Moment dafür ist. Als einzige Qualitätssteigerung ist das trotzdem etwas wenig.

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