Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Veröffentlichung aus der LOST CLASSIC EDITION eines namentlich nicht bekannten Bootleg-Labels!
Der deutsche Verleihtitel "Auf leisen Sohlen kommt der Tod" ist natürlich absoluter Unsinn, passt sich aber dem komödiantischen Stil dieses unkonventionellen Krimis an.
Genau genommen hätte der Verleih den Film in Bezug auf den im Verlauf der Handlung auftauchenden schwerhörigen, glatzköpfigen Erpresser auch "Mit tauben Ohren meuchelt die Glatze" nennen können.
Im Original heisst der Film schlicht und einfach "The Fuzz" (zu deutsch: "Die Greifer") und bezieht sich auf die dargestellten Polizisten des 67. Bostoner Polizeireviers, die es mit Erpressern, Kleinkriminellen, Vergewaltigern und Jugendlichen zu tun haben, die aus Langeweile Penner abfackeln.
Evan Hunter (Autor von Hitchcocks "Die Vögel") lieferte auch hier das Drehbuch, basierend auf dessen eigenem Roman, den er unter dem Pseudonym Ed McBain verfasste.
Heraus kam dabei ein genrytypischer Kriminalfilm mit erstklassiger Besetzung, der vor allem in der deutschen Fassung mit erlesenen Synchronsprechern wie Arnold Marquis, Beate Hasenau, Harald Juhnke oder Claus Biederstaedt überzeugen kann.
Wenn ein Film für die italienischen Polizeifilme - auch Poliziotti genannt - Pate stand, dann ist es mit Sicherheit "Mit leisen Sohlen kommt der Tod". Gleich zu Beginn sorgt Dave Grusins mit fetzigen E-Gitarren-Beats veredelte Score für erfrischendes 70ies-Feeling, das in den italienischen Plagiaten von Komponisten wie Guido und Maurizio de Angelis oder Stelvio Cipriani - orientiert an diesem Vorbild - ebenfalls musikalisch eingefangen wurde.
Im Vordergrund steht ganz klar die Polizeiarbeit verschiedener Cops, wobei die Storyline um einen kaltblütigen Erpresser den Löwenanteil der Handlung einnimmt. Dabei wurde sehr viel Wert auf Authenzität gelegt, was vor allem in den Fällen der Beamten zum Ausdruck kommt.
Fast dokumentarisch werden dabei die Beamten bei ihren Ermittlungen begleitet, Observationen und Verhöre dargestellt und Spuren verfolgt, die auch einmal in einer Sackgasse enden können - eben der ganz normale Alltag auf einem Polizeirevier, sowohl von Erfolgen und Misserfolgen gekrönt.
Dass zum Ende des Films alle vier unterschiedlichen Fälle in einer Nacht geklärt werden ist natürlich Kommissar Zufall zu verdanken, aber auch einer raffiniert konstruierten Dramaturgie, die - ähnlich wie später bei "Pulp Fiction" - drei Handlungsstränge für eine finale Auflösung gleichzeitig auslaufen lässt.
Was diesen Klassiker von anderen Filmen unterscheidet - trotz der Härte der Fälle und des dargestellten dreckigen Milieus, in dem er teilweise spielt - ist ein gesundes Maß herzerfrischenden Humors: hier schaffen es Drehbuch und Regie Situationskomik mit absurden, teilweise gepfefferten Dialogen zu kombinieren und mit dem schnauzbärtigen Burt Reynolds als Nonne verkleidet den Höhepunkt an aberwitziger Skurillität zu erschaffen.
Im Vergleich zu seinen europäischen Nachahmern liefert Richard A. Colla zweifelsohne eine ruhige Vorstellung ab. Insgesamt gesehen ist das Endprodukt eine rundum gelungene Mischung aus Krimi- und Thriller-Elementen, gepaart mit köstlichen Gags und einer gelungenen Atmosphäre.
Trotz einer Laufzeit von nur 89 Minuten schaffte es Regisseur Colla alle Elemente unter einen Hut zu bringen und zusätzlich den dargestellten Figuren Ecken und Kanten zu verleihen, was "Mit leisen Sohlen kommt der Tod" zu einem der besten Vertreter seines Genre krönt.